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Weihbischof aus Holzweiler: Erinnerung an einen Seelsorger aus der Grafschaft

Weihbischof aus Holzweiler : Erinnerung an einen Seelsorger aus der Grafschaft

Vor 150 Jahren wurde der Weihbischof Anton Mönch in Niederholzweiler geboren. 1935 gaben ihm 30.000 Menschen das letzte Geleit, als er im Trierer Dom beigesetzt wurde.

„Beichtet nicht bei Juden“, stand eines Tages auf einem Schild an seinem Beichtstuhl im Trierer Dom, der schon zuvor mit fauligem Obst und Eiern beworfen worden war. Nach dem Sprachgebrauch der Nazis war Weihbischof Anton Mönch ein „Halbjude“, seine Mutter war Kind einer jüdischen Familie, war mit 15 Jahren zum katholischen Glauben konvertiert. Geboren wurde Anton Mönch am 13. Juni 1870 in Niederholzweiler. Darum gedachte die Pfarrei am Samstag in der Kirche in Holzweiler seines 150. Geburtstages.

„Wo die Liebe und der Friede, da ist Gott“, hieß der Wahlspruch des Priesters, der sich neben seinen bischöflichen Aufgaben vor allem der christlichen Nächstenliebe verpflichtet sah, die Caritas kraftvoll förderte und die Fürsorge für Kinder, Jugendliche und Familien vorantrieb. In seinen letzten Lebensjahren musste er sich mit dem Naziterror auseinandersetzen. Anton Mönch war längere Zeit herzkrank und starb am 14. Februar 1935 im Alter von 64 Jahren in Trier, wo er in der Weihbischofskapelle im Dom beigesetzt ist. Auf dem Holzweiler Friedhof erinnert eine Tafel an den Sohn der Pfarrei, der ein tatkräftiger Priester wurde. Auch an seinem Geburtshaus ist eine Tafel angebracht.

Anton Mönch war zweitjüngstes von acht Kindern. Sein Vater, Johann Ludwig Mönch, stammte aus Altenahr. Sein Vater und sein Großvater waren dort Lehrer gewesen. Johann Ludwig Mönch wurde Lehrer in Vettelhoven. Die Mutter Anton Mönchs , Anna Maria Regina Kaufmann, erblickte das Licht der Welt als Tochter eines jüdischen Händlers in Merzenich bei Düren, wuchs aber in Nierendorf auf. Nach ihrem Übertritt zum katholischen Glauben wurde sie Haushälterin bei Pastor Alef in Leimersdorf . Sie starb 1920, mit nahezu 95 Jahren, bei ihrem Sohn Anton in Trier.

Geburtshaus von Anton Mönch in Holzweiler. Links neben der Tür hängt eine Gedenktafel. Foto: Martin Gausmann

Schon früh hatte sich gezeigt, dass Anton Mönch ein hochbegabtes Kind war. Seine Talente setzte er später in den Dienst an den Menschen und an der Kirche. Nach der Elementarschule besuchte er die „Höhere Stadtschule“ in Ahrweiler und anschließend das Bischöfliche Konvikt in Trier.

Sein Abitur bestand er mit einem Notendurchschnitt von 1,7, berichtet der Grafschafter Chronist Ottmar Prothmann, der dem Geistlichen in seinem Buch „Kirche und Pfarrei Sankt Martin in Holzweiler“ ein Kapitel gewidmet hat. Für damalige Zeiten war der Notendurchschnitt wohl besonders beachtlich. Anton Mönch studierte Philosophie und Theologie, weitgehend in Rom, erwarb 1894 und 1898 Doktortitel in beiden Fächern und empfing 1897 in Rom seine Priesterweihe.

Gedenktafel am Geburtshaus von Anton Mönch. Foto: Martin Gausmann

Nach seiner Rückkehr in die Diözese Trier waren Bad Münster am Stein, Saarlouis, Baumholder und Birkenfeld berufliche Stationen, zunächst als Kaplan, später als Pfarrer und Dechant. Im September 1915 wurde er in Trier zum Weihbischof geweiht, er wurde Domkapitular und Geistlicher Rat. Schon früh hatte sich Anton Mönch in Wort und Schrift mit sozialen Fragen befasst. 1916 wurde er zum Vorsitzenden des neu gegründeten Diözesan-Caritas-Verbandes bestimmt. Das 20. Jahrhundert sollte nach seinen Vorstellungen ein Jahrhundert des Kindes werden.

Einsatz für den Bau von Waisenhäusern und die Caritas

So engagierte er sich mit Energie für Bau und Unterhalt von Waisenhäusern, für die Förderung Minderjähriger und im Rahmen der Caritas für Gesundheitsvorsorge. Nach seiner Vorstellung sollten staatliche und freie Hilfe einander ergänzen. Von 1928 bis 1932 ließ Mönch die Zeitschrift „Caritas ruft“ erscheinen, und er warb auf allen pastoralen Ebenen für die Caritas und für Aus- und Weiterbildung der hauptamtlichen Kräfte in der Kinder- und Jugendfürsorge. Schulaufsicht, Volksmission und Exerzitien gehörten zu seinen Aufgaben. Als Mitglied des Geistlichen Rates war er zuständig für gottesdienstliche Fragen, für die Errichtung von Pfarreien und Vikarien sowie für Ordensangelegenheiten.

Bei allem Engagement sah Mönch die kirchliche Entwicklung pessimistisch, „die große äußere Gefahr, die mit der Machtübernahme Hitlers drohte, scheint er aber nicht geahnt zu haben“. So stellt Wolfgang Seibrich die Lage in seinem Buch „Die Weihbischöfe des Bistums Trier“ von 1998 dar. Aber bereits auf seinen zahlreichen Firmungsreisen erlebte Mönch Versuche der Nazis, die Kirche aus der Öffentlichkeit zu verdrängen.

Im Trierer Dom nahmen nach seinem Tod etwa 30.000 Menschen Abschied von Weihbischof Mönch. Der Trierer Oberrabbiner Adolf Altmann (1944 in Auschwitz an Entkräftung gestorben) sprach dem Trierer Bischof Rudolf Bornewasser in einem Kondolenzschreiben seine Anteilnahme aus.

„Ich habe dem Entschlafenen stets eine tief empfundene Verehrung entgegen gebracht und mich oft gefreut, auf caritativem Gebiete mit ihm zusammen arbeiten zu dürfen“, heißt es darin. „Groß und edel war sein Empfinden, und tief war seine Herzensfrömmigkeit.“