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Tradition der Wettkämpfe: Das Murrefest in Sinzig-Westum ist ein Spektakel

Tradition der Wettkämpfe : Das Murrefest in Sinzig-Westum ist ein Spektakel

Feuchte Wettkämpfe gab es zum Abschluss des Murrefestes beim Schürreskarren-Rennen der Westumer Junggesellen. Eine Schürreskarre ist eigentlich eine einrädrige Holzkarre, mit der einst Bauern und Winzer ihre Lasten transportierten.

Da strahlten die Teammitglieder der No Limits: Eindrucksvoll hatten sie das schwierige Schürreskarren-Rennen im Sinziger Stadtteil Westum gewonnen. Dabei galt es, so manche Hürde zu nehmen – ganz zur Freude eines begeisterten Publikums.

Eine Schürreskarre ist eigentlich eine einrädrige Holzkarre, mit der einst Bauern und Winzer ihre Lasten transportierten. Heute sind es blecherne Schubkarren, die von den Westumer Junggesellen zur Gaudi der Zuschauer über einen Parcours gesteuert werden. Dabei gilt es, einen Wassergraben zu passieren, eine glitschige Rampe zu bewältigen, von einer Schaukel möglichst weit abzuspringen, Ping-Pong-Bälle in kleine Gläser zu befördern, Nägel mit möglichst wenig Schlägen in einen Holzstamm zu rammen, wobei man zur Irritation der Wettkämpfer dann auch noch mit wassergefüllten Ballons beschossen wird.

Das wäre vielleicht alles noch recht einfach zu meistern, wenn es da nicht noch eine kleine, nicht zu unterschätzende Schwierigkeit gäbe: Unterwegs muss reichlich getrunken werden – Bier und Schnaps. Gerade das Hochprozentige lässt so manchen Teilnehmer vom geraden Weg abrücken, wie in Westum eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde.

Die No Limits, die Koboten, die Weißen Riesen und die Gruppe Bernhagelvoll gaben – angefeuert vom Publikum – natürlich ihr Bestes. Im wahren Herzschlagfinale zeigten die No Limits dann auf, dass sie wirklich keine Limits kennen. Rutsch- und trinkfest sowie wenig wasser- und bierscheu absolvierte die Mannschaft unter Moderation des Präsidenten der Westumer Junggesellen, Robin Odenthal, souverän und routiniert den Lauf mit der Schürreskarre.

Großer Applaus kommt vom Publikum

„Unser Verein hat es sich zum Ziel gemacht, die Westumer Bräuche und Traditionen zu pflegen, den Anstand und die Moral seiner Mitglieder zu erhalten und die Geselligkeit und die Gemeinschaft untereinander und im Dorf zu fördern“, erklärte Präsident Odenthal. Das Schürreskarrenrennen gehört dazu. Es findet statt im Rahmen des Murrefestes – einer Hommage an die Möhre. Allerdings: Ein eigentliches „Karottenfest“, bei dem die Feld- oder Gartenfrucht im Mittelpunkt eines Festes gestanden hätte, hat es in Westum nie gegeben, hielt ein Heimatforscher vor Jahren fest.

Im rheinischen Raum wurden die Feste früher vielfach nach den zu dieser Zeit herangereiften Gartenfrüchten benannt, diese kamen meistens an diesem Tag auf den Tisch. „So kennen wir in einigen Dörfern unseres Heimatbereiches die Spinate-Kirmes, die Schloote (Salat)-Kirmes in Dernau, die Prumme (Pflaumen)-Kirmes in Kripp und die Maubisch (Birnen)-Kirmes in Lantershofen“, so ein Chronist. In Westum werde es am Kirmestag Möhren zum Mittagessen gegeben haben, da sie zur Kirmeszeit jung herangereift sind. So dürfte Westum zu seinem „Murrefest“ gekommen sein.

Wie auch immer die historischen Zusammenhänge sein mögen: Die Junggesellen setzen zum Fest der in Westum wohl kurz vor der Seligsprechung stehenden Karotte die Schürreskarren in Gang, um mit ihnen einen flotten Hindernislauf zu veranstalten, der in einem Dämmerschoppen mit Blasmusik endet. Das Publikum dankte mit großem Applaus.