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Flut an der Ahr - Untersuchungsausschuss: „Eine unbeschreiblich hohe Arbeitsbelastung“​

Flutkatastrophe an der Ahr : Verzweiflung und Überforderung beim Krisenmanagement

War die Technische Einsatzleitung an der Ahr überfordert? Welche Rolle spielte der damalige Landrat? Und hätte das Land früher die Verantwortung übernehmen müssen. Am Freitag ging es im Untersuchungsausschuss erneut um brisante Fragen.

War die Technische Einsatzleitung (TEL) des Kreises Ahrweiler während der Flutkatastrophe im vorigen Juli überfordert und nicht mehr Herr der Lage? Hätte das Land die Zuständigkeit für den Einsatz an der Ahr schon viel früher als erst drei Tage nach der Flut übernehmen sollen? Fragen, die im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe zunehmend eine Rolle spielen. Schon in der Flutnacht hatte TEL-Leiter Michael Zimmermann der nächsthöheren Landesbehörde ADD die Überforderung der Kräfte mitgeteilt, wie damalige Mitglieder der TEL in ihren Zeugenaussagen am vergangenen Freitag erklärten.

Aufgrund der Lage überforderte Einsatzleitung in der Flutnacht

Wie es dort konkret zuging, machten Vertreter von Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk deutlich. Christian Niemeyer vom THW-Ortsverband Ahrweiler sprach von einer „unbeschreiblich hohen Arbeitsbelastung“. Mit zwei Festnetztelefonen und einem Handy habe er – solange diese noch funktionierten – versucht, Kontakt zu den Kameraden auf Kreis- und regionaler Ebene zu halten, Einsätze zu organisieren und angesichts der schwierigen Lage immer weiter neue Kräfte anzufordern.

Erstmals drei Stunden geschlafen habe er am frühen Morgen des 16. Juli, also erst rund 36 Stunden nach Beginn der Katastrophe. Eine Ablösung zu bekommen sei nicht möglich gewesen. Alle verfügbaren Kräfte seien im Einsatz gewesen. Dem 32-Jährigen war es wichtig, hinzuzufügen, dass die TEL-Mitglieder „aufgrund der Lage überfordert waren“, aber nicht, weil sie es fachlich nicht gekonnt hätten. Immer wieder habe Zimmermann versucht, Landrat Jürgen Pföhler, der ja qua Amt der oberste Krisenmanager vor Ort war, zu erreichen. An eine Szene erinnert sich Niemeyer noch lebhaft: „Irgendwann saß er (Zimmermann, d.Red.) da und schüttelte nur noch den Kopf. Da war schon Verzweiflung dabei.“

Ein Informationsfluss war weitgehend nicht möglich

Niemeyers THW-Kollege aus Sinzig, Daniel Gronwald, berichtete vom Flutabend, dass es kaum möglich gewesen sei, von den Feuerwehren aus den verschiedenen Orten etwas über die jeweilige Situation zu erfahren, da die Verbindungen vor allem an die obere Ahr weitgehend zusammengebrochen gewesen seien. „Ich kann keine Lage führen, wenn ich keine Rückmeldungen habe.“ Mithin sei es auch nicht möglich gewesen, ein Lagebild zu erstellen.

Gern hätte er am Abend der Sturzflut Erkundungstrupps losgeschickt, um wegen der fehlenden Rückmeldungen der Feuerwehren ein Lagebild zu erstellen. Doch alle verfügbaren Kräfte seien im Einsatz gewesen. Zusätzliche Kapazitäten habe es nicht gegeben. Für SPD-Obmann Nico Steinbach hat all das damit zu tun, dass der Kreis „im Katastrophenschutz unzureichend aufgestellt“ gewesen sei. Grund dafür sei vor allem die fehlende Vorbereitung und Führung durch Pföhler gewesen.

Kritik an Landesbehörden kommt auf

Dem CDU-Vertreter Marcus Klein zufolge ist es vor dem Hintergrund der Überforderung immer weniger verständlich, dass das Land nicht schon am Abend die Einsatzleitung übernommen hat. „Welche Signale hätte es in Mainz und Trier noch gebraucht, um den Kräften vor Ort beizuspringen und Verantwortung und Führung zu übernehmen, wie man es von verantwortlichen Behörden erwartet?“, fragte Klein. Die Antwort darauf seien Innenminister Roger Lewentz und ADD-Präsident Thomas Linnertz dem Untersuchungsausschuss und den Menschen im Land weiter schuldig.

Lewentz selbst war ja gegen 19.30 Uhr kurz in der TEL. Während der Minister damit, wie er sagte, den Einsatzkräften den Rücken stärken wollte, machte TEL-Mitglied Markus Benning vom DRK-Kreisverband Ahrweiler am Freitag deutlich, wie er darüber gedacht hat, als er Lewentz sah: „Jetzt kommen die Touristen, die sich in Film, Funk und Fernsehen zeigen wollen.“ Auch andere Zeugen sagten, sie hätten den Minister nicht weiter beachtet. „Wir hatten genug zu tun“, meinte einer von ihnen.