Womöglich letztes Hoffest im Gnadenhof Eifel Entspannung trotz Endzeitstimmung

Sierscheid · Das Frühlingsfest am Wochenende könnte das letzte Hoffest des Gnadenhofs Eifel gewesen sein. Laut Gerichtsbeschluss muss Betreiberin Liane Olert ihren Tierbestand von aktuell 54 Hunden wegen erheblicher tierschutzrechtlicher Verstöße auf maximal fünf Hunde reduzieren.

 Hofbetreiberin Liane Olert (rechts) mit Anwalt Christopher Angyal (Mitte) und dessen Mitarbeiter Zirak Aziz (links).

Hofbetreiberin Liane Olert (rechts) mit Anwalt Christopher Angyal (Mitte) und dessen Mitarbeiter Zirak Aziz (links).

Foto: Andrea Simons

Die Herkunft der am Straßenrand geparkten Autos verriet es: Der Wirbel um den Gnadenhof Eifel zieht Kreise. Nicht nur Menschen aus der Region sind am Wochenende zum Fest auf den Gnadenhof Eifel gekommen, sondern auch aus Dinslaken oder Duisburg, dem Kreis Havelland und Saarbrücken. Es könnte schließlich das letzte Frühlingsfest dort gewesen sein, nachdem das Oberverwaltungsgericht (OVG) Rheinland-Pfalz in einem „Eilschutzverfahren“ bekräftigt hat, dass Betreiberin Liane Olert ihren Tierbestand von aktuell 54 Hunden wegen angeblich erheblicher tierschutzrechtlicher Verstöße auf maximal fünf Hunde zu reduzieren hat.

Mehrere hundert Menschen waren es, die den Weg zu der entlegenen ehemaligen Schule zwischen Harscheid und Sierscheid fanden - zwei Orte mit zusammen kam mehr als 250 Einwohnern. Die Besucher saßen unter eigens aufgebauten Pavillons bei Kaffee und Kuchen – und schier unvermeidlich früher oder später mit einem Hund auf dem Schoß oder zu Füßen. Die Gäste des Gnadenhofes erstanden zudem bei einem kleinen Flohmarkt vor allem Handgearbeitetes und Dekoartikel.

Feuchte Augen beim Wiedersehen

„Es ist merkwürdig, wie Endzeitstimmung“, beschreibt Olert ihre Gefühle. „Die Leute kennen den Hof, kommen seit teilweise zehn Jahren hierher.“ Ab und zu gab es da beim Wiedersehen auch mal feuchte Augen. Es mischten sich Freude, dass die Hunde noch da sind, mit der Furcht, das es bald nicht mehr so sein könnte. Sogar aus der Schweiz seien zwei Frauen, die sie seit fünf Jahren unterstützten, extra angereist, freut sich die Gnadenhofchefin: „Nun ist die eine von ihnen sehr krank und wollte einmal die Hunde sehen.“ Sie begrüßte auch „mehr Männer als sonst bei den Hoffesten“, natürlich meist in Begleitung ihrer Ehefrauen, von denen wohl einige „Randale“ befürchteten. „In Hassforen haben einige angekündigt zu kommen, um die Hunde zu befreien“, schüttelt Olert den Kopf. Aber das seien wohl eher „Maulhelden“, die an der Tastatur säßen und nicht in die Eifel führen, glaubt sie. Dennoch hat sie eine Videoüberwachung zur Abschreckung installiert.

Kritiker kamen zum Frühlingsfest nicht oder outeten sich zumindest nicht als solche – im Gegensatz zu dem, was in den sozialen Medien passiert. „Gegen Hass und Hetze“, wie sie sagt, geht Olert seit März mit Unterstützung einer Siegburger Anwaltskanzlei vor. Rechtsanwalt Christoper Angyal ist spezialisiert auf Fälle von Cyberkriminalität, Mobbing und übler Nachrede und bezeichnete als Gast beim Hoffest die Online-Beleidigungen als „Straftaten im großen Stil, bei denen nicht nur Persönlichkeitsrechte berührt werden.“ Er sah auch Rechte des Hofs verletzt und sprach von „Imageschäden, vor allem auch wegen der nationalen Bekanntheit“ und von einer „unfassbaren Verbreitungsgeschwindigkeit“ im Internet. Straf- und zivilrechtlich gehe man jetzt gegen die Diffamierer vor, um unter anderem Unterlassungs- und Schadenersatzansprüche zu erwirken.

Erste Verfahren gegen Diffamierer laufen

Nach aktuellem Ermessen handele es sich wesentlich um etwa zehn Personen. „Vier bis fünf Hauptakteure“ hat er mittlerweile nach eigenen Angaben identifiziert: „Die ersten Verfahren laufen schon.“ In dieser Angelegenheit habe er „keine Bedenken, dass wir unsere Ziel erreichen“. Und soweit er das beurteilen könne – mit dem Thema ist schon lange eine andere Kanzlei betraut – sieht er auch die Chancen steigen, dass der Hof nicht geschlossen wird, wenn es in der nächsten Instanz zu persönlichen Anhörungen komme. Olert will auf jeden Fall weiter um ihren Gnadenhof kämpfen und fordert schon länger einen Ortstermin, „damit sich die Menschen hier umsehen, wie gut es meinen Tieren geht“.

Diese Gelegenheit nahmen beim Hoffest nicht nur langjährige Fans, sondern auch viele Neulinge wahr, auch wenn die Türen drinnen verschlossen blieben. Etwa ein Dutzend Hunde blieb abgesondert im Haus. Das seien „Angsthunde“, und nicht jedem Tier sei der Trubel eines Hoffestes zuzumuten, so Olert. Dennoch einen Blick auf ihren jüngsten Patenhund zu erhaschen, wenn er sich vielleicht auf die Wiese hinterm Haus traue, hoffte Birgit Hoffmann aus der Nähe von Bitburg, selbst wenn sie ihn nicht streicheln könne: „Boomer“ sei als Welpe von seiner Mutter in den Kopf gebissen und traumatisiert, er lasse nur Olert an sich heran, hieß es.

Einem Leckerli niemals abgeneigt

Die Herdenschutzhunde um „Chef“ Diego waren jedenfalls im Außengehege zu beobachten, schlugen aber selbst bei Neuankömmlingen kaum an. Und die allermeisten Hunde liefen frei zwischen Tischen und Bänken herum, ließen sich streicheln und auf den Arm nehmen und forderten das zuweilen auch unwiderstehlich ein. Pinscher, Dackelmixe und sonstige Promenadenmischungen, aber auch Rassehunde aller Art horchten auf, wenn irgendwo eine Tüte raschelte und die Chance bestand, ein Leckerli zu ergattern. Ansonsten war kaum ein Bellen zu hören. „Die Hunde sind alle so gechillt und ruhig, und das bei der Anzahl der Leute hier. Unsere Emma wäre hier hoffnungslos überfordert“, sagte nicht nur Michaela Grube aus der Nähe von Daun, die sich als hundeerfahren beschreibt, beinahe schon etwas verwundert: „Selbst wenn uns Freunde mit Hund besuchen, ist es lauter als hier.“