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100 Jahre Weingut O. Schell: Weinbautradition bis ins 17. Jahrhundert

100 Jahre Weingut O. Schell : Weinbautradition bis ins 17. Jahrhundert

Das Weingut O. Schell in Rech besteht seit 100 Jahren. Zwischen Winzermeister Otger Schell und seinem Sohn Oliver gibt es eine klare Aufgabenteilung.

Vornamen sind wichtig. Auch bei einem Weingutsnamen. O. Schell in Rech lässt einen aber rätseln, wer mit O. gemeint ist: Otger oder Oliver Schell? Sicher ist, dass das Weingut 100 Jahre alt ist. Es wurde 1921 von Max Josef Schell gegründet.

Otger Schell und sein Sohn Oliver verstehen sich gut. Auch bei der Arbeit: Während sich Winzermeister Otger Schell um die Weinberge kümmert, ist Oliver Schell im Weinkeller sowie beim Vertrieb und Marketing aktiv.

Der 30-Jährige hat neben seiner Winzerausbildung auch ein Betriebswirtschaftsstudium vorzuweisen. „Heute ist der Vertrieb wichtig, die Kunden wollen eine große Auswahl haben. Und die Weine sollen zur Zielgruppe passen“, erläutert der Recher. Während des Studiums habe er auch, aus Interesse, Design-Kurse besucht und begonnen, die Flaschen-Etiketten des Weinguts selbst zu gestalten. So befinden sich in ihrem Sortiment auch neue, trendige Etiketten-Designs mit dem „OS“-Logo und ihrem Hauswappen. Für Spargel-Liebhaber gibt es einen Weißwein mit Spargelmotiv-Etikett.

„100 Jahre O. Schell sind eine Verpflichtung und Ehre“, sagt Oliver Schell. „Verpflichtung“, weil er in der vierten Generation das Weingut fortführt und „Ehre“, weil er und seine Vorfahren in all den Jahren Wein auch zu besonderen Anlässen wie Jubiläen, Hochzeiten oder Geburtstagen lieferten und hierbei viele Menschen den Wein der Schells getrunken hätten. Der Winzer zeigt sich beeindruckt, wenn die Menschen, zum Beispiel bei einer Hochzeit, „den schönsten Tag im Leben mit einem Sekt oder Wein von uns unterstreichen“.

In Corona-Zeiten dürften die Kunden in ihrer Vinothek keinen Wein probieren. „Trotzdem haben wir viele Stammkunden, die weiterhin unseren Wein kaufen. Das Vertrauen der Kunden ehrt mich“, freut sich der 30-Jährige.


Karlskopf und Goldkaul


Die Weinbautradition der Familie Schell lässt sich sogar bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen, wo die ersten schriftlichen Aufzeichnungen von Peter Josef Schell beginnen. 1921 gründete Max Josef Schell, der als Kellermeister in der ehemaligen Winzergenossenschaft Rech tätig war, in Rech an der Rotweinstraße sein eigenes Weingut. In den folgenden 100 Jahren konnten die Schells ihr Weinwissen erweitern und an der Ahr die passenden Weinlagen zu ihrem Wein finden.

So wissen sie genau, welcher Wein in welchen Lagen am besten wächst: In Mayschoss am Laacher Berg würden Trauben für den Blanc de Noir und Roséweine wachsen. Der Recher Herrenberg biete perfekte Bedingungen für den Anbau von Spätburgunder, die Recher Blume für leichte und fruchtige Rotweine. Im Dernauer Goldkaul könne man kräftige Spätburgunder erzeugen, im Bachemer Karlskopf Frühburgunder und im Bad Neuenahrer Kirchtürmchen würden Spätburgunder- und Dominatrauben wachsen.

Der 59-jährige Otger und der 30-jährige Oliver Schell teilen eine Leidenschaft: den Ahrwein. „Der Burgunder ist eine faszinierende Rebsorte. Mit der Vielfalt des Spätburgunders kann man auch Blanc de Noir produzieren. Dieser helle Wein ist besonders für die Sommerzeit passend“, erklärt Oliver Schell. Auch im Rotweinanbaugebiet-Ahr sei dieser Weißwein im Trend und enorm gefragt. Dieses Jahr sei, anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Weinguts, ein Hoffest mit Live-Musik geplant gewesen. Das falle wahrscheinlich flach. 2022 könne man das vielleicht als „101-Jahre Weingut Schell“-Feier nachholen, hofft der junge Winzer. Bei dieser Gelegenheit kann man die Schells dann ja mal fragen, wer mit O. gemeint ist.