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Wolfsriss im Wildpark Rolandseck: Park verzichtet auf neue Schafe

Wiedereröffnung des Parks am 17. März : Wolf reißt vier Schafe im Wald- und Wildpark Rolandseck

Der Wald- und Wildpark Rolandseck öffnet am Mittwoch wieder. Die Vorbereitungen auf den Start stehen nach einem Wolfsangriff unter besonderen Vorzeichen.

Der Anblick ist nicht leicht zu vergessen. „Ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmt“, sagt Tessa von Lüdinghausen in Erinnerung an den Februarmorgen vor ein paar Wochen. Als die Geschäftsführerin im Wald- und Wildpark Rolandseck wie jeden Morgen auf dem Gelände vorfuhr, um die Tiere zu zählen, zu füttern und Zäune zu kontrollieren, waren vier der Heidschnucken tot. Welches Bild sich ihr genau bot, mag sie gar nicht schildern. Ein Wolf hatte die Schafe, die gleich am Eingang des Parks ihren Platz haben, gerissen – wie zwei Tage zuvor schon acht Schafe in der Verbandsgemeinde Adenau.

„Die drei überlebenden Schafe wirkten orientierungslos, waren an den Läufen verletzt, aber mittlerweile geht es ihnen gut. Sie sind wohl mit dem Schrecken davon gekommen, wenn sie sich auch noch ein bisschen sortieren müssen, weil sie ihre Leitschafe verloren haben“, berichtet von Lüdinghausen. Wie es ihnen geht, können die Besucher ab Mittwoch, 17. März, selbst in Augenschein nehmen. Dann öffnet der Park nach dem Lockdown wieder.

Neue Schafe will Lüdinghausen erstmal nicht dazu kaufen. Erstmal sollen die Zäune um die Schafe herum aufgestockt werden. Der Wolf übersprang den bestehenden 1,50 Meter hohen Schafszaun, der bisher vornehmlich dazu diente, die Wildschweine abzuhalten. Jetzt wurde dieser um einen elektrifizierten Zaun nochmal gesichert. Auch der hohe Zaun um den Wildpark herum soll nach und nach noch elektrifiziert werden. Eine Entschädigung für den Wolfriss hat der Wald- und Wildpark noch nicht bekommen, aber diese sei zugesichert. „Die Sache läuft noch“, sagt die Geschäftsführerin, „und die Stiftung Natur und Umwelt unterstützt uns.“

Trotz des Lockdowns hatte der Wald- und Wildpark Rolandseck viele Besucher

Für den Park war die Zwangspause nur wenig länger als die übliche Winterpause. Und die rund zwei Monate, die im Jahr 2020 fehlten, seien einigermaßen wieder aufgeholt worden, was die Besucher anging, „weil viele wohl nicht in Urlaub gefahren sind und dann in den Sommerferien zuhause waren“, berichtet die Geschäftsführerin des Parks, der sich ausschließlich durch Eintrittsgelder finanziert. Rund 40.000 Besucher gibt es jährlich.

Die neuen Hygieneschutzvorgaben bedingen, dass die Besucher jetzt nicht mehr nur im Eingangsbereich, sondern auf dem gesamten rund 350.000 Quadratmeter großen Areal einen Mund-Nasen-Schutz tragen und, dass sie sich vorab mit ihren Kontaktdaten online anmelden. Deswegen wird die Website aktuell noch erneuert. Mit der Reservierungsbescheinigung auf dem Handy oder als Ausdruck kommt man dann an die Kasse. „Dort geht es dafür schneller.“

 Auch Hirsche und Rehe beherbergt der Wald- und Wildpark Rolandseck.
Auch Hirsche und Rehe beherbergt der Wald- und Wildpark Rolandseck. Foto: Wald- und Wildpark Rolandseck

Gleich hinter dem Eingang werden dann vermutlich wie immer schon die beiden Alpakas Yoshi und Koopa um Futter bitten. Das am Eingang zu erhaltende Wildfutter darf an alle Tiere im Park verfüttert werden, bis sie satt sind. Ausnahme sind die Esel und Shetlandponys, die Diät halten müssen. Die Schottischen Hochlandrinder haben sogar eine spezielle Technik entwickelt, um an Futter zu kommen: Sie strecken den Menschen die Zunge entgegen. Mufflon „Mike“ steht auf etwas anderes: Der sehr zutrauliche Schafbock mit der weißen Ohrmarke und den etwas engen Schnecken liebt es, gekrault zu werden, „und er fordert das auch ein“, berichtet die Chefin schmunzelnd. Auch das Damwild um Hirsch Roland kommt gemeinhin bis an die Wege, auf denen sich die Besucher bewegen.

Zurückhaltend ist indes das Rotwild. „Aber da haben wir jetzt einen neuen Hirsch, der Charles heißt und sehr entspannt ist. Das wirkt sich auf das gesamte Rudel aus. Nur in sengender Mittagshitze oder wenn es zu trubelig wird, zieht es sich zurück.“ Da kann man gut ein Fernglas brauchen.

Tipp der Tierexpertin: „Leise sein hilft. Gerade in den ersten Tagen der Parköffnung.“ Dann würden sich die Wildtiere wieder an den Besuch der Menschen gewöhnen. Die Haustiere hingegen seien immer sofort dabei: Die Zwergziegen etwa, die mit ihren kurzen Beinen wackelnd gleich auf einen zukommen und dann auch anhänglich sind.

Betriebsam ist es gemeinhin auch bei den Wildschweinen. Da ist immer Spektakel, vor allem, wenn sie sich an heißen Tagen zur Abkühlung im Schlamm suhlen. Die Rotte wird wohl im April Frischlinge bekommen. Schon für die nächste Woche wird Nachwuchs bei der 30 Tiere zählenden Mufflon-Herde erwartet. „Man kann die Kleinen auch sehen“, verspricht von Lüdinghausen. „Man muss nur bisschen die Augen offen halten.“ Die ganz jungen Lämmchen lägen oft irgendwo oder liefen dichtgedrängt an die Muttertiere. Es sei immer schön, wenn Jungtiere geboren seien, im Juni soll es auch beim Damwild und danach beim Rotwild sein.

Abgesehen von den Parktieren seien auf dem Gelände mit Fernblick hoch über dem Rhein und mit Wald und Schluchten auch freilebende Tiere zu erspähen, zum Beispiel Eichhörnchen, Wildkaninchen, Dachse und Füchse und viele Vogelarten.