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Soziale Institution in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Die Frauen von Petras Lädchen bleiben politisch aktiv

Soziale Institution in Bad Neuenahr-Ahrweiler : Die Frauen von Petras Lädchen bleiben politisch aktiv

Mitte März schließt Petras Lädchen. Eine soziale Institution und weitaus mehr als nur ein Secondhand-Laden in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Ein Gespräch mit der Namensgeberin Petra Elsner.

Petras Lädchen fing klein an – mit 30 Quadratmetern an der Hemmessener Straße in Bad Neuenahr. Es wuchs auf 100 Quadratmeter an der Nordstraße und legte noch ein bisschen zu an der Jesuitenstraße. Es war mehr als ein Secondhand-Laden: eine Kommunikationszentrale und „frauen- und sozialpolitischer Motor“, wie die frühere SPD-Chefin Andrea Nahles es zum 40-Jährigen im Jahr 2017 nannte. Mitte März wird Petras Lädchen zumachen. Petra Elsner fungierte als Gründungsmitglied und Namensgeberin.

Mitte März ist nach 43 Jahren endgültig Schluss mit Petras Lädchen. Doch zuvor gibt es noch einmal die jährliche Zusammenkunft mit den Spendenempfängern. Sie haben das gemeinsame Frühstück auf diesen Samstag gelegt aus Anlass des Internationalen Frauentages am 8. März. Dann endet die Geschichte des Lädchens. Wie ist Ihre Gefühlslage?

Petra Elsner: Wir hätten gerne noch ein bisschen weitergemacht. Petras Lädchen ist so etwas wie das Baby von uns Gründungsfrauen. Wir sind alle nicht glücklich über das Ende. Die 45 Jahre hätten wir auf jeden Fall gerne vollgemacht, doch leider standen Schwierigkeiten entgegen.

Welche Probleme sind das konkret?

Elsner: Ein Problem ist bekanntlich, dass immer häufiger unbrauchbare Dinge, ja Sperrmüll, vor unserer Tür an der Jesuitenstraße abgeladen werden. Den Unrat müssen wir mit unseren Privat-Pkw zu einem Entsorgungsunternehmen bringen und für die Beseitigung aufkommen. Ich spreche von Dingen wie einem verrosteten, schmutzigen Wok oder einem Kinderwagen mit nur drei Rädern. Der Mieter über uns konnte manchmal kaum noch durchgehen, weil der Müll sich türmte. Das sorgt natürlich bei niemandem für gute Stimmung. Ärgerlich ist es auch, wenn Leute gespendete Kleidersäcke, die vor der Tür für uns abgestellt werden, aufreißen, die Säcke durchwühlen, sich das für sie Beste heraussuchen und dann alles zerfleddert vor dem Haus verstreut liegenlassen. Hinzu kommt: Das Durchschnittsalter unserer Lädchenfrauen ist 70 und wir haben keinen Nachwuchs.

Im Gespräch mit dem General-Anzeiger: Petra Elsner. Foto: Martin Gausmann

Blicken wir zurück auf die Anfangszeit. Ulrike Habermann, der ersten AsF-Vorsitzenden, sowie Ihnen und Renate Vollrath als Beisitzerinnen blies der Wind voll ins Gesicht. So stieß zum Beispiel im Stadtrat 1978 der Antrag der AsF, einen Kinderhort einzurichten, auf entschiedene Ablehnung.

Elsner: Vorrangig waren für uns am Anfang die Ganztagskindergartenplätze. Die Reaktion auf unsere Idee, einen Hort einzurichten, war allerdings damals: „Das brauchen wir hier nicht, wir haben keine Alleinerziehenden und wir haben auch keine Gewalt“ – als hinge eine Glocke über dem Ahrkreis. All diese Probleme wurden von konserativer Seite nicht wahrgenommen.

Ihr anfänglicher Plan, einen Kinderhort aufzubauen, von dem etwa berufstätige oder allleinerziehende Frauen profitieren sollten, zerschlug sich.

Elsner: Ja, wir erkannten, dass wir es nicht schaffen, einen Kinderhort mit dem Lädchen zu finanzieren. Und wir bissen in der Politik auf Granit. So haben wir uns überlegt: Wir spenden dann halt aus dem Lädchen-Erlös für Institutionen, die wir für wichtig halten, wie zum Beispiel für den Weißen Ring, Pro Familia, Kreuzbundgruppen, Mutter-Kind-Kuren der Awo oder das 1995 endliche gegründete Frauenhaus in Bad Breisig. Dieses war uns immer ganz wichtig. 2019 haben wir dem Haus 2000 Euro gespendet, 2018 waren es 1500 Euro und an diesem Samstag werden wir das Frauenhaus nochmals bedenken. Insgesamt vergeben wir 5000 Euro.

Worum drehte sich Ihre Tätigkeit im Wesentlichen? Was lief im Lädchen?

Elsner: Wir haben anfangs weniger auf die Einnahmen geachtet als vielmehr darauf, mit den Kunden zu reden und zu hören: Wo können wir etwas machen, wo wird Hilfe gebraucht. Basis für alles waren natürlich die vielen Menschen, die mit ihren großzügigen Kleider- und Sachspenden unsere Arbeit in all den Jahren unterstützt haben.

Wie kam es eigentlich zu dem Namen „Petras Lädchen“?

Elsner: Ulrike Habermann schlug vor, dass wir einen Vornamen aus unserer Gruppe nehmen, am besten den kürzesten, eingängigsten. So wurde ich zur Namensgeberin.

Preisverleihung 1982 beim SPD-Bundesparteitag in München (von links): Renate Vollrath, Willy Brandt und Petra Elsner. Foto: Martin Gausmann

1982 wurde das Lädchen auf dem SPD-Parteitag in München von Willy Brandt mit dem Wilhelm-Dröscher-Preis augezeichnet. Der Preis geht an Gruppen, die zu einer freiheitlich-solidarischen Gesellschaft beitragen. Wie haben Sie das Treffen mit Brandt in Erinnerung?

Elsner: Es war eine beeindruckende Begegnung. Unter anderem wegen Willy Brandt war ich damals in die SPD eingetreten.

Wie werden die sozialen Einrichtungen und Vereine künftig ohne Ihre Spenden zurechtkommen?

Elsner: Die ersten Reaktionen waren entsetzt. Es hieß: „Das könnt Ihr nicht machen!“ Ich hoffe sehr, dass etwa das Frauenhaus auch ohne unsere Unterstützung weiter auf stabilen Beinen steht.

Und was machen die Lädchenfrauen in Zukunft?

Elsner: Wir haben uns vorgenommen: Wir bleiben politisch aktiv.