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Hochwasser-Katastrophe im Kreis Ahrweiler - „Unkoordinierte Hilfe bringt uns nichts“

Aufräumarbeiten an der Ahr : „Unkoordinierte Hilfe bringt uns nichts“

Der massiv von Unwetter- und Hochwasserschäden betroffene Kreis Ahrweiler bittet Helfer darum, sich zu gedulden. Zudem stören vor Ort offenbar Katastrophentouristen die Aufräumarbeiten.

Heute Morgen bestätigt ein Mitglied einer unterstützenden Einheit der Pressestelle des Kreises Ahrweiler, dass sich private Helfer bitte aus den Katastrophengebieten fernhalten sollen. „Unkoordinierte Hilfe bringt uns nichts.“ Obwohl es bereits etliche gelungene private Hilfs-Aktionen und dankbare Flutopfer gibt, wie in den Sozialen Medien zu verfolgen ist, gelte für das Katastrophengebiet im Landkreis Ahrweiler: „Wir sind noch in der absoluten Chaos-Phase.“ Es gehe weiterhin primär darum, Menschen zu bergen: lebend, verletzt oder tot. Und auch den Bürgern, die schon in Sicherheit sind, fehle es aktuell erst mal an den grundlegenden Dingen wie Trinken, Essen, Ruhe. An die vielen bereitwilligen Helfer richtet er seinen Appell: „Wir stehen noch ganz am Anfang.“ Muskelkraft werde noch gebraucht, über Tage und Monate, aber frühestens ab nächster Woche.

Auch Andreas Solheid, Pressesprecher der Feuerwehren der Verbandsgemeinde Adenau, verschickt am Morgen diese Meldung: „Die Hilfsangebote sind beeindruckend und wir werden heute die zentrale Nummer zur Koordinierung weiter verstärken. Privat-Pkws stören allerdings massiv den Verkehr in den Einsatzgebieten. Fahren Sie nicht die Gebiete an der Ahr an!“

Und dennoch, das Verkehrsaufkommen auf den Zufahrtsstraßen zu den Katastrophengebieten ist hoch. Selbst Rennradfahrer sind in der Grafschaft unterwegs und behindern die Rettungseinheiten. In Bad Münstereifel muss es sogar zu einer Art Katastrophentourismus gekommen sein, berichtet GA-Fotograf, Benjamin Westhoff. Anwohner wollten ihn und sein Objektiv mit der Schippe angreifen, bis sie hörten, dass er Journalist ist. Sie hatten den ganzen Morgen lang zu viele Gaffer ertragen müssen.

Manche Orte, unter anderem an der Mittelahr, wie Dernau, Mayschoß oder Rech, sind teilweise selbst für die offiziellen Einsatztruppen erst seit Kurzem wieder zugänglich. Privatpersonen haben da nichts zu suchen, nicht nur, weil sie die Arbeit von Feuerwehr, Bundeswehr und THW behindern, sondern auch, weil sie sich selber in Gefahr bringen. In einer aktuellen Mitteilung warnt die Polizei Koblenz beispielsweise vor freiliegenden Stromleitungen im Katastrophengebiet.