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Bauern protestieren gegen Solar-Park in der Verbandsgemeinde Adenau

Ökostromprojekt in der Verbandsgemeinde Adenau : Bauern protestieren gegen Solarpark

Es formiert sich Protest gegen den geplanten Solarpark in der Verbandsgemeinde Adenau. Landwirte wollen ihr wertvolles Weideland nicht für das Ökostromprojekt, das drei Ortschaften gemeinsam mit der Energieversorgung Mittelrhein (EVM) planen, opfern.

Landwirte aus Dankerath, Senscheid und Trierscheid gießen kräftig Wasser in den Solar-Wein, den sich die Kommunalpolitiker der drei Ortschaften gemeinsam mit der Energieversorgung Mittelrhein (EVM) eingeschenkt haben. Wie berichtet, soll ein riesiger Solar-Park mit mehr als 80.000 Solarmodulen auf einer Fläche von 26 Hektar auf einem zu allen drei Gemeinden gehörenden Areal errichtet werden. Kosten: rund 20 Millionen Euro. Etwa 20 Prozent und somit rund 22.000 Menschen des gesamten Landkreises könnten mit der aus dem Mammut-Park gewonnenen Energie mit „Grünem Strom“ versorgt werden. Die Umsetzung könnte allerdings mit Schwierigkeiten verbunden sein: Die Landwirte laufen Sturm.

Die Kommunalpolitik habe ohne jeden Sinn und Verstand dieses Projekt vorangetrieben, so die auf Milchwirtschaft spezialisierten Bauern in Dankerath, Senscheid und Trierscheid. Es fehle den Orts- und Gemeinderäten offenbar jedes Verständnis für die Belange der Landwirtschaft.

Andreas Fabritius hält 170 Kühe und Rinder. Dafür braucht er Weidefläche. Pro Kuh etwa einen Hektar. Nicht nur durch neue Wohngebiete, Gewerbegebiete, den Straßen- und Autobahnausbau habe die Landwirtschaft immer mehr an Weideflächen verloren – nun soll auch noch ein gigantischer, zu allem Überfluss auch mit hohem Zaun versehener Solarpark kommen und Weideland verschwinden lassen.

„Das sieht hier bald aus wie in einem großen Hochsicherheitstrakt“, schwant dem 44-jährigen Milchbauern Fabritius. Neben dem immer geringer werdenden Weideland würde auch die Landschaft völlig zerstückelt. Schon jetzt müssten die Bauern zum Teil bis zu 20 Kilometer zurücklegen, um überhaupt noch freie Landwirtschaft naturnah betreiben zu können, ergänzt Landwirt Peter Reuter. Weiteres Premium-Weideland gehe verloren.

So sinnvoll Fotovoltaik ja auch sei, so sinnlos sei sie am gewählten Standort, meint der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Franz-Josef Schäfer. Es gebe viel zu große Berührungspunkte zur Landwirtschaft, so der Agraringenieur aus Eckendorf. Erst kürzlich habe man für die zur Verbandsgemeinde Adenau gehörenden Dörfer Dankerath, Senscheid und Trierscheid Flurbereinigungsverfahren umgesetzt, um die Landwirtschaft zu stärken. Diese komplette Maßnahme werde nun ad absurdum geführt. Losgelöst davon gebe es starke Konflikte mit dem Naturschutz. Naturschutzberater Andreas Weidner: „Überall schießen nun diese Dinger aus dem Boden. Wir behandeln die Erde so, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum“, beschwert sich der Diplom-Biologe. Auf den Dächern der Häuser gebe es noch viel Potenzial für Fotovoltaikanlagen. Verdichtungen von Grund und Boden seien hier nicht angesagt: „Hier wird die freie Landwirtschaft angegriffen.“ Einmal mehr werde „der billigste und einfachste Weg ergriffen“. Weidner wies auch auf die optische Beeinträchtigung hin: Der Weitblick werde durch die Solarfelder erheblich gestört.

Landwirt Peter Reuter: „Wenn der Solarpark hier gebaut werden soll, brauchen wir Ersatzflächen.“ Die es jedoch kaum geben dürfte, da beispielsweise auch noch für einen benachbarten Autobahnausbau (A1) Ausgleichsflächen aus dem Hut gezaubert werden müssten. Daher wollen die Bauern massiv gegen das Vorhaben vorgehen und protestieren – bevor ein Planungsrecht für den Solarpark geschaffen wird.

An die Kommunalpolitik adressiert, sagte Reuter: „Es ist uns völlig unverständlich, wie die Ortspolitik, in der lediglich ein Bauer sitzt, ein solches Projekt vorantreiben kann.“ Auch wenn die Kommunen durch die mit dem Solarpark verbundenen Pachteinnahmen Geld in ihre Kassen bekämen, so sei das eindeutig zu kurz gedacht. Einerseits werde ökologische Landwirtschaft gefordert, andererseits werde sie unmöglich gemacht. Reuter: „Ich verstehe das alles nicht mehr.“