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60 Kilometer wandern: Rheinbacher Verein organsiert den Sahrtal Trail

60 Kilometer durch Rheinbach und das Ahrtal : Ausdauerwandern lockt 300 Sportler in die Region

Anstelle des Rhein-Ahr-Marsches absolvieren gut 300 Ausdauer-Sportler den 60 Kilometer langen Sahrtal Trail mit Start und Ziel in Rheinbach. Die anspruchsvolle Tour verlangt den ehrgeizigen Teilnehmern einiges ab, auch die Streckenposten haben alle Hände voll zu tun.

Die Ausdauerwanderer waren wieder unterwegs. Durch das Ahrtal und das Sahrtal ging es am Wochenende beim „Internationalen Sahrtal Trail 60K“ mit Start und Ziel in Rheinbach. Das „60K“ bedeutet dabei, dass es auf eine Strecke von 60 Kilometern ging. Es war mehr oder weniger ein Ersatz für den „Rhein-Ahr-Marsch“ über eine Strecke von sogar 100 Kilometern, der in den beiden vergangenen Jahren der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen war. Dann kam die Flutkatastrophe und zerstörte im Ahrtal einen Teil der Wege der 100-Kilometer-Strecke. „Wir könnten eine ähnliche Strecke zwar anbieten, im Ahrtal dann größtenteils über den Rotweinwanderweg. Aber es gibt dort kaum Schatten und darum machen wir das nicht“, sagte Frank Piontek, Vorsitzender des Good-Walking-Clubs aus Rheinbach, der mit einem großen Team hinter den Ausdauerwanderungen steht.

 Gute Laune an der Versorgungsstation: Thomas Dogen (r,) aus Bonn durfte als Streckenkontrolleur eine Viertelstunde früher auf die Piste. Er brauchte 8,56 Stunden für die Strecke.
Gute Laune an der Versorgungsstation: Thomas Dogen (r,) aus Bonn durfte als Streckenkontrolleur eine Viertelstunde früher auf die Piste. Er brauchte 8,56 Stunden für die Strecke. Foto: Martin Gausmann

Teilnehmer absolvieren Teilstück mit alpinem Anspruchslevel

Am Samstag machten sich etwa 300 Ausdauersportler auf eine recht anspruchsvolle Wanderstrecke. 1,8 Kilometer des Weges ordneten Wander-Apps dabei sogar als „alpin“ ein. Dabei verlief der Weg in Altenahr auch am Teufelsloch entlang, den finalen Aufstieg zu diesem Aussichtspunkt hatte man aber nicht in die Strecke eingebaut und empfahl diesen auch nicht. „Aber schon der Weg von Kreuzberg bis Lind ist ein Hammer“, so Piontek. Den Sauriersteig bei Winnen bezeichnete er als schwersten Abschnitt. Das sah die Hönningerin Ulla Dismon ähnlich: „Es geht ja durch meine Heimat und da wundere ich mich immer wieder, wie der Verein die Wege ausfindig macht und zu einer solch vielseitigen Tour mit tollem Profil zusammensetzt. Dabei hatte es der Kotzberg so richtig in sich, aber auch der Sahrbacher Höhenweg und der Sauriersteig waren knackig. Wir sind an unsere Grenzen gekommen.“

Bevor es seil wurde, nahmen die Wanderer zunächst von Rheinbach aus das Ahrtal ins Visier. Schon am frühen Morgen erreichten die ersten Altenahr. Bewusst habe man diesen Ort und auch Kreuzberg mit ins Wegeprofil genommen, so Piontek. „Die, die nicht aus der Gegend kommen, waren teilweise fassungslos über das, was hier passierte und was noch an Arbeit ansteht“, beschrieb der Club-Vorsitzende Reaktionen vor allem von Teilnehmern aus dem Saarland oder den Benelux-Staaten. Alle Wanderer beteiligten sich übrigens indirekt am Wiederaufbau, denn ein Teil der Startgelder kommen der Aufbauhilfe zugute, für die der Verein schon einmal 21.000 Euro gespendet hatte.

Landrätin Weigand nimmt erste Sportler in Empfang

Wer Auf- und Abstiege meisterte, wurde auf der Strecke bestens versorgt. Wer nach Mittag bei Kilometer 45 am Sportplatz in Krälingen ankam, traf dort auf die Ahrweiler Landrätin Cornelia Weigand, die als ehemalige Verbandsbürgermeisterin frühere Veranstaltungen unterstützte und nun „mal gucken wollte“, wie sie sagte. Weigand freute sich riesig, dass sie nur glückliche Menschen traf. „Es sind auch viele Ahrtaler dabei, für die der Trail eine tolle Abwechslung darstellt“, so die Landrätin.

Ihr dankte Piontek vor Ort für die gute Unterstützung. Überhaupt gab es vom Ausrichter nur Lob für die Zusammenarbeit mit den Verwaltungen. So wurde dem Verein am Start- und Zielpunkt, der Gesamtschule Rheinbach, sämtliche benötigte Logistik zur Verfügung gestellt. Wegen der Nähe zum Rheinbacher Wald bedurfte es nicht einmal einer Straßensperrung, um die Sportler sicher auf die Reise zu schicken. Und auch die Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Altenahr habe hervorragend funktioniert. Und das nicht nur, weil Piontek und der neue Verbandsbürgermeister einst Kollegen bei der Polizei waren.

Das gemeinsame Wandern in der Natur steht im Vordergrund

Bei bestem Wanderwetter tummelten sich zumeist gut trainierte Wanderer nach einem entsprechenden Aufruf bei dieser Ausdauerwanderung, nur jeder Zehnte schaffte die 60 Kilometer nicht. 15 Stunden Zeit hatten die Teilnehmer. Laufen war untersagt, aber es war eh kein Wettkampf, bei dem es um Zeiten ging. Das Naturerlebnis und das gemeinsame Wandern standen im Vordergrund. So sah es auch Tim Schumacher aus Aachen. Er habe begeistert vom Trail gelesen, sei mit Partnerin und einem Freund gekommen. Das Ziel habe man auch deswegen erreicht, weil man sich gegenseitig mitgezogen habe, so der 43-jährige. Im Ziel angekommen, konnten sich die drei sogar noch über eine kostenlose Massage freuen. Auch Fußpflege war im Angebot. „Das war perfekt organisiert mit super Verpflegung auf einer traumhaften Strecke“, war auch die 36-jährige Julia Lefers aus Alfter begeistert. Nicht nur ihr dürften die Höhepunkte der Wanderung mit der überwältigenden Aussicht vom Hornberg oder dem riesigen Radioteleskop bei Effelsberg gefallen haben.

Für den Good Walking Club steht nun die Analyse der Veranstaltung an, die aus Vorstandssicht auch dank der rund 50 Helfer perfekt gelaufen ist. Dann werde man sich überlegen, eine weiteres Ausdauer-Wanderevent in die Planungen aufzunehmen.