1. Region
  2. Ahr & Rhein
  3. Mehr von Ahr & Rhein

Expertin berät in Sinzig zur Gartenarbeit nach der Flut

Expertin Heike Boomgaarden gibt Tipps : Gartenarbeit als Hoffnungsschimmer nach der Flut

Expertin Heike Boomgaarden gibt im Bürgerforum Sinzig Ratschläge zur Rekultivierung der heimischen Grünflächen.

Was vielen Menschen ein kreatives Betätigungsfeld, Augenweide, Ruhepol, schlichtweg ein Quell der Freude ist, sieht nach der Flut trostlos aus. Die braune Fläche, die vom geliebten Garten übrigblieb, zieht Betroffenen das Herz zusammen.

Die Pflanzen verschwunden, die Fläche geschunden, das ruft nach Rekultivierung. Daher lud die Stadt Sinzig mit dem Bürgerforum zu „Sinzig blüht auf – Neue Gärten nach der Flut“ ins Katholische Gemeindehaus ein, wo die bekannte Gartenbauingenieurin Heike Boomgaarden über klimafreundliche, artenreiche und pflegeleichte Gartenbepflanzung informierte.

Dass es dessen auch ohne Überflutung bedarf, machte Sinzigs Klimaschutzbeauftragte Clarissa Figura mit Blick auf überhitzte Städte in heißen Sommern deutlich. Vertreter der „Syrischen Freiwilligen Deutschland“ versicherten mit Melanie Brücken vom CoWorking Space Sinzig, bei der Anlage des Gartens zu helfen. Monika Weber-Lambert erklärte, der ins Wasser gefallene Vorgartenwettbewerb des Bürgerforums werde 2021 mit den Rubriken Neugärten und Altgärten nachgeholt. Ihr Tipp für geflutete Gärten: mit effektiven Mikroorganismen besprühen.

Tipps zum klimagerechten Garten

Nach der Flut beginne alles mit dem Boden, so Boomgaarden, die 2020 bereits mit der Aktion „Hoffnung Pflanzen” in Sinzig war. Er darf nicht ungeschützt bleiben, sondern soll abgedeckt werden. Laub und Gehäckseltes, je mehr, desto besser, ernährt ihn, bildet eine Humusschicht, den Mutterboden.

„Noch viel wichtiger ist Gründüngung: Sie bricht den Boden auf.“ Blaue Lupine entgiftet zudem, Phacelia ist auch eine Bienenweide und ein Vasenschmuck. In diesem Herbst ist es zu spät, aber im Frühjahr kann man säen und das Grün dann untergraben. Den Samen gab es von der Stadt kostenlos zum Mitnehmen, außerdem brachte die engagierte Referentin einen Lieferwagen voller Pflanzen mit.

„Ein klimagerechter Garten bedeutet, dass wir das Wasser bei uns im Garten behalten“, sagte sie, denn nur ein feuchter, humoser Boden ist aufnahmefähig. Dank „Regendieb“, eine Schlauchableitung vom Fallrohr in den Garten, versickert es nicht ungenutzt. Man spart je nach Dachfläche bis zu 400 Euro Wasser im Jahr.

Nachhaltige Grünpflege-Ideen

Dicht bepflanzt entsteht ein Kleinklima, ein natürlicher Kreislauf trotz Hitze. Selbst auf kleinstem Raum und steinigem Terrain wächst etwas. „Alles, was wir bepflanzen, beschattet sich und da zieht Leben ein“, warb die Expertin dafür, Ritzen zwischen Platten, jede Fuge in der Steinmauer zu nutzen, in Garten und Vorgarten, der heute nicht mehr dem Nachbarn gefallen müsse. Die einfachste Lösung mit Buchsbaumkugeln in Steinen sei überdies „ein Irrtum“.

Boomgaarden stellte schöne und insektenfreundliche Bäume und Sträucher vor, riet auch zu Disteln, denn: „Wer Schmetterlinge beobachten will, muss Raupen füttern. Eine bessere Welt ist pflanzbar“, sagte sie. Sich zudem als „Teil des großen Ganzen“ zu begreifen, sei „ebenso wichtig für die Enkel“. Ein Appell, der sich zwischen den Zeilen auf die Nachhaltigkeit des eigenen Handelns bezieht.

Und noch etwas gab sie den Gästen mit: „Es gibt nur eines, was einen Menschen am Ende des Tages glücklich macht – wenn man etwas gestalten kann.“