1. Region
  2. Ahr & Rhein
  3. Mehr von Ahr & Rhein

Volksbank Rhein-Ahr-Eifel in der Corona-Krise: Eine Woche Digitalversammlung für 786 Delegierte

Volksbank Rhein-Ahr-Eifel : „Wir bauen die digitalen Angebote aus“

Wegen der Corona-Krise geht die Volksbank für ihre Vertreterversammlung neue Wege. Welche, das berichtet Sascha Monschauer, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel, im Interview mit unserem Autor.

Die Corona-Krise zwingt die Volksbank Rhein-Ahr-Eifel, neue Wege zu beschreiten. Denn der Souverän der Genossenschaftsbank ist die einmal jährlich tagende Vertreterversammlung. Diese fand bislang im Bad Neuenahrer Kurhaus statt. Nach der Übernahme der Volksbank Koblenz-Mittelrhein durch die Volksbank Rhein-Ahr-Eifel sollte diese eigentlich am neuen Sitz der Genossenschaft in Koblenz stattfinden.

Dies mit 786 gewählten Vertretern, die die gut 117.000 Mitglieder vertreten und über Aufsichtsrat, Regionalbeiräte und Dividende zu entscheiden haben. Die Pandemie sorgt nun für eine Novum, die erste digitale Vertreterversammlung. Über das Prozedere sprach Günther Schmitt mit dem Vorstandsvorsitzenden, Sascha Monschauer.

Eine digitale Vertreterversammlung, wie kann man sich das vorstellen?

Sascha Monschauer: Um offen zu sein: deutlich schmuckloser als die bekannte Variante. Unsere Vertreter haben die Möglichkeit, sich in einem digitalen Netzwerk einzuwählen, sich dort zu informieren und dort auch die Wahlen durchzuführen. Die digitale Vertreterversammlung besteht weiterhin aus zwei zentralen Elementen: einer Aussprache und einer Wahl.

Sascha Monschauer ist Vorstandschef der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel. Foto: Martin Gausmann

Viel Zeit für die Vorbereitung der Premiere hatten Sie ja nicht? Wie stemmt die Bank denn ein solches Projekt, das auch für Sie absolutes Neuland ist?

Monschauer: Das mit dem Neuland ist nicht ganz richtig. Wir haben 2018 und 2019 bereits als einer der ersten großen Genossenschaftsbanken unsere Vertreterwahlen digital erfolgreich durchgeführt. Hier hatten unsere Mitglieder die Möglichkeit, ihre Vertreter nicht nur per Briefwahl zu wählen, sondern auch online ihre Stimme abzugeben. Von daher ist uns das grundsätzliche Prozedere bekannt.

Es dürfte mit sieben Tagen, vom 3. bis 9. Juni, die längste aller Vertreterversammlung in der Geschichte der Genossenschaftsbank sein. Warum dieser lange Zeitraum?

Monschauer: Die digitale Versammlung wird in einem solchen Zeitraum stattfinden, da wir allen Vertretern die Möglichkeit geben möchten, sich mit dem neuen Kanal vertraut zu machen. Die digitale Aussprache, in der direkte Fragen via „Chat“, also schriftlich, an den Vorstand möglich sind, erfolgt am 4. Juni zwischen 17 Uhr und 19 Uhr. Die Wahl findet am 9. Juni von 8 Uhr bis 20 Uhr ganztägig statt, um allen Stimmberechtigten ausreichend Zeit einzuräumen.

Wie loggen sich die Delegierten denn ein, welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es?

Monschauer: Zunächst müssen sie sich auf unserem Portal, dem digitalen „Mitgliedernetzwerk“, registrieren und können dann ab dem 3. Juni alle Unterlagen dort einsehen. Die Wahlen bzw. Beschlussfassungen finden über dasselbe Portal statt, allerdings über einen separaten, gesicherten Zugang, um alle Sicherheitsaspekte zu gewährleisten. Die individualisierten Daten haben wir den Vertretern bereits im Vorfeld mit der Einladung zugeschickt.

Können Fragen gestellt werden und ist überhaupt eine Art Diskussion möglich?

Monschauer: Zum einen haben unsere Vertreterinnen und Vertreter die Möglichkeit, vorab ihre Fragen einzureichen – entweder über unser spezielles Portal zur Vertreterversammlung oder per E-Mail.

Wenn diskutiert wird, wie sieht das dann aus. Oder ist das nur eine Plattforum im Stil Mitglied fragt und Vorstand oder Aufsichtsrat antwortet. Haben alle Vertreter Zugriff auf den geführten Dialog?

Monschauer: Alle Teilnehmer sehen alle Fragen und alle Antworten. Die Transparenz ist gewährleistet und auch wichtig. Es haben nicht alle Vertreter Zugriff auf einen digitalen Kanal. In diesen Ausnahmefällen bieten wir eine Briefwahl an und die Möglichkeit, zum digitalen Austausch in eine unserer Filialen zu kommen. Dieses Angebot ist natürlich auf freiwilliger Basis zu betrachten – kein Vertreter muss daran teilnehmen.

Es gibt aber auch noch Wahlen zum Aufsichtsrat, zu Regionalbeiräten und schließlich die für die Mitglieder wichtigste Beschlussfassung, die Höhe der Dividende. Wie läuft das ab?

Monschauer: Sämtliche Wahlen sowie notwendige Beschlussfassungen finden am 9. Juni statt. Zwischen 8 und 20 Uhr haben die Vertreterinnen und Vertreter die Möglichkeit, im Internet über ein Portal ihre Stimme abgeben.

Und wenn Sie optimistisch rechnen, wie hoch sind Ihre Erwartungen an die Beteiligung der Vertreter, die Sie ja bereits einzeln angeschrieben haben?

Monschauer: Wir können keine Abschätzung abgeben – das Thema ist für uns neu, genau wie für die Vertreterinnen und Vertreter. Daher sind wir froh über jeden Vertreter, der auch über den digitalen Weg seine Stimme abgibt.

Wenn’s digital klappt, wird es nach Corona eine Rückkehr zur Präsenzveranstaltung geben oder könnte man sich in Zukunft nicht auch die Kosten für diese sparen und den entsprechenden Betrag in soziale Projekte ihrer Bürgerstiftung einfließen lassen?

Monschauer: Gestatten Sie mir ein persönliches Wort: Meine erste Vertreterversammlung als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Rhein-Ahr-Eifel hätte ich mir lieber als Präsenzveranstaltung gewünscht. Und ich möchte auch für die Zukunft hoffen, dass es aufgrund von Corona die erste und vorerst letzte digitale Vertreterversammlung unserer Bank ist. Dennoch haben wir in der Coronakrise festgestellt, dass digitale Veranstaltungen wie Webinare und Meetings möglich und sehr erfolgreich sind. Diese Angebote werden wir in Zukunft ausbauen und nutzen. Bei unserer Vertreterversammlung werden wir aber auch künftig an Präsenzveranstaltungen festhalten.