1. Region
  2. Ahr & Rhein
  3. Mehr von Ahr & Rhein

Sinzig: Gigantischer Schaden an Infrastruktur

Schweigeminute für Flutopfer im Stadtrat : „Gigantischer Schaden“ an Sinzigs Infrastruktur

Der Sinziger Stadtrat hat in einer Schweigeminute der Opfer der Flut gedacht. Die Stadt hat es stark getroffen: Schwerste Schäden an der Infrastruktur hat die Unwetterkatastrophe verursacht. Bürgermeister Andreas Geron fordert Hilfe von EU, Bund und Land.

„Es ist schwer, wenn nicht sogar unmöglich, das in Worte zu fassen, was hier in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli geschehen ist.“ Andreas Geron, Bürgermeister der von der katastrophalen Flutwelle betroffenen Stadt Sinzig, war sichtbar um Fassung bemüht. Das Stadtoberhaupt hatte zu einer außerordentlichen Stadtratssitzung geladen, um die Mandatsträger zu informieren, um Helfern zu danken und um die Hauptsatzung so zu ändern, dass in den nächsten Monaten insbesondere Bauaufträge schneller und unproblematischer in Gang gesetzt werden können. Mit einer Schweigeminute gedachte man zunächst den in Sinzig in der Katastrophennacht gestorbenen Menschen. Eine brennende Kerze am Tisch des Bürgermeisters berührte Ratsmitglieder wie auch anwesende Bürger.

„Menschen starben, Häuser wurden zerstört, Existenzen wurden vernichtet. Niemand wird diese Ereignisse je vergessen“, sagte Geron. Viele „traurige Gespräche“ habe er führen müssen. Mit Abscheu habe er erfahren müssen, welche Abgründe sich bei einigen aufgetan hätten, die bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten per Megafon vor einem Dammbruch und neuen Flutwellen gewarnt hätten, die traumatisierten und verängstigten Menschen so auf Hügel und in Weinberge trieben, um dann die so leerstehenden Häuser plündern zu können.

Geron dankte den Feuerwehren der Stadt, die unter Einsatz von Leib und Leben Menschenleben gerettet hätten, er dankte den vielen Helfern aus allen Teilen der Republik, die an die Ahr geeilt seien, um in Not geratene Menschen zu unterstützen. „Nun heißt es, nach vorne zu schauen“, sagte Geron.

Dabei dürfe es keine Denkverbote geben. Den Bund forderte er auf, beispielsweise über einen Wegfall der Mehrwertsteuer für die von der Flutwelle betroffenen Menschen nachzudenken.

In Sinzig selbst sei „ein gigantischer Schaden“ an der städtischen Infrastruktur entstanden. Im Rathaus müsse nun eine Herkulesaufgabe bei der Wiederherstellung bewältigt werden. „Unsere Mannschaft ist erschöpft“, so Geron. Er benötige mehr Rathauspersonal, vor allem Ingenieure. Geron appellierte an die EU, an den Bund und an das Land, Hilfe zu gewähren. Sowohl finanziell als auch personell.

Die Kita-Betreuungen seien in den nächsten Wochen gewährleistet, das Haus der Stadtwerke sei zerstört und müsse neu gebaut werden, die Realschule sei stark in Mitleidenschaft gezogen, die erst gerade fertiggestellte und nur wenig genutzte Mensa hatte nur eine kurze Lebensdauer: Sie ist komplett zerstört.

Sanierung des Bad Bodendorfer Thermalbades nun fraglich

Die Sporthalle stand 2,80 Meter hoch unter Wasser, alle Sportanlagen sind stark beschädigt. Trost: Die Wasserversorgung – so Geron – sei größtenteils sichergestellt, wie auch das Kanalnetz intakt und gereinigt sei. Die überdachte alte hölzerne Rad- und Fußgängerbrücke über die Ahr musste abgerissen werden, da sie den Fluten nicht standgehalten hatte, und beim Bad Bodendorfer Thermalbad seien nun nicht mehr nur die Becken sanierungsbedürftig, sondern auch die Gebäude. Derzeit sei nicht absehbar, ob es überhaupt dort noch zu einer Sanierung komme.

Kaum mehr zu halten sei auch das für den Bau einer neuen Feuerwache vorgesehene Grundstück an der Kölner Straße. Das Hochwasser habe gezeigt, dass dieses Areal nicht geeignet sei. Geron: „Es wird schwierig werden, eine Alternative zu finden.“ Der Bauausschuss kann nach einer vom Stadtrat beschlossenen Änderung der Hauptsatzung ab sofort Aufträge bis 500 000 Euro ohne Ratsbeschluss vergeben. So können Bauarbeiten schneller vergeben und umgesetzt werden. Die neue Regelung soll zunächst bis Ende des Jahres Gültigkeit haben.

Friedhelm Münch, Fraktionssprecher der FWG, regte eine Überplanung des gesamten Ahrtals und eine Regulierung der Gewässer mit Schaffung weitaus größerer Retensionsflächen an. „Wir wollen nie wieder ein solches Leid und Elend erleben“, sagte Münch. Eine Gesamtüberplanung würde jedoch ein gemeinschaftliches Vorgehen von allen Städten und Gemeinden erfordern, da ihnen jeweils die Planungshoheit in ihrem Gebiet obliegt.