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Infoveranstaltung in Dernau: Umfangreiche Informationen zum Wiederaufbau des Ahrtals zwischen Altenahr und Marienthal

Infoveranstaltung in Dernau : Umfangreiche Informationen zum Wiederaufbau des Ahrtals zwischen Altenahr und Marienthal

Bürgermeister Dominik Gieler (CDU) hatte den Bürgern der Verbandsgemeinde Altenahr zum Wiederaufbau Informationen über aktuelle Planungen und Konzepte „aus erster Hand“ versprochen. Das hat der seit Juni amtierende Verbandsbürgermeister am Samstagnachmittag in Dernau gehalten.

Im dortigen Culinarium wartete er nicht nur gemeinsam mit Ortsbürgermeister Alfred Sebastian mit aktuellen Informationen auf, sondern lud auch zum Gespräch mit angereisten Experten. Zahlreiche zwischen Altenahr und Marienthal lebende Bürger waren gekommen und machten von dem Angebot Gebrauch. An aufgebauten Ständen gab es Überblicke über Planungen, Sachstände, über bereits Geschaffenes und noch Anstehendes.

Der gesamte Streckenabschnitt der Ahr war im Sommer des vergangenen Jahres bei der Naturkatastrophe enormen Zerstörungen ausgesetzt gewesen. Allein im Weinort Dernau waren 90 Prozent der Häuser zerstört oder zumindest stark beschädigt worden. Der Wiederaufbau des Ahrtals – nicht zuletzt auch als beliebte Tourismusdestination – wird Jahre dauern und rund 15 Milliarden Euro nur für die Wiederherstellung der öffentlichen Infrastruktur kosten: Private Investitionen der unmittelbar von der Flutwelle betroffenen Bevölkerung noch nicht mit eingerechnet. Daran ließen weder die beiden anwesenden Bürgermeister noch die Experten Zweifel aufkommen.

Der Wiederaufbau soll nachhaltig gestaltet werden

„Es sind viele Projekte in der Pipeline“, so Dernaus Gemeindechef Sebastian. Allein in der jüngsten Ratssitzung habe das Gremium sieben große Aufträge zum Wiederaufbau der geschundenen Infrastruktur erteilt. Auch wenn nicht immer alle Maßnahmen gleich sichtbar seien: Es gehe voran. Das bestätigte auch Verbandsbürgermeister Gieler: Wir sind kräftig dabei, die Weichen zu stellen.“ Der Wiederaufbau und die Weiterentwicklung der Verbandsgemeinde sollten „nachhaltig und zukunftsfähig gestaltet werden“, die Gefahren von Naturkatastrophen für die bauliche Infrastruktur minimiert, der Tourismus breiter aufgestellt, Verkehr und Mobilität nachhaltig gestaltet werden.

Zu den bereits in verschiedenen Workshops und Arbeitsgruppen definierten Leitsätzen der Verbandsgemeinde zählen außerdem, dass „lebendige und attraktive Orte geschaffen werden“, die Siedlungsentwicklung „moderat“ dargestellt wird, der Landschaftsraum und die Gewässer geschützt und gepflegt werden müssten. Es gelte, die attraktiven Naturräume zu erhalten und ein verträgliches Miteinander von Menschen und Natur zu ermöglichen.

Konzern hält daran fest: Bahn soll im Jahre 2025 wieder bis Ahrbrück fahren

Stark umlagert war der Informationsstand der Deutschen Bahn, die in der Flutnacht bekanntlich in ganz besonderer Weise zu Schaden kam. Der gesamte Streckenabschnitt zwischen Sinzig und Ahrbrück war in Mitleidenschaft gezogen: Brücken waren zerstört, Schienen aus dem Gleisbett gespült worden. Die Bahntrasse im Bereich der Verbandsgemeinde Altenahr glich der einer Achterbahn: Die braunen Fluten hatten die Schienen teilweise verbogen und senkrecht in den Himmel ragen lassen. Geschätzter Schaden: etwa 1,4 Milliarden Euro. Zwar gelang es schnell, wieder Züge aufs Gleis zu setzen, allerdings nur zwischen Remagen und Walporzheim.

Stefan Gleißner, zuständiger technischer Leiter bei der DB-Netze Koblenz/Mainz geht nach wie vor davon aus, dass die Bahn – wie geplant – im Jahre 2025 wieder bis Ahrbrück fahren wird. „Die Bauleistung ist ausgeschrieben und wir hoffen, im Januar die ersten Aufträge vergeben zu können“, berichtete Gleißner gegenüber dem GA. Baubeginn soll im nächsten Sommer sein. Gleißner räumte angesichts der aufwendigen Brückenbauten und der vorhandenen topografischen Streckenführung durch das Ahrtal ein, dass die Fertigstellung im Jahre 2024 ein ambitioniertes Ziel sei.

Ebenfalls von großem Interesse war eine Ausarbeitung der Hochschule Koblenz zu künftigen Siedlungsstrukturen am Beispiel von Dernau. „Grundsätzlich liegen die meisten Siedlungsflächen des Ortes im Überflutungsbereich. Daher wird hier eine uneingeschränkte Bebauung künftig nicht möglich sein. Da die übrigen, ohne Hochwasserrestriktionen bebaubaren Flächen in der Ortschaft allerdings nur sehr wenige sind, wird auch eine Ausweisung in den Überflutungsbereichen unumgänglich sein“, heißt es wörtlich.