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Musikfestival am Nürburgring: So haben unsere Reporter den Abbruch von Rock am Ring erlebt

Musikfestival am Nürburgring : So haben unsere Reporter den Abbruch von Rock am Ring erlebt

Wie alle Festivalbesucher trifft der vorläufige Abbruch auch unsere Reporter Britta Röös, Moritz Rosenkranz und Andreas Dyck völlig unerwartet. So haben Sie den gestrigen Abend erlebt.

Die Nachricht kommt völlig unerwartet über die Lautsprecher. Rock am Ring, lautet die Nachricht, werde aufgrund einer terroristischen Gefährdungslage vorläufig abgebrochen.

Andreas Dyck fotografiert und filmt fröhliche Festivalbesucher, als die Nachricht einschlägt:

"Sicherheit ist ein Gefühl. Eben noch tanzen Tausende Festivalbesucher zur Musik. Dann ändert eine Durchsage von einer Sekunde auf die andere schlagartig alles. Auf der kleineren Bühne "Alternastage" spielt grad die britische Band "Basement", als die Musik mitten im Lied runterfährt und nur noch die Verstärker auf der Bühne zu hören sind. Eine sanfte Stimme verkündet den vorläufigen Abbruch des Festivals. Islamistischer Terror? Hier bei uns? Ungläubige Blicke, irritiertes Umsehen.

Dann wird die Durchsage wiederholt und auf den Gesichtern spiegelt sich Verunsicherung, Angst und Resignation. Der Anschlag von Manchester ist sofort im Kopf. Aus der Partystimmung wird ein Gefühl der Unsicherheit. Woher droht die Gefahr? Wie nah ist sie und wie real? Menschen heben ihre Handys ans Ohr, suchen nach Informationen. Heben ihre Mützen, um von Freunden gefunden zu werden. Trotz der Verunsicherung verläuft der Rückzug friedlich und geordnet. Die Fans singen.

Ein Gefühl von Trotz schleicht sich ein. Wir Reporter kommen derweil nicht mehr in das Mediencenter. Sämtliche Zugänge werden abgeriegelt. Wir finden trotzdem einen Weg hinein. Das Festivalgelände sieht gespenstisch aus. Polizei mit Spürhunden laufen an der Bühne entlang. Ein Polizeihelikopter schwebt über dem Gelände. Flutlicht spiegelt sich auf Wasserpfützen der menschenleeren Asphaltfläche am Nürburgring. Sicherheit ist ein Gefühl."

GA-Volontärin Britta Röös war auf dem Festivalgelände nahe der kleinen Nebenbühne unterwegs:

„Als plötzlich die Musik mitten im Lied stoppte , und die Worte `Hier kommt eine Durchsage von euren Schutzengeln` durch die Lautsprecher dröhnte, war mir direkt klar, dass irgendwas passiert sein musste.

Denn am Morgen hatten sich diese "Schutzengel" als direkte Verbindung zwischen Polizei, Sicherheitskräften und den Fans vorgestellt mit dem Satz: "Wir hoffen ehrlich gesagt, dass ihr uns hier oben auf der Bühne nicht wiederseht." Nach der Bekanntgabe haben sich die Besucher erstmal irritiert angeguckt und umgesehen.

Es kam mir vor, als wären sie innerlich unruhig geworden, aber wenige Menschen um mich herum projizieren dieses Gefühl nach außen. Es war wohl allen klar, dass eine Panikreaktion die Lage nur verkompliziert hätte.“

Moritz Rosenkranz steht auf der Tribüne der Boxengasse, als die Broilers plötzlich aufhören zu spielen:

"Schnell liegt ein Gefühl von kollektivem Unbehagen in der Luft, als ein Moderator von Terror spricht und Zehntausende das Gelände räumen müssen. Während die Fans beeindruckend ruhig bleiben, bricht im Mediencenter Hektik aus. Alle telefonieren, tippen und versuchen, die Situation einzuordnen. Dann tritt Marek Lieberberg vor die Medienvertreter und legt einen denkwürdigen Auftritt hin.

Emotional nachvollziehbar: Sein Baby Rock am Ring wird wieder Opfer höherer Gewalt und den Ordern der Sicherheitsbehörden. Das Konzert von Rammstein, sicherlich mit Millionen-Gage ausgestattet, fällt aus, wieder ist der Fortgang des Festivals ungewiss, wieder drohen Schadenersatzansprüche der Fans.

Doch vor allem: Der Ruf von Rock am Ring nimmt so langsam Schaden. Abbrüche oder Unterbrechungen in Serie tun keiner noch so starken Marke gut. Doch als Lieberberg, mittlerweile mit einem vollen Glas Weißwein ausgestattet, für die Maßnahmen der Polizei nur Unverständnis zeigt, sich als Opfer des Behördenversagens im Fall Amri sieht, und unsägliche Vergleiche zum Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund zieht, nach dem ja auch einen Tag später wieder Fußball gespielt worden sei, hat er den Bogen deutlich überspannt.

Fast schon beschämend das Auftreten einiger Medienschaffenden, die alle Distanz verlieren und Lieberbergs Kommentare wie Claqueure teils laut und lange beklatschen."