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Sinzig: Stadtrat stimmt gegen neues Einkaufszentrum

Aus für Nahversorgungsstandort : Einkaufszentrum ist vom Tisch

Der Rat der Stadt Sinzig hat sich am Donnerstagabend gegen das geplante Nahversorgungszentrum auf dem Rick-Gelände ausgesprochen. Das Planverfahren hierzu wird jetzt zu den Akten gelegt, die Kommunalpolitiker wollen das Vorhaben nicht weiterverfolgen.

Das geplante Nahversorgungszentrum (NVZ) am Rande der Sinziger Innenstadt wird nicht gebaut. Mit großer Mehrheit lehnte der Rat der Barbarossastadt das Vorhaben am Donnerstagabend ab. Mit dieser Entscheidung wurde ein Schlussstrich unter die Pläne gezogen, auf der nahe des Dreifaltigkeitsweges gelegenen früheren Industriebrache einen Aldi-Discounter, einen Edeka-Vollsortimenter, einen Rossmann-Drogeriemarkt, einen Gastronomiebetrieb sowie einen Getränkemarkt anzusiedeln.

Selten hat eine Entscheidung die Gemüter mehr bewegt, als die nun vom Sinziger Stadtrat getroffene: Das vor fünf Jahren noch mit breiter Mehrheit in Gang gesetzte Planverfahren für ein Nahversorgungszentrum auf der unweit der Ahr gelegenen, seit vielen Jahren nach industrieller Nutzung brachliegenden Freifläche, wird eingestellt und zu den Akten gelegt.

Lediglich neun Ratsmitglieder stimmten für das Vorhaben, 20 waren dagegen, zwei Ratsvertreter enthielten sich der Stimme.

Ob der vorhandene Edeka-Markt am Rande der Innenstadt in Sinzig trotz der ihm nun nicht mehr möglichen Expansion in der Barbarossastadt bleiben wird, ist offen. Wie mehrfach berichtet, wollte der Vollsortimenter seinen Standort verlassen und auf das Rick-Gelände umsiedeln. So könne der Markt mehr Verkaufsfläche darstellen und zum größeren vorhandenen Rewe-Markt in Sinzig besser konkurrenzfähig sein, erklärte der Edeka-Marktbetreiber. Auch Aldi, derzeit noch im Norden der Stadt ansässig, wollte gemeinsam mit Edeka umsiedeln und das neue Nahversorgungszentrum nutzen, um ein vergrößertes Angebot in Sinzig offerieren zu können. Da Aldi im benachbarten Remagen einen neuen Markt (mitsamt Wohnungen) auf dem Gelände der ehemaligen Post baut, ist abzuwarten, ob der Discounter nun am vorhandenen Standort am Sinziger Stadteingang unter den dort gegebenen Bedingungen festhält.

Karl-Heinz Arzdorf erklärte für die CDU, dass seine Fraktion kein einheitliches Votum bei der Abstimmung abgegeben werde. Es gebe NVZ-Befürworter und Gegner in seiner Fraktion. Dies traf auch auf die anderen Gruppierungen mit Ausnahme von FDP und Grünen zu.

Allerdings: Während die Vertreter der Öko-Partei das Vorhaben vehement ablehnten, konnten die Liberalen den Plänen viel abgewinnen. FDP-Sprecher Dominik Graf Spee: „Wir befürworten das Projekt. Ich habe klare Vorstellungen, wie eine moderne Stadt aussehen soll. Dazu gehören auch gut erreichbare Einkaufszentren.“ Die Grünen sahen das anders: Es sei ein negativer Einfluss auf die angrenzenden Schulen nahe des Rick-Geländes zu befürchten, die Anlieger der Albert-Schweitzer-Straßen seien bei einem NVZ Verkehr und Lärm ausgesetzt, der Bereich an der Ahr könne anders besser genutzt werden und zudem gebe es genug Lebensmittelmärkte in Sinzig. Die SPD  – wie die CDU mit unterschiedlichen Meinungen in ihrer Fraktion – listete noch einmal die Pro- und Contra-Argumente auf und teilte mit, dass es fraktionsintern eine Mehrheit für eine Ablehnung des Vorhabens gebe. Dies bestätigte auch Friedhelm Münch für die FWG: Auch dort gebe es keine einheitliche Meinung in Sachen Nahversorgungszentrum. Zumal jüngst auch noch Pläne von einer etwaigen Wohnbebauung die Runde machten. CDU-Ratsmitglied Norbert Schmickler, ein Befürworter des Vorhabens, zeigte sich befremdet über diese neuen Nutzungsvorstellungen auf dem Rick-Gelände: „Das muss man sich einmal vorstellen: Ein Investor legt ungefragt Pläne für ein Areal vor, dass ihm gar nicht gehört und das in Konkurrenz gebracht wird zu den NVZ-Plänen, die der Eigentümer des Grundstückes hat.“ Seit 2015 diskutiert die Sinziger Kommunalpolitik über eine Umsiedlung von Aldi und Edeka auf das Rick-Gelände. „Das Thema hat die Bürgermeisterwahl und auch die Kommunalwahl nicht unerheblich beeinflusst“, sagte CDU-Fraktionschef Arzdorf. Gegen das Nahversorgungszentrum hatten sich bereits gleich nach Bekanntwerden der Pläne zahlreiche Sinziger Bürger ausgesprochen, die mehr als 3000 Unterschriften einreichten. Zu den Unterzeichnern und Anführern der Initiative gehörte damals auch der nahe am Rick-Gelände wohnende heutige Bürgermeister der Stadt, Andreas Geron, der seinerzeit Sprecher der Bürgerinitiative war.

Als Anlieger war Geron bei der Debatte im Stadtrat befangen und musste die Sitzungsleitung dem Ersten Beigeordneten der Stadt, Hans-Werner Adams, überlassen. Der Bürgermeister-Vertreter versuchte es angesichts der Gemengelage, der unterschiedlichen Positionen und der kontroversen Grundhaltungen auch in der Bevölkerung vor der Abstimmung mit einem Zitat: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“