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Hochwasser im Ahrtal: 25.000 Haushalte ohne Heizung

Handwerkerbund berichtet : 25.000 Haushalte im Ahrtal ohne Heizung

Nach aktuellem Stand werden zwischen 6000 und 7000 Heizungsanlagen im Ahrtal bis zum Winter nicht laufen. Hei­zungs­bau­er Wolf­gang Worms ko­or­di­niert den Ein­satz von 102 Hand­wer­kern und kri­ti­siert die An­trags­ver­fah­ren für Be­trof­fe­ne.

Wolfgang Worms' zweite Heimat sind Rureifel und Ahrtal geworden. Der Monheimer nimmt seit Monaten stundenlange Autofahrten auf sich, mehrmals die Woche, um im Flutgebiet Heizungen einzubauen und einbauen zu lassen. In besonderen Härtefällen baut sein Team auch kostenlos. 102 Handwerker aus ganz Deutschland koordiniert er seitdem. Das Problem der fehlenden Wärmeversorgung ist aktuell wie eh und je. „Viele Heizanlagen haben wir bereits wieder in Betrieb nehmen können. Die meisten sind Bestandsanlagen, die in zwei Jahren aber wahrscheinlich ausgetauscht werden müssen", erzählt Worms, der die Hilfsaktion „Kogge hilft" leitet.

Ob die Heizungen auf Ölbasis in Betrieb genommen werden dürfen, hänge immer davon ab, wie weit sie sich von der Ahr befänden, so Worms. Bis in 150 Meter Flussnähe dürfe man gehen. Der Dachverband, dem Worms und seine Kollegen unterstehen, schätzt die Zahl der noch nicht funktionierenden Heizanlagen im Ahrtal auf 6000 bis 7000. Das entspricht etwa 25.000 Haushalten. Im Vordergrund der Problematik steht nicht mehr, wie im August noch, der Handwerkermangel. Zumindest aus Perspektive von Worms.

Zahlungen aus Hochwasserfonds lassen auf sich warten

Vielmehr fehlt es an Materialien wie beispielsweise Elektrokabeln. Der Markt wird sich bis Februar wieder erholen, was jedoch den wenigsten Bewohnern nützen dürfte, da die Heizperiode bereits angebrochen ist. Alternative Heizmöglichkeiten wie Elektroöfen könnten Worms zufolge zudem nicht die alleinige Lösung sein: „Wenn jeder sich zwei bis drei davon in Dauerlast ins Haus stellt, könnte es zu einigen Stromausfällen kommen." Denn die Strominfrastruktur sei im Ahrgebiet noch nicht stabil genug.

Ein anderes großes Problem ist die Finanzierung. Die angekündigten 30 Milliarden vom Bund sind noch nicht geflossen – zumindest nicht zu Worms' Kunden im Ahrtal. Zwar hat der Heizungsbauer ein millionenschweres Kreditpaket mit einer Bank aushandeln können. Hiermit sollten Betroffene die Zeit bis zum Erhalt der staatlichen Hilfen überbrücken können. Doch ohne Perspektive, wann die Gelder von der Kommune an die Betroffenen ausgezahlt werden, wolle sich kaum jemand nebst zerstörter Existenz noch verschulden. Worms hat Gutachter engagiert, die bei der Beantragung der Hilfen unterstützen. Diese sagten ihm, die Antragsformulare seien für den Laien schwer verständlich.

Warum die Antragstellung so kompliziert gestaltet wird, ist Worms unverständlich. „Bei den Corona-Hilfen ging das doch auch unkompliziert." Unklar sei manchen noch, inwiefern etwa erhaltene Spenden verrechnet würden.

Im Schleidener Gebiet, wo Worms hauptsächlich mit seiner Hilfsaktion begonnen hatte zu arbeiten, ist er nun weniger unterwegs. Dort laufe die Zusammenarbeit zwischen Handwerkern und Stadtverwaltung gut. Anders als im Bad Neuenahrer Gebiet. Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen – Kommune, Land und Bund – funktioniere insgesamt schlecht.

Hier finden Sie alle Artikel, Bilder, Videos und Podcast-Episoden zum Special „Die Flut - 100 Tage danach“.

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