Betagte Kirche im Kreis Ahrweiler Wie St. Petrus in Kesseling die Zeit überdauert

Kesseling · St. Petrus in Kesseling ist mehr als 1250 Jahre alt und damit eine der ältesten Kirchen der Region. Ihre bewegte Geschichte reicht bis zum einstigen Frankenkönig Pippin zurück. Welche Gebäudeteile tatsächlich aus dieser Zeit stammen, bleibt vage.

 Eine der ältesten Sakralbauten im Kreis Ahrweiler steht in Kesseling: Die St.-Petrus-Kirche.

Eine der ältesten Sakralbauten im Kreis Ahrweiler steht in Kesseling: Die St.-Petrus-Kirche.

Foto: Martin Gausmann

Weithin sichtbar und fast so trutzig wie eine Burg thront sie da auf einem Felsvorsprung über den dicht beisammen stehenden Häusern des Orts. Und das tut die St.-Petrus-Kirche schon seit mindestens 1250 Jahren. Denn in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 772 wird die Kesselinger Kirche der Mönchszelle als „basilica sancti petri“ erstmals urkundlich erwähnt. Damit ist sie eines der ältesten Gotteshäuser im Kreis Ahrweiler, wenn nicht gar das älteste.

Der Bau des Namensvetters in Sinzig begann um 1225 und dauerte bis 1241. Im Jahr zuvor war „St. Viktor“ in Oberbreisig fertiggestellt worden. Und der Grundstein für „St. Laurentius“ in Ahrweiler wurde erst 1269 gelegt, mehr als 500 Jahre nach dem Bau der Petruskirche im Kesselinger Tal. Da reicht nicht einmal „St. Johann Baptist“ in Adenau heran. Dieses Gotteshaus ist im zehnten Jahrhundert als Saalkirche gebaut und später mit Seitenschiffen und Querflügel versehen worden. St. Petrus ist auch deutlich älter als das 1131 erstmals erwähnte, älteste Gebäude von Oberwinter, die St.-Laurentius-Kirche.

Einstiger Frankenkönig Pippin hat Anteil an der Grundsteinlegung

Dass wir heute noch um die Ursprünge der Kesselinger Kirche wissen, haben wir einer Urkunde vom 20. Juli 762 zu verdanken, die belegt, dass der Frankenkönig Pippin die „Cella Casloaca“, einer im heutigen Kesseling neu gegründeten Klostergemeinschaft, einen Wald übertrug, sie der Abtei Prüm unterstellte und zu einer Reihe von Diensten gegenüber dem Mutterhaus in Prüm verpflichtete. Mönche aus Prüm wurden zu Leitern der Zelle und zu Rektoren des ersten Kirchleins bestimmt.

Wie viel von der heutigen Kirche noch aus dieser Zeit stammt, ist ungewiss. Denn die heutige Kirche ist der dritte Sakralbau seit der Gründung des Klosters. Der Kirchturm wurde erst im 13. Jahrhundert gebaut. Das Ursprungskirchlein stand, wie Alfons Scholl in einem Beitrag für das Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler von 1963 vermutet, genau dort, wo heute der Turm steht.

Im Jahr 1791 wird das heutige Langhaus erbaut

Im Jahr 1704 wurde der Zustand dieser Kirche als schlecht bezeichnet. 1720 ist die Kirche renoviert worden. Und auch der Wunsch nach einem Erweiterungsbau wurde damals geäußert, weil die kleinen Fenster im Holzgewölbe zu wenig Licht hereinließen. Im Jahr 1769 hielt dann auch die Abtei Prüm einen Neubau der Kirche für notwendig. So wurde 1791 das heutige Langhaus erbaut.

Der Zweite Weltkrieg nahm die auf Fels stehende Kirche arg mit. Nach fast zehnjährigen Bemühungen ist sie von dem Mayschosser Unternehmer P. Meurer „endlich wieder schön hergestellt worden und leuchtet in einem festen Rauputz auf Berg und Tal“, berichtet Autor Scholl im Jahr 1963.

Der Besucher wird von einem rundbogigen Westportal und einer Figur des Kirchenpatrons in einer Nische darüber begrüßt. Dann öffnet sich der helle und klar strukturierte, 27 Meter lange, elf Meter breite und neun Meter hohe Saalbau. Der Chor befindet sich gegenüber auf der in Richtung des Ortes hin gelegenen Ostseite.

Altar stammt aus der Abtei Maria Laach

Von Bomben verursachte Druckwellen zerstörten im Zweiten Weltkrieg die jeweils fünf hohen Rundbogenfenster in den beiden Längsseiten. Zu Beginn der Renovierung wurden im Jahr 1953 die beiden Chorfenster mit den Kirchenpatronen St. Petrus in Ketten und St. Maternus wiederhergestellt. Die acht Fensteröffnungen des Kirchenschiffs, die das Licht durch pastellfarbiges Antikglas hereinlassen, wurden später von der Bad Neuenahrer Firma Meyer angefertigt.

Der um 1595 geschaffene barocke Hochaltar, der die Kirche dominiert und bis knapp unter die reicht, stammt aus der Abtei Maria Laach. In der Altar-Mitte befindet sich eine aus dem 15. Jahrhundert stammende Schnitzarbeit der überlebensgroßen Mutter Gottes mit dem Jesusknaben.

Früher wurde der Hauptaltar von zwei ebenfalls aus Maria Laach stammenden kunstgeschichtlich gleichwertigen Seitenaltären eingerahmt, die St. Hieronymus und St. Joachim gewidmet waren. Sie wurden aber durch neugotische Altäre ersetzt. Als das in der Nähe liegende Dorf Weidenbach im Jahr 1938 für den Bau des Luftwaffenübungsplatzes Ahrbrück geräumt wurde, ist der barocke St.-Anna-Altar der dortigen Kapelle, der unter anderem die Taufe Jesu im Jordan zeigt, in die Kesselinger Kirche gerettet worden, wo er den neugotischen Altar auf der linken Kirchenseite ersetzte. Und auch der zweite neugotische Seitenaltar wich bald einem adäquaten Nachfolger.

Zwei von drei Glocken gehen im Krieg verloren

Zwei Türen eine hinter dem Hochaltar, die zweite von Süden her führen in den wuchtigen Turm, dessen Rautenhaube den First der Kirche um elf Meter überragt. Zwei der drei Glocken in der Glockenstube von St. Petrus gingen im Krieg verloren. In den 1960er Jahren wurden sie durch Glocken der Eifeler Glockengießerei Brockscheid ersetzt. Die dem Pfarrpatron gewidmete 1000 Kilogramm schwere älteste und größte Glocke trägt als einzige Glocke im Turm eine Inschrift: „Osanna heiße ich, in Sankt Peters Ehre läute ich. Im Jahre des Herrn 1444 des Tages in dem 10. Mai.“

Nach einem Wortgottesdienst am Sonntagmorgen gab der Organist Markus Prange ein Konzert, das den festlichen Charakter des Jubiläums unterstrich. An der 1824 erbauten und später erweiterten Ibach-Orgel, die vom Kalvarienberg in Ahrweiler stammt, ließ er Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Josef Rheinberger erklingen.

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