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B9 in Bad Breisig: Anwohner fordern Tempo 30

Verkehr auf der B9 : Bad Breisiger fordern Tempo 30 auf der Bundesstraße 9

Seit 50 Jahren kämpft Bad Breisig mit dem Durchgangsverkehr auf der B9. Rund 20.000 Fahrzeuge passieren täglich den kleinen Kurort. Tunnel? Umgehungsstraße? Wie könnte man sich vor den Blechlawinen retten? Zurzeit scheint die einzige Lösung Tempo 30.

Seit Jahren quält sich der Verkehr über die Bundesstraße 9 durch Bad Breisig. Rund 20.000 Fahrzeuge passieren den kleinen Kurort tagtäglich, um in Richtung Koblenz oder in Richtung Bonn zu fahren. Vielfach sind es Lastwagen, die für Lärm und Abgase sorgen, obwohl für Brummis nur ein reiner Anlieger- und kein Duchrgangsverkehr zugelassen ist. In diesem Jahr wird ein eher trauriges Jubiläum im Rheinort gefeiert: Denn seit 50 Jahren ist man dort bemüht, Entlastung aus der Verkehrsbelastung zu finden. Vergeblich.

Topografisch eingebettet zwischen Rhein und Hang zeichnen sich kaum Lösungswege auf. Dies musste nun auch der Hauptausschuss zur Kenntnis nehmen. Weder scheinen eine Untertunnelung, eine Hanglinie oder eine neue, parallel zur Bahn verlaufende Trasse realistisch. Selbst kleine Lösungen, wie die Einführung von Tempo 30, die Aufstellung von Lkw-Mautsäulen, verstärkte Polizeikontrollen, neue Abbiegespuren oder die Sperrung von Zubringerstraßen sind nach Auffassung von Experten entweder nicht durchführbar oder schlichtweg sinnlos.

Bereits 1970 hatte man sich in Bad Breisig mit Planungen für eine Entlastungstrasse beschäftigt. Eine Bahnparallele und Hanglinie als Hochstraße über die Bahngleise wurden entwickelt. 1975 wurde die erste Bürgerinitiative gegründet, die eine Ortsumgehung forderte. Alles verlief im Sande.

Hangvariante als Bahnparallele

Seit einigen Jahren kocht das Thema wieder hoch: Eine westlich verlaufende Hangvariante als Bahnparallele, eine innerstädtische Trassenführung oder auch eine östliche Rheinuferlösung, gar eine Untertunnelung wurden ins Spiel gebracht. Eine Chance auf Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan wird allerdings vom Landesbetrieb Mobilität für keine dieser Varianten gesehen, teilte die Verbandsgemeindeverwaltung mit. Es werde „perspektivisch keine Chance gesehen“. Grund: Das Kosten-Nutzungsverhältnis führe nicht zu einer „Bauwürdigkeit“.

Ungeachtet dessen: Selbst wenn es zur einer Aufnahme in den Wegeplan des Bundes käme, würden Jahrzehnte bis zu einer Umsetzung vergehen. „Vor dem Hintergrund dieser langen zeitlichen Perspektive sollte dies die Stadt Bad Breisig nicht davon abhalten, nach weiteren Möglichkeiten für eine Verkehrsentlastung in der Ortsdurchfahrt zu suchen“, teilte die Verwaltung mit.

Hierfür gibt es inzwischen gleich mehrere Vorschläge aus den Fraktionen. Beispielsweise die Einführung von Tempo 30 auf dieser Hauptdurchgangsstraße. Oder verstärkte Polizeikontrollen, die insbesondere Lkw-Fahrer im Visier haben sollen, die ihre Wagen unzulässigerweise durch den Ort steuern. Die für Bad Breisig zuständige Remagener Polizei winkte schnell ab: Eine konsequente Geschwindigkeitsüberwachung durch Erhöhung der polizeilichen Kontrollmaßnahmen sei mit Blick auf die polizeilichen Sach- und Personalmittel nicht darstellbar. Eine Absage gab es auch beim Wunsch, Maut-Säulen aufzustellen, um Lkw-Fahrten einzudämmen: Das Bundesamt für Güterverkehr erklärte, „dass weitere Standorte von Kontrollsäulen derzeit nicht vorgesehen sind“.

Optimierung der Ampelanlage nicht hilfreich

Als nicht hilfreich wird zudem eine Optimierung der Ampelanlagen angesehen. Dies deshalb, weil es schlicht und ergreifend so gut wie keine Optimierungsmöglichkeiten mehr gebe, so der Landesbetrieb. Bleibt eine Entzerrung des Verkehrs, indem man innerörtliche Zubringerstraßen sperrt. Beispielsweise die inmitten des Ortes gelegene Mittelstraße. Zwar würden dann bis zu 1900 Kraftfahrzeuge weniger auf die B 9 fahren, jedoch als Verdrängungskonsequenz für eine Überlastung der parallel verlaufenden Brunnen- und Vogelsangstraße sorgen. Die Bad Breisiger Verwaltung geht dann von „einem immensen Stau“ auf der Vogelsangstraße aus.

Den Kopf in den Sand stecken will die Stadt indes nicht: Sie hält zumindest an ihrem Wunsch auf Tempo 30 auf der B 9 fest und hofft auf entsprechende Lärmberechnungen, die sowohl eine Geschwindigkeitsreduzierung als auch den Auftrag von Flüsterasphalt rechtfertigen. Weniger Verkehr gibt es damit allerdings nicht.