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Studentin aus dem Kreis Ahrweiler hilft Koblenzer Seniorin im Garten

"Wohnen für Hilfe" im Kreis Ahrweiler : Fürs Wohnen hilft Studentin ihrer Vermieterin im Garten

Studentin Isabelle Oldenburg hat bei ihrem Einzug gleich die Gartenhandschuhe mitgebracht. „Wohnpartnerschaft mit einem Studierenden“ heißt das Motto, das die 22-Jährige aus dem Kreis Ahrweiler und ihre Vermieterin Marion Schlohsnagel zusammengeführt hat.

Sie trennen Jahrzehnte, und sie haben sich erst vor drei Monaten richtig kennengelernt. Seitdem lebt Isabelle Oldenburg, die bisher im Kreis Ahrweiler wohnte, auf der Freilichtbühne Schuld mehrere Hauptrollen gespielt hat und jetzt in Koblenz Kulturwissenschaften studiert, bei Marion Schlohsnagel in Koblenz-Ehrenbreitstein.

„Es ist wirklich eine Win-Win-Situation. Für mich ist das bereits die zweite Wohnpartnerschaft mit einem Studierenden“, sagt die Seniorin. Die 22-jährige Studentin stimmt ihr zu: „Ich kenne von vielen Bekannten das Gefühl, in einer Blase zu leben. ‚Wohnen für Hilfe’ ist eine wunderbare Möglichkeit, vor Ort heimisch zu werden.“

„Wohnen für Hilfe“ heißt das Projekt, das eine Zusammenarbeit zwischen dem Studierendenwerk Koblenz und der Hochschule Koblenz ist. Absicht ist unter anderem, Generationen durch gegenseitige Unterstützung zu verbinden. Die Studierenden erhalten Wohnraum und zahlen dafür keine Miete, sondern leisten dem Wohnraumanbieter vereinbarte Hilfen im Alltag. In diesem Fall vor allem die Gartenarbeit.

Ähnliche Vorstellungen von einer Wohngemeinschaft

Gleich beim ersten Gespräch hätten sie beide gemerkt, dass sie ähnliche Vorstellungen von einer Wohngemeinschaft haben, berichtet Oldenburg. Schlohsnagel habe sie gleich gefragt: „Wann ziehst du ein?“ Diese wiederum hat sich darüber gefreut: „Denn ich fühlte mich schon zu Hause, als ich das erste Mal durch das Gartentor ging.“

Die Studentin hat nach Angaben der Seniorin eine besondere Beziehung zur Natur. Sie ist nicht nur bei der Gartenarbeit eine große Hilfe, und beim Einzug hat sie sogar ihre eigenen Gartenhandschuhe mitgebracht: „Als Tochter eines Försters hat sie immer gute Ideen, wo wir was einpflanzen könnten.“ Auch bei Problemen mit der Technik könne sie sich absolut auf „Isa“ verlassen: „Trotzdem ist ganz klar: Ihr Studium geht natürlich vor.“

Diese wiederum beschreibt ihre Mitbewohnerin als „sehr offen und gastfreundlich“. Der runde Gartentisch Schlohsnagels sei Dreh- und Angelpunkt für ihren Freundes- und Bekanntenkreis. Dort begegne sie vielen interessanten Menschen, deren Erfahrungsschatz ihr zugute komme. Sie habe so viele neue Freunde kennengelernt.

Isabelle Oldenburg: „Wir unternehmen aber auch gerne etwas zusammen. So kann ich die Region durch die Augen einer langjährigen Einwohnerin kennenlernen. Das Projekt kann ich insbesondere Studierenden empfehlen, die sich in der Region noch fremd fühlen und hier keine Wurzeln haben.“

Umgekehrt berichtet Schlohsnagel, dass sie manchmal die Semi­narbeiten der angehenden Kulturwissenschaftlerin lesen darf: „Das ist nur ein Beispiel, wie unser Zusammenleben dafür sorgt, dass ich mich mit Dingen beschäftige, zu denen ich sonst überhaupt keinen Bezug hätte.“

Und wenn die Studentin für sie beide kocht, spendiert die Seniorin als Dank den Wein dazu. Überhaupt machten sie sich im Alltag gerne gegenseitig eine Freude. Das kann in Form einer Schale Müsli oder auch eines Blumenstraußes für die andere sein. Am wichtigsten für das Gelingen einer solchen Wohngemeinschaft sei es, offen aufeinander zuzugehen, mit Respekt vor dem anderen Menschen und dessen Eigentum, sagt Oldenburg: „Für mich ist diese Wohngemeinschaft ein Geschenk, das ich jeden Tag wertschätzen kann. Dennoch muss einem klar sein, dass man in dieser WG Verpflichtungen hat.“

Platz und die Bereitschaft, sich auf einen jungen Menschen einzulassen, findet die Seniorin als unerlässlich in ihrem Zusammenleben. „Den Älteren muss klar sein, dass die Studierenden nicht immer da sind und zum Beispiel über ein Wochenende zur Familie fahren. Für mich ist Isa eine wunderbare Assistentin in allen Lebenslagen und ich bin froh, dass sie das coronabedingte digitale Semester nicht als Anlass genommen hat, wieder zu ihren Eltern in den Kreis Ahrweiler zu ziehen“, so Marion Schlohsnagel.