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Forschung in Bad Münstereifel: Hochwasser beschädigt Radioteleskopstation

Forschung in Bad Münstereifel : Hochwasser beschädigt Radioteleskopstation

Die Stromversorgung ist zwar wiederhergestellt, jedoch fehlt Wasser. Der Rötzelsbach und der Effelsberger Bach verwandelten sich in reißende Flüsse und beschädigten das Lofarfeld der Station schwer.

„Wir haben Strom, aber kein Wasser“, sagt Norbert Junkes, Pressesprecher beim Radioteleskop in Effelsberg. Die Forschungseinrichtung in Effelsberg ist vergleichsweise glimpflich davon gekommen, ist Junkes erleichtert. Der große 100-Meter-Schirm des Radioteleskops sei unbeschädigt, schwer getroffen wurde dagegen das Lofarfeld, die Station für die Messungen im niedrigen Frequenzbereich.

In der Nacht zu Donnerstag verwandelten sich der Rötzelsbach und der Effelsberger Bach an der Radioastronomischen Station des Max-Planck-Instituts in einen reißenden Fluss, traten über die Ufer und überschwemmten Teile des Geländes.

„Es sah hier auf einmal aus wie am Amazonas“, beschreibt Teleskop-Operateur Ralf Kisky die dramatische Nacht. Er hatte am Mittwochabend Dienst und wollte um 22 Uhr eigentlich Feierabend machen, doch es war nicht daran zu denken, vom Gelände weg und nach Hause zu kommen. „Ich hatte Glück, unser technischer Gruppenleiter Klaus Bruns kam auch nicht nach Hause und so war ich an diesem Abend zumindest nicht alleine hier“, sagt Kisky. Die beiden Männer verbrachten die Nacht im Radioteleskop.

Temperatur im Faraday-Raum steigt auf 47 Grad

Sie hatten in der Nacht alle Hände voll zu tun, denn auch bei ihnen fiel wegen des Hochwassers der Strom aus. „Wir haben immer mal wieder sogenannte Netzwischer, Momente, in denen kurz der Strom ausfällt und in denen unsere Batterien und der Notstromaggregator die Stromversorgung übernehmen. Mittwochnacht hatten wir aber zehn Stück hintereinander, dann rappelte es kurz und der Strom war komplett weg“, berichtet der Operateur. Die Batterien übernahmen zwar zunächst die Versorgung, doch bis das Notstromaggregat ansprang, vergingen ein paar Minuten. Durch den Stromausfall stieg die Temperatur im Faradayschen Raum, dem Raum, in dem die elektrischen Geräte und Systeme zur Datenauswertung gelagert sind. Dieser Raum ist besonders isoliert und geschützt, um Strahlungen, die die Messungen des Radioteleskops stören könnten, nicht nach außen dringen zu lassen. „In diesem Raum fiel die Kühlung aus und so stieg die Temperatur da zeitweise auf 47 Grad“, erzählt Kisky.

Inzwischen läuft die Kühlung wieder. Doch das Lofarfeld ist schwer getroffen. Noch immer läuft ein Teil des Rötzelsbachs über dieses Messfeld. Das Lofarfeld, eine Messtation für die niedrigeren Frequenzbereiche, wurde komplett überschwemmt. Die Wassermassen rissen zwei Container, in den Sägen und Rasenmäher aufbewahrt wurden, einmal komplett über das Messfeld. „Wir hoffen, dass nur die Hardware, also die Dinge auf der Oberfläche beschädigt sind“, so Junkes. Diese seien relativ einfach zu ersetzen.

Unklar wann Messungen wieder möglich sind

Wenn die Software, die Technik unterhalb der Oberfläche, auch zerstört sei, würde es lange dauern, sie wieder instand zu setzen. „Die Software ist schwierig zu ersetzen“, so Junkes. Wann Messungen am Lofarfeld wieder möglich sein werden, kann er daher noch nicht sagen. Auch wann die Messungen am 100-Meter-Schirm wieder anlaufen können, steht noch nicht genau fest. „Ich hoffe, wir können damit im Laufe der nächsten Woche wieder starten. Sicher sagen kann ich das aber nicht“, erklärt der Pressesprecher.

Zusätzlich zu der zerstörten Technik am Lofarfeld gibt es aber auch Schäden am Zufahrtsweg und an den Wanderwegen an der Radioteleskop-Station. „Drei unserer vier Wanderwege sind nicht begehbar, da sie teils komplett zerstört wurden“, so Junkes. Einer dieser Wege, der Zeitreiseweg, ist erst im Mai zum 50-jährigen Jubiläum der Station eröffnet worden. Wann die nächsten Besucher zu der Anlage kommen können ist noch ungewiss. „Da wir noch kein Wasser haben und deshalb die Toiletten nicht funktionieren, bieten wir auch noch keine Besuchervorträge und Führungen an“, sagt der Pressesprecher. Wann das Forschungsinstitut wieder Wasser hat, weiß er noch nicht. Das Team sei aber mit den Wasserwerken in Kontakt.

Junkes begann mit den Besuchervorträgen aufgrund der Pandemie erst am vergangenen Dienstag wieder. „Am Mittwochmittag war ich noch im Besucherpavilion und habe einen Vortrag gehalten. Am Abend kam dann das Hochwasser.“ Auch die Vorträge im Rathaus in Bad Münstereifel sollten am Mittwoch wieder starten, doch die Stadt ist so schwer vom Hochwasser betroffen, dass daran vorerst auch nicht zu denken ist. „Wir hier in der Forschungsstation sind noch sehr glimpflich davon gekommen. Die Gebiete und die Betroffenen um uns herum bereiten uns viel mehr Sorgen“, stellt er klar.