Peter Pan auf der Freilichtbühne Schuld Ausflug mit den verlorenen Jungen nach Nimmerland

Schuld · Wer wunderliche Dinge erleben möchte, ist auf der Freilichtbühne Schuld in diesem Sommer genau richtig. Peter Pan und seine Gefährten sind dort auf Abenteuer los. Die zauberhafte Wendy und der üble Captain Hook fehlen ebenso wenig wie die Piraten, Indianer und eine Fee namens Glöckchen.

 Derzeit probt die Freilichtbühne Schuld das Stück „Peter Pan“, das im Juli und August gespielt wird.

Derzeit probt die Freilichtbühne Schuld das Stück „Peter Pan“, das im Juli und August gespielt wird.

Foto: ahr-foto

Hoch über der Ortschaft Schuld nahe der Schornkapelle im Grünen können die Besucher der Freilichtbühne in andere Welten abtauchen. Sie dürfen alles um sich herum vergessen, um einzig dem Geschehen auf der Bühne zu folgen. In der kommenden Spielzeit heißt es: Augen und Ohren auf für „Peter Pan“, der übrigens 2002 schon einmal auf dem Programm stand. Wird es gelingen, mit der tollen Darbietung von „Jim Knopf und die Wilde 13“ im Vorjahr mitzuhalten? Die Probe, die der GA besuchte, macht Lust auf mehr.

Allein die Geschichte hat es in sich: Als Wendy (Laura Notar/Miriam Franke) und ihre Brüder John (Tilo Stratmann) und Michael (Niclas Larscheid) allein zu Hause sind, taucht Peter Pan auf: Ein kleiner Junge, der nicht erwachsen werden will und auch nicht erwachsen wird. Er kann die wunderlichsten Dinge, zum Beispiel fliegen. Fliegend nimmt Peter Pan (Maya Schmitz/Johanna Helten) die Kinder mit nach Nimmerland, wo er mit den „verlorenen Jungen“ lebt. Unheil lauert dort durch Käpt´n Hook (Heiko Linnerz) und Tiger Lilly (Anja Gräfe/Nele Esser) mit ihren Rothäuten. Zudem gibt es eine Fee, die eifersüchtig auf Wendy ist und sie in große Gefahr bringt, obwohl doch die „verlorenen Jungen“ sehnsüchtig auf Wendy warten.

Die Handlung bis dahin interessiert bei der Probe an diesem nasskalten Samstagnachmittag freilich nicht. Vielmehr thematisiert „Szene Nummer acht in der zweiten Besetzung“ einen Kampf vor der Rückkehr der Kinder nach London.

Säbelkampf vor der Bühne

Nicht das, was gerade auf der Bühne passiert: Vor der Probe kreuzen plötzlich zwei Mimen aus Spaß die Säbelklingen. Regisseur Jens Kerbel findet das nicht lustig. Freundlich-bestimmt mahnt er: „Ihr Süßen, an den Waffen habt ihr nichts verloren“. Augenblicklich lassen sie das Kämpfen sein. Man spürt, Kerbel, als freischaffender Schauspiel- und Opernregisseur der einzige Profi im Laienspielteam, besitzt natürliche Autorität. Und er weiß seine Leute zu motivieren. Das sind 50 aktive Mitglieder sowohl auf als auch hinter der Bühne, zumeist ganze Familien, in denen Vater, Mutter und die Kinder eine gemeinsame Leidenschaft teilen: das Theaterspiel.

Für das Stück „Peter Pan“ nach James Matthew Barrie waren Kerbel vorhandene Fassungen „zu umständlich und zu lang“. Also setzte er sich hin und schrieb in zwei Wochen eine neue „sehr knappe Fassung, klar und gerade erzählt“, genau abgestimmt auf seine Schulder Truppe. Natürlich bleiben die Kernelemente enthalten. „Es kommt das vor, was Kinder mögen: Piraten, Feen, Fliegen, Indianer“, zählt Kerbel auf.

Szene Nummer acht macht schon mit reichlich Personal vertraut. Kapitän Hook, gelangweilt, will von seinem tüdeligen Vertrauten Smee (Mario Stratmann) eine Geschichte erzählt bekommen. Smee zählt stattdessen seine Tätigkeiten auf, „ihr Bett gemacht, ihre Ersatzhaken poliert...“. Im Hintergrund ragen zwei große Schiffsmasten auf, denn die Bühnenbauer haben fleißig gewerkelt, gleichfalls an der Behausung der Jungs, ein hohes Baumhaus. Weitere Piraten treffen mit der gefangenen Wendy ein. Deren Brüder erscheinen. Dann ebenfalls Peter Pan, der die Kinder befreien will. „Klingeling“ mischt sich Elfe Glöckchen (Lotta Stratmann) ein, wird aber von Hook niedergestreckt, worauf sogar die Piraten zu klagen beginnen.

„Warum hat keiner gelacht?“

Kerbel gibt klare Anweisungen. „Warum hat keiner gelacht“, fragt er nach einem Witz des Käpt´n. „Noch mal“, heißt es, wenn zu wenig gegrölt oder geweint wird oder ein Bewegungsablauf hätte stärker ausgekostet werden können. Normal ist, dass einige Mimen das Skript zu Hilfe nehmen, denn die Proben laufen noch bis Juni. Unbesorgt gehen auch manche leisen Stimmen durch, weil die Schauspieler bei den Auftritten Mikrofone tragen werden. Aber das Spiel muss tragen, intensiv sein.

„Die Geschichte zeigt, wie wichtig sind Eltern, wie wichtig ist Familie. Die Eltern sorgen sich, fragen sich zum Schluss, ob sie nicht zu streng mit den Kindern waren“, sagt Kerbel. Es werde an das Erwachsenen-Lebensgefühl appelliert: „Als Menschen bleiben wir in der Vergangenheit haften, wenn man sich nicht dagegen wehrt. Wir müssen das Kind in uns lassen und nähren, sonst werden wir unglückliche Menschen.“ Deutlich wird, im Nur-Kind-Sein, wie es Peter Pan verkörpert, liegt aber auch kein Glück, wohingegen Wendy die Balance lebt.

Der Sinn will transportiert sein in Gesten, Präsenz, Geschwindigkeit - eine Riesenherausforderung, wenn, wie bei der Probe, 45 Akteure die Bühne bevölkern. Aber alle sind Feuer und Flamme. „Ich liebe es“, sagt Leoni Linnerz, die gerade erhitzt von der Bühne kommt und damit spricht sie ihren Schauspielkollegen aus dem Herzen.

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