Versorgungsmodell für die Hocheifel Regionales Gesundheitszentrum könnte Klinikersatz werden

Kreis Ahrweiler · Im Kreis Ahrweiler macht man sich nach der Schließung des Krankenhauses Adenau Gedanken um die Zukunft der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Wieso hier die Telemedizin ins Spiel kommt.

Nach der Schließung des Adenauer Krankenhaus entwickelt der Kreis ein neuen Gesundheitskonzept vor allem für die Hocheifel.

Nach der Schließung des Adenauer Krankenhaus entwickelt der Kreis ein neuen Gesundheitskonzept vor allem für die Hocheifel.

Foto: AHR-FOTO

Die Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum im Kreis Ahrweiler bleibt nach der Klinikschließung in Adenau ein wichtiges Thema, mit dem sich nun auch erneut der Sozial- und Gesundheitsbeirat im Kreishaus beschäftigte. Wie berichtet, hatte die Verbandsgemeinde Adenau das Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft (ZIG) mit einem Projektmanagement zur Begleitung und Strukturierung eines kompakten und tragfähigen alternativen Versorgungsmodells einer (notfall-) medizinischen Versorgung der Menschen im Adenauer Land beauftragt. Sowohl das Land als auch der Kreis hatten hierfür unterstützende Fördergelder zur Verfügung gestellt. Der Geschäftsführende Vorstand des ZIG, Uwe Borchers, gab nun im Kreishaus einen Überblick über den aktuellen Projektzwischenstand.

Wenngleich es auch noch keine endgültigen Resultate gibt, so zeichnet sich jedoch ab, dass die Schaffung eines „regionalen Gesundheitszentrums“ zu den Lösungsvarianten gehören dürfte. Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum steht nicht erst seit heute vor Herausforderungen. Die Situation könnte sich künftig nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels und des vorherrschenden Fachkräftemangels noch weiter verschärfen. Auch wenn aktuell die medizinische Versorgung in den Städten und Ballungszentren in der Summe als gesichert gilt, sieht es bei der Versorgung in ländlichen Regionen etwas anders aus.

In Gebieten, weit entfernt von größeren Städten, erlebt man das verstärkte Abwandern von ärztlichen Fachrichtungen - aber auch anderen Berufen. Außerdem sinkt die Zahl der Ärzteanwärter, erst recht dann, wenn es darum geht, Praxen von dort niedergelassenen Medizinern zu übernehmen. Eine deutliche Studienplatzerhöhung sei erforderlich, heißt es als grundsätzliche Forderung im „Ärzteblatt“.

Technik und Innovation erforderlich

Gesundheitszentren könnten in Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen wichtig sein, um künftig die Versorgung auf dem Land sicherzustellen. Um diese Probleme anzugehen, sei Technik und Innovation ein Schlüssel. Gerade die Telemedizin könne hier eine besondere Bedeutung bekommen, findet auch Uwe Borchers. So könnten in ambulant-stationären Zentren niedrigschwellige Anlaufstellen geschaffen und medizinische Angebote bis hin zu kleineren Operationen vorgehalten werden. Beispielsweise wäre es dort möglich, nicht nur einfache Eingriffe und Pflegeleistungen durchzuführen,. Vielmehr sei denkbar, unter Hinzuziehung von Videotechnik und Telemedizin-Tools und unter virtueller Begleitung von Fachärzten auch kompliziertere OP-Fälle vorzunehmen. Borchers: „In diese Richtung könnte es gehen.“ Unterhalb der Krankenhäuser bedürfe es einer Versorgungsebene – quasi ein „Krankenhaus Level 1“.

Ansonsten sei von Nöten, verstärkt Wissen zur Gesundheitsvorsorge zu vermitteln, die Eigenverantwortung der Menschen zu verstärken, um Bagatellerkrankungen aus den Notfallambulanzen herauszuhalten. Nicht nur das: Insgesamt sei es von großer Bedeutung, die Region interessant und attraktiv für junge Mediziner zu machen. Noch sei die Welt auch aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung im Kreis Ahrweiler durchaus in Ordnung. Dennoch gelte es, Weichen zu stellen, um zu vermeiden, dass kranke oder in Not geratene Menschen auf weit entfernt gelegene Krankenhäuser angewiesen seien, um Hilfe zu bekommen. Borchers: „Ich finde es gut und angemessen, dass man sich im Kreis Ahrweiler Gedanken um die künftigen Versorgungsstrukturen macht.“

Es gebe mit den im Raum stehenden ambulanten, stationären Zentren mit Ärzten und Gesundheitsfachkräften bereits vielversprechende Ansätze. „Wir sehen gute Optionen und auch gute Finanzierungsmöglichkeiten“, so ZIG-Geschäftsführer Borchers. Allerdings: „Wir müssen noch dicke Bretter bohren.“ Wann die Endfassung des von der Verbandsgemeinde Adenau in Auftrag gegebenen „kompakten und tragfähigen alternativen Versorgungsmodells einer (notfall-) medizinischen Versorgung“ vorliegen wird, steht noch nicht fest. Der Sozial- und Gesundheitsbeirat im Kreishaus nahm zunächst den Zwischenstand der Arbeit zur Kenntnis.

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