Kirche Sankt Nikolaus in Vischel Das Urgestein der Gemeinde Berg

Berg · Sankt Nikolaus ist Patron der Kirche in Berg-Vischel – seit 800 Jahren. Die Kirche ist seit 1956 entweiht, war zuvor aber für Jahrhunderte der religiöse Mittelpunkt für das Leben der Menschen im Umland. Heute werden dort unter anderem wissenschaftlichen Untersuchungen angestellt.

Als „Vischel“ ist die Kirche St. Nikolaus mit ihrem spitzen Turm in der Verbandsgemeinde Altenahr und darüber hinaus bekannt.

Als „Vischel“ ist die Kirche St. Nikolaus mit ihrem spitzen Turm in der Verbandsgemeinde Altenahr und darüber hinaus bekannt.

Foto: ahr-foto

Sie gilt als das Urgestein der Gemeinde Berg: die Kirche Sankt Nikolaus in Vischel, einem Ortsteil der Gemeinde Berg in der Verbandsgemeinde Altenahr. Wenn auch das Gotteshaus bereits im Jahre 1956 entweiht worden ist, so ist der von Wald und hügeligen Wiesen umgebene Platz im Tal unterhalb des Dorfes Berg noch lange nicht vergessen. Sankt Nikolaus war für Jahrhunderte der religiöse Mittelpunkt für das Leben der Menschen aus vielen umliegend Dörfern. Stolze 800 Jahre zählt mittlerweile die christliche Tradition an dem weltabgeschiedenen Platz im Bachtal. Dort war auch die erste Schule für die Bauernkinder aus dem weiten Umkreis.

Aus der Schule entstehen Ferienwohnungen

Ältere Bürger erinnern sich noch mit Schmunzeln an die alten Zeiten. Wie sie etwa dem Pfarrer mit seinem leistungsschwachen Auto nach der Frühmesse Anschub für den Weg bergauf zurück ins Dorf Berg geben mussten. Als Lohn kam kein Dankeschön und auch keine Mitfahrgelegenheit, sondern es gab Ohrfeigen vom Gottesmann, weil die Kleidung der Jungs am Ende so schlammig war wie der unbefestigte Weg und das Auto des Geistlichen.

Für die Dorfjugend war Vischel alles andere als ein Honigschlecken, denn Jungen und Mädchen aus den umliegenden Orten mussten bei Dunkelheit, Schnee und Regen und auch bei sengender Sonne im Sommer ins Vischeltal stapfen. Aus jedem der umliegenden Orte gab es einen „Kirchweg“ durch den Wald, der später auch Schulweg war und lange als Prozessionsweg an Fronleichnam diente. Gegenüber der Kirche stand ursprünglich die Schule – jetzt sind Ferienwohnungen in dem alten Haus. Erst 1902 wurde hoch oben in Freisheim eine Schule gebaut, später erhielt auch Berg ein Schulgebäude.

Ursprüngliche Kirche wird durch erweiterten Neubau ersetzt

Zurück zur alten Kirche Sankt Nikolaus, im Volksmund heißt sie nur „die Vischel“. Mit dem kecken, spitzen Türmchen auf dem außen schmucklosen Bau aus Bruchsteinen und den weit oben liegenden kleinen Fenstern macht sie neugierig. Wanderer sehen heutzutage allerdings nicht das 1222 erstmals erwähnte Original. Die ursprüngliche Kirche im romanischen Stil wurde 1573 durch einen Neubau ersetzt und dieses zunächst dreiachsige Gebäude im 18. Jahrhundert nach Westen um zwei Achsen erweitert, sodass das Langhaus fünf Achsen zählt. Angebaut wurde im Jahr 1905 eine Begräbniskapelle, in der Dietrich Busso Reichsgraf von Wolff-Metternich aus der Gräflichen Besitzerfamilie der Herrlichkeit Vischel seine letzte Ruhe fand. Die Familiengruft ist just an der Stelle, an der noch bis zur Franzosenzeit am Anfang des 19. Jahrhunderts unter einer alten Linde und einem Hochkreuz Recht gesprochen wurde. Zeitweise war dort auch ein Begräbnisplatz für ungetaufte oder von der Kirche exkommunizierte Menschen.

Nachdem Kirche und Pfarrhaus 1956 nach Freisheim verlegt worden waren, wurde die Vischel von der katholischen Kirche außer Dienst gestellt. Zwei Glocken, der Altar, die Holzfiguren der Heiligen Nikolaus und Maternus sowie die Orgel kamen in die neue Kirche in Freisheim. Jahre später, 1975, wurde der Innenraum der Vischel „zurückgestaltet“, das heißt, die Wandbilder über dem Altar und dem Chor sowie die kunstvoll wie ein Läufer verlegten Bodenfliesen wurden entfernt. Neuerdings ist in dem alten Bau ein Seismograph installiert, von dem sich Wissenschaftler Aufschluss über die Aktivität in der Erde unter dem Laacher See erhoffen.

Trotz aller Neuerungen haben die Bewohner von Berg und den umliegenden Orten ihre Vischel nicht vergessen. Sie pflegen das alte Gotteshaus und laden dort auch zu Veranstaltungen ein. Es gibt Konzerte, und regelmäßig zur Martinskirmes von Berg, in diesem Jahr am Montag, 7. November, findet dort eine Andacht statt mit anschließender Segnung der Gräber. Denn um die Kirche herum erstreckt sich der große Friedhof mit einem Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege. Bürger aus Berg betreuen den Friedhof und haben die Gedenkstätte vor einigen Jahren aufwendig saniert.

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