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Informationsveranstaltung zu Flüchtlingen: Bad Breisig ist gut gerüstet

Informationsveranstaltung zu Flüchtlingen : Bad Breisig ist gut gerüstet

Mehr als 150 Bürger aus Bad Breisig, Brohl-Lützing, Waldorf und Gönnersdorf drängten sich am Montagabend im Saal des Rheinhotels Vier Jahreszeiten. Der Verbandsbürgermeister informierte über die Flüchtlingssituation.

Trotz zusätzlicher Stühle wurden selbst Stehplätze rar, als Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach Zahlen, Daten und Fakten zur Flüchtlingssituation vorlegte. Und dies mit einem Rückblick verband. Noch an Weihnachten sah es so aus, als ob die Verbandsgemeinde (VG) Bad Breisig die ihr vom Kreis zugewiesenen Flüchtlinge nur in Massenunterkünften hätte unterbringen können. „Deshalb hab' ich damals vorsorglich die Jahnhalle ins Gespräch gebracht“, sagte der Bürgermeister.

Doch inzwischen habe sich die Lage entspannt. Dies sei vor allem auf das Engagement der beim Sozialamt für Flüchtlinge eingestellten Fachkräfte, Britta Reimer und Sylvia Steinbach, zurückzuführen. Denn diese hätten Überzeugungsarbeit bei Hausbesitzern geleitet, so dass die Lage entschärft werden konnte und die Kommune über Reservekapazitäten verfüge. So habe die VG aktuell ein Haus in Gönnersdorf angemietet, das Platz für 18 Menschen biete, in der Stadt Bad Breisig gebe es mehrere kleinere Einheiten für jeweils rund zwölf Personen und einen Coup habe die Verbandsgemeinde erst in der vergangenen Woche mit dem anmieten der Häuser Gartenstraße 1 und 1a in Bad Breisg gelandet. „Dort können in neun Wohneinheiten mehr als 45 Personen untergebracht werden“, sagte Reimer.

Ihr Kollegin Steinbach nannte indes die aktuellen Zahlen der VG: So sind in der Stadt Bad Breisig 62 Flüchtlinge untergebracht (20 Einzelpersonen, 15 Familien), in Brohl-Lützing 45 (neun Einzelpersonen, elf Familien), in Waldorf zwölf Einzelpersonen und in Gönnersdorf ein Flüchtling. Zahlen, die steigen werden, aber erst später. Denn, so berichtete Steinbach aus Gesprächen mit der Kreisverwaltung: „Es fällt auf, dass die Zuweisungen vor der Landtagswahl sinken.“

Für die Zeit nach der Wahl sei die VG gerüstet, auch wenn sie im Gegensatz zu anderen Kommunen im Kreis keine Häuser für Flüchtlinge kaufe oder baue, sondern auf Mietwohnraum setzt. „Wir müssen den Wohnraum vorhalten, denn das schlimmste für eine Kommune sind Zwangszuweisungen. Dann werden Flüchtlinge vom Kreis ins Taxi gesetzt und wir müssen sie notfalls binnen Minuten in Hotels einquartieren.“

Da habe sich die Arbeit der vergangenen Wochen gelohnt, sagte Weidenbach und erklärte auch, weshalb die Einwohnerversammlung „erst jetzt“ stattfinde: „Wir wurden wie alle Kommunen von der Situation kalt erwischt, wollten aber nur mit verlässlichen Fakten aufwarten“, sagte der Bürgermeister, der ebenso wie sein Sozialamt im „ständigen Dialog mit der Kreisverwaltung steht“. In Sachen Verteilung der Flüchtlinge auf die Gemeinden ist sich Weidenbach sicher, dass sich die absoluten Zahlen künftig dem Verhältnis der Einwohnerzahlen anpassen. Denn zurzeit werde Brohl-Lützing noch überproportional beansprucht. Und laut Britta Reimer sind Engpässe in weite Ferne gerückt. „Wenn alles klappt, kommen wir bis zum Jahresende, mindestens aber bis zum Sommer hin.“

Herkunftsländer der Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde sind: Syrien (50 Prozent), Afghanistan (18 Prozent), Eritrea (12 Prozent), Iran und Tschetschenien (jeweils vier Prozent), Bosnien-Herzegowina und Ägypten (drei Prozent), Albanien, Libanon und Aserbaidschan (zwei Prozent).

All diese Menschen müssen aber auch betreut werden. Da schlug Weidenbach eine Bresche für das Ehrenamt: „Die Integrationsarbeit der Ehrenamtler ist unersetzlich.“ Da seien besonders auch die Vereine der Verbandsgemeinde von den Sportlern bis zur Brassband eingeladen, sich im Rathaus zu informieren. Infos gibt es aber auch im extra eingerichteten „Café international“, das jeden zweiten Dienstag ab 16 Uhr im Bad Breisiger Pfarrsaal geöffnet ist. Das nächste Mal am 1. März.