Salongespräch in der Villa Aurora: Das schwierige Verhältnis von Kirche und Naturwissenschaft

Salongespräch in der Villa Aurora : Das schwierige Verhältnis von Kirche und Naturwissenschaft

Das schwierige Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion war Thema des jüngsten Salongesprächs in der Villa Aurora, bei dem sich der emeritierte Professor Dr. Ingenieur Wolfgang Leisenberg, führendes Mitglied der Freien evangelischen Gemeinde Bad Nauheim und bekennender Christ, die provokante These vertrat: "Der große Irrtum - Wie das wissenschaftliche Weltbild Europa in die Irre geführt hat."

Leisenberg war Professor für Elektro- und Automatisierungstechnik an der Fachhochschule Gießen-Friedberg und hat sich in den vergangenen 25 Jahren intensiv mit den weltanschaulichen Folgen der Physik beschäftigt. Dabei kam er zu einigen diskussionswürdigen Erkenntnissen.

So verneinte er die auf dem Inquisitionsprozess der Kirche gegen Galileo Galilei gründende landläufige Meinung, die Wissenschaft habe sich in einem langen Kampf gegen eine uneinsichtige, aber übermächtige Kirche durchgesetzt. Der gläubige Christ Leisenberg behauptete demgegenüber: "Ohne die Bibel und die Kirche gäbe es gar keine Naturwissenschaft."

Wobei er bedauerte, dass in dem heute vorherrschenden wissenschaftlichen Weltbild mit der Auffassung, die Welt sei als rein naturhaftes Geschehen zu begreifen, Gott keinen Platz habe. Mit Beginn der Aufklärung habe sich der Großteil der europäischen Intellektuellen vom christlichen Glauben abgewandt, und man entwarf eine neue Gesellschaft ohne Gott.

"Eine irdische Stadt des Fortschritts ersetzte die Stadt Gottes", zitierte Leisenberg den bekennenden Marxisten Erich Fromm. Doch die "schöne neue Welt" lasse auf sich warten, so der evangelikale Professor, und zeigte mit einem Zitat des Soziologen Wolf Lepenies eine gewisse Schadenfreude: "Der Prozess der Säkularisierung misslingt, und man mag das die Rache Gottes nennen."

Zum Glück habe die moderne Physik zumindest in Teilen bemerkt, dass sie auf einem falschen Weg sei, so Leisenberg weiter mit Bezug auf den Astrophysiker Hans-Peter Dürr. "Wir beobachten das Entstehen einer neuen Weltsicht, in der Gott nicht nur vorkommen darf, sondern in der er sogar unverzichtbar ist", frohlockte er. Bereits 1944 habe Physiker Max Planck erklärt, dass kein Atom ohne eine intellektuelle Kraft bestehen könne. Wenn der Urstoff des Universums Information sei, folgerte Leisenberg, "dann ist unsere Welt im tiefsten Inneren geistig und nicht materiell."

Die Quantenphysik könne zwar keinen Beweis für einen persönlichen Gott liefern. Doch im 21. Jahrhundert komme die Physik nicht mehr ohne Transzendenz aus, behauptete der Referent und schloss mit der Feststellung: "Die Quantenphysik ist eine Brücke zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Wissenschaft und Glaube."