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Sinzig: Gedenken der Corona-Toten: "Nachdenken statt Querdenken"

Gedenken der Corona-Toten in Sinzig : "Nachdenken statt Querdenken"

Auch in Sinzig finden die sogenannten Spaziergänge von Corona-Leugnern und Impfgegnern statt. Politiker und Bürger stellten sich ihnen friedlich entgegen und hielten ein stilles Gedenken der Corona-Toten in der Innenstadt ab.

Initiiert von den Sinziger Sozialdemokraten haben zahlreiche Bürger am Montagabend in der Barbarossastadt einen Kontrapunkt zu den seit einigen Wochen regelmäßig stattfindenden, organisierten sogenannten Spaziergängen von Corona-Leugnern und Impfgegnern gesetzt. Die SPD hatte angesichts der inzwischen mehr als 100.000 Corona-Toten in Deutschland zu einem stillen Gedenken auf den Kirchplatz, und später auf den Marktplatz, geladen. Zeitgleich trafen sich an verschiedenen Stellen in der Innenstadt rund 200 Impfgegner, die – begleitet von einem größeren Polizeiaufgebot – allerdings geordnet durch die Stadt zogen. Zuvor waren sie von der Polizei gemahnt worden, sich an die "Spielregeln zu halten". Als Demonstration war der Treff der Impfgegner nicht deklariert.

Beinahe jede Familie kennt in der Pandemie erkrankte Menschen oder hat durch die Pandemie einen geliebten Menschen verloren. Viele kleine Unternehmen kämpfen wegen der drastischen Beschränkungen im Wirtschaftsleben um das wirtschaftliche Überleben. Seit zwei Jahren leiden Menschen durch notwendig gewordene Auflagen zudem an mangelnden sozialen Kontakten, an Isolation und Beschränkungen im Alltag. Aktuell steigen die Fallzahlen wieder schnell an.

„Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung bemühen sich seit Beginn der Pandemie mit wechselndem Erfolg, der Situation Herr zu werden“, so die SPD in Sinzig. Weil dabei „viele legitime Interessen berührt“ würden, seien „dabei viele Dinge zu berücksichtigen“. Vor allem die Gesundheit der Bürger. Seit Beginn der Pandemie gebe es eine zuletzt dem Anschein nach steigende Anzahl von Mitbürgern, die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ablehnten, sogar die Pandemie selbst leugneten, führten die Sozialdemokraten am Abend aus. Sie nähmen ihr Recht wahr, ihre Ansichten öffentlich zu verbreiten und insbesondere gegen die Politik zu demonstrieren – in diesem Fall in der Form von „Spaziergängen“.

Politiker appellieren an Solidarität unter den Bürgern und den verantwortungsvollen Umgang miteinander

Die Zahl der Teilnehmer dieser Protestbewegung sei zwar eher klein und repräsentiere nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Jedoch erhielten die Sinziger „Spaziergänge“ ein mediales Echo. So sei zu befürchten, dass derartige Protestaktionen einen Einfluss auf politische Entscheidungen gewinnen könnten. Dem wolle man entgegentreten. „Was es braucht in dieser Zeit ist Solidarität, nicht solide Ablehnung. Die Mitglieder der SPD in Bad Bodendorf und Sinzig sehen unsere Aufgabe als Bürger darin, einander in dieser Zeit zu unterstützen und uns selbst und unsere Nächsten zu schützen. Wir sind davon überzeugt, dass die breite Mehrheit der Bevölkerung diese Haltung teilt und im täglichen Umgang mit ihren Nächsten verantwortungsvoll umsetzt“, hieß es am Abend.

Gekommen waren auch Kommunalpolitiker anderer Parteien oder auch aus anderen Kommunen des Ahr-Kreises. Landtagsabgeordnete Susanne Müller und auch der Kandidat für das Landratsamt, Christoph Schmitt, hatten sich ebenfalls der etwa 150-köpfigen Gruppe angeschlossen, die einen Gegenpunkt zu den Corona-Leugnern und Impfgegnern setzen wollten, die in langer Kolonne auf den Bürgersteigen durch die Innenstadt von Sinzig zogen. Am Marktplatz wurden sie von Transparenten wie „Nachdenken statt Querdenken“ empfangen.