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Existenz durch Pandemie bedroht: Kosmetikerin hadert mit Corona-Vorschriften

Existenz durch Pandemie bedroht : Kosmetikerin hadert mit Corona-Vorschriften

Kirsten Minwegen aus Bad Bodendorf ärgert sich über Ungleichbehandlungen in der Corona-Krise. Die Kosmetikerin fragt nach den Zukunftsperpektiven für sich und ihre Branche.

„Es reicht wirklich.“ Kirsten Minwegen macht keinen Hehl daraus, dass bei ihr längst die Nerven blank liegen. Im Sinziger Stadtteil Bad Bodendorf betreibt die 60-Jährige ihr Kosmetikinstitut „hautnah“. Und weil sie ihren Kunden – nomen est omen – hautnah kommt, darf sie ihr Geschäft nicht öffnen.

Der selbstständigen Kosmetikerin ist die Verzweiflung im Gesicht abzulesen. Kein Wunder: Erst vor zwei Jahren hat sie in Bad Bodendorf ihr Geschäft eröffnet, nachdem sie kräftig investiert hatte. Zuvor war Minwegen in Bonn in der Kosmetikbranche tätig, hatte dort auch die Kosmetikfachschule besucht.

Kaum hatte sie ihren Kundenstamm in Bad Bodendorf aufgebaut, brach das Geschäft ein: Die Corona-Pandemie brachte auch die Aktivitäten der auf Fruchtsäureanwendungen für Anti-Aging-Behandlungen spezialisierten Kosmetikfachfrau zum Erliegen.

„Ich war geschockt“, erinnert sie sich an den ersten Lockdown. „Damals glaubte ich jedoch, dass die Schließungen unserer Geschäfte nur ein paar Wochen andauern würden“, so Minwegen. Aus ein paar Wochen wurden lange Monate ohne Kunden und Einnahmen. Stattdessen investierte die Kosmetikerin weiter in ihr Geschäft, um die dann folgenden Auflagen zu erfüllen, die es bei der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown gab. „Langsam kehrten die Stammkunden zurück“, meint sie rückblickend. Viele Kunden seien noch stark verunsichert gewesen.

Dann der nächste Rückschlag: Bund und Länder kündigten den zweiten Lockdown an, der sich über den gesamten Winter erstreckte. „Dabei hatte ich gerade Weihnachtsware gekauft“, ärgerte sich Minwegen. Wieder musste sie ihre Praxis schließen. Für mehr als vier Monate. Das zugesagte Überbrückungsgeld, die sogenannte „Novemberhilfe“, hat sie nach wie vor nicht auf dem Konto.

Als schließlich „Lockerungen“ verkündet wurden, Blumenläden und Friseure wieder unter Auflagen öffnen durften, witterte auch Kirsten Minwegen Morgenluft. Zu recht. Denn einer Wiedereröffnung stand nichts mehr im Wege, wenn die Kunden einen Negativ-Test vorlegen. Um dem Rechnung zu tragen, kaufte die Kosmetikerin in der Apotheke zahlreiche Testpackungen. Vergeblich. Nach drei Öffnungstagen schoss die Inzidenzzahl im Kreis Ahrweiler wieder in die Höhe: der nächste Lockdown. Minwegen: „Die teuer gekauften Tests liegen jetzt da und ich darf nicht arbeiten.“

Dass Friseure ihren Beruf hingegen ausüben dürfen, Deutsche sogar in Mallorca Urlaub machen können, sie aber ihr Geschäft geschlossen haben muss, versteht sie nicht. „Vielleicht haben andere eine bessere Lobby“, glaubt sie. Mit einem einfachen Test komme man zwar in ein Flugzeug oder auch in eine Touristenhochburg. In ihre Praxis, in der sie alle Hygieneauflagen erfülle, jedoch nicht. Nun fragt sich die Bad Bodendorferin: „Welche Zukunft habe ich?“