Alternative Ernährung in Ahrweiler: Das „V“ macht den Unterschied

Alternative Ernährung in Ahrweiler : Das „V“ macht den Unterschied

Beim dritten veganen Markt ging es um Informationen und Kostproben.

Neugierig steckte eine Frau die Nase unters Budendach und blickte auf die Zutaten, die darunter ausgebreitet lagen. „Na, was haben Sie denn hier für mich?“ fragte sie „Döner aus Seitan? Ich hab’ überhaupt noch nie Döner gegessen, aber ich probier’ diesen Mal“, entschied sie wenig später und biss noch mal ein paar Minuten später in das dunkle, fladenartige Brötchen mit einer Füllung aus Rohkost und gewürztem Weizeneiweiß vom Spieß. Statt Fleisch gab es Vleisch und statt Honig Vonig beim veganen Markt in Ahrweiler. Nicht jeder bemerkte gleich den Unterschied, weder auf den so ausgewiesenen Tafeln noch auf dem Teller.

Die Currywurst sah aus wie Currywurst und schmeckte auch so. Bei manch anderem Angebot war das nicht anders. „Der V-Döner ist vielleicht nicht ganz original, aber vor allem dank der Soße trotzdem lecker“, urteilte eine Gruppe junger Leute. Das „V“ hätten sie „nicht gleich auf dem Schirm gehabt“, als sie sich auf dem Ahrweiler Marktplatz umsahen. Dabei machte es den Unterschied. Schließlich waren Tierprodukte „out“ bei diesem Markt. Weil täuschend echt aussehende Käse- und Wurstalternativen und Sojanaise zu Pommes Frites angeboten wurden und Inhaltstoffe aus Weizen, Hafer und Soja meist Fleisch, Milch und Eier ersetzen, war das nicht immer gleich zu erkennen.

Und es drehte sich auch nicht alles nur ums Essen, obwohl die meisten Besucher bei Veganismus nur daran dachten und kamen um zu gucken, „was man denn als Veganer überhaupt noch essen kann“. „Ich wundere mich über die Vielfalt“, stellte eine junge Frau fest. Eine andere war „erstaunt über Schuhe aus Ananasfasern statt Leder, Designhandtaschen aus Kunstleder und Gürtel aus Fahrradschläuchen“.

„Veganismus bedeutet nicht nur eine andere Ernährungs- sondern auch eine andere Lebensweise und generelle Einstellung zu den Dingen. Es hat auch mit Klima- und Umweltschutz, Ausbeutung der Tiere sowie kranken Menschen hier und hungernden Menschen in anderen Teilen der Welt zu tun“, erklärte Mira Riediger vom ausrichtenden Verein Vegane Powerfrauen in der Kreisstadt. „Kühe“ auf zwei Beinen, die vom Stand der Albert-Schweitzer-Stiftung aus durch die Stadt zogen mit Bannern wie „Massentierhaltung abschaffen“ und Prospekten, wiesen schon darauf hin.

Bei einigen bereits vegan lebenden Besuchern hatten Allergien den Auslöser gegeben, andere stellte „einfach ein rundum besseres Körper- und Lebensgefühl“ bei sich fest. Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln bot ein Aussteller kostenlos Bananen zum Mitnehmen an, „so viel Sie tragen können“. Aus dem Rest und den zehn Tonnen Bananen, die er regelmäßig zum reduzierten Preis von Lebensmittelzulieferern namhafter Ketten bezieht, weil sie nicht der Norm entsprechen oder einzeln nicht gut verkauft werden, backt er zwölf Sorten Bananenbrot.

„Ich will keine Zusatzstoffe essen und nehme daher statt Käse Mandelmus oder Sesampaste, und ich will auch nicht Grund für das Schreddern von Küken und der Ausbeutung von Tieren sein. Seit ich vegan lebe, bin ich raus aus der Nummer und kann meine gesunde Seele behalten“, sagte Susanne Selbach aus Ahrweiler. Alles selbst zu kochen, sei schon „etwas aufwendiger“ stellte der 23-jährige Niko Esser aus Westum fest und manchmal nerve ihn die Außenseiterrolle, wenn er mit Freunden ausgehe.

Bereits seit Jahrzehnten ernährt sich die 73-jährige Annelore Schäfer aus Ahrweiler vegetarisch, und mein Mann, ein Fleischesser, unterstützt mich“. Tofu ersetzte problemlos viele tierische Produkte, „aber Butter esse ich einfach noch zu gern, um vegan zu leben“. Nach viel Resonanz bei den beiden Erstauflagen der beiden veganen Märkte an gleicher Stelle in 2014 und 2015, schlug bei der dritten Auflage der Dauerregen ins Kontor: was die Besucherzahl aber auch was die Aussteller anbetraf. Manche seien wegen der weiten Anreise gar nicht gekommen, sagte Riediger. Andere bauten ihren Stand gar nicht erst auf oder schon früher wieder ab.

So wie der Verkäufer von veganem Eis aus Tschechien oder zwei Österreicher mit ihren Salz- und Senfprodukten und Muffins. Und auch das Bühnenprogramm fiel reduziert aus. Trotzdem gaben sich auch viele Aussteller positiv und lobten viele Aussteller auch die das Publikum, das zufällig vorbeikam und zwar oft unwissend über Veganismus war, „aber doch sehr interessiert und aufgeschlossen“.