Erster Zwiebelmarkt nach zwei Jahren Pause „Zwibbelsmaat“ in Bad Breisig läuft noch bis Dienstag

Bad Breisig · Nach zwei Jahren Corona-Pause findet der Zwiebelmarkt in Bad Breisig dieses Jahr wieder statt. Der Name führt dabei in die irre, denn neben Blumen- und Speisezwiebeln können Besucher hier auch Praktisches und Nützliches, von der Unterwäsche bis zur Flaschenbürste, kaufen.

 Auf dem Bad Breisiger Zwiebelmarkt werden nicht nur, wie hier, Zwiebeln verkauft. Besucher können Nützliches für den Alltag erstehen, von Decken bis hin zu Knöpfen.

Auf dem Bad Breisiger Zwiebelmarkt werden nicht nur, wie hier, Zwiebeln verkauft. Besucher können Nützliches für den Alltag erstehen, von Decken bis hin zu Knöpfen.

Foto: ahr-foto

Kaum trommelten und bliesen die leuchtend rot und orange gewandeten niederländischen Guggenmusiker „Doe Mar Wa“ los, setzte Regen ein und tropfte ihnen in die Instrumente. Doch sie machten gute Miene zum feuchten Segen, genau so wie Bürgermeister Marcel Caspers, begleitet von Brunnenkönigin Corinna I.: Freudig dankte er zum Auftakt des viertägigen Zwiebelmarktes, der noch am heutigen Dienstag geöffnet hat, den Gästen für ihr Kommen, „trotz des Wetters, das nicht so ist, wie es sein soll“.

Caspers machte aufmerksam auf die Marktrechte, die 1374 Kaiser Karl IV. verlieh, nicht aber darauf, dass der „Zwibbelsmaat“ aus einem am Heilig-Kreuz-Fest gehaltenen Markt hervorgegangen ist. So verzeichnet der Kurfürstlich-trierische Land-Kalender 1786 unter den Märkten in seinem Gebiet „Breysich auf Kreuzerhöhung“. Zweimal fiel der Markt wegen Corona aus. „Er ist aus dem Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken, hat Strahlkraft und man bringt ihn mit der Stadt in Verbindung. Deshalb werden wir den Zwiebelmarkt so lange wie möglich weiter veranstalten“, versicherte der Bürgermeister auch mit Dank in Richtung Schausteller.

Mit 200 Ausstellern weniger als in den Vorjahren

Nach einem Kompliment für das Engagement der Feuerwehr beim Markt, einen Gruß an die treuen Gäste aus der Schweiz, schlug Brunnenlieblichkeit Corinna mit sieben Schlägen das Fass an. Sowie Caspers das erste Freibier zapfte, riss der Himmel auf und die Stimmung gedieh im Sonnenschein blendend. Zwar schaltete die Witterung bald wieder auf trüb und kühl, doch fanden zu Marktbeginn am Samstag viele Besucher nach Bad Breisig. Die Aussicht auf Schauen, Stöbern, showreife „Marktschreier“, bereitete nach der Zwangspause ein besonderes Vergnügen, wenngleich durch kräftige Schauer immer wieder unliebsam gebremst.

Mit gut 200 Ständen waren weniger Beschicker vor Ort als in den Jahren zuvor. Den Besuchern dürfte es kaum aufgefallen sein, ist doch der Zwiebelmarkt nach wie vor eine wahre Fundgrube für Praktisches und Nützliches, von Unterwäsche bis Flaschenbürste, das den Alltag erleichtern oder zu versüßen vermag. Wünsche wie „ein Küchenmesser, das richtig schneidet“, weswegen Norbert aus Heimersheim bei Mühlenmesser aus Solingen stöbert, werden hier ebenso prompt erfüllt wie Lust auf belgische Pralinen, Fruchtkabel und Geleebohnen. Einzig gebrannte Mandel und Lebkuchenherzen befinden sich wohl auf dem Rückzug.

Allenthalben stößt man auf die Klassiker: Bekleidung und Haushaltswaren. Früher deckten sich die Eifeler hier mit Qualitätstextilien ein, sodass in der Volksschule manches Kind denselben Pullover wie der Banknachbar trug. Dazu passt, was gut gelaunte Bekannte aus Dedenbach zeigen: In ihrer Einkaufstasche stecken ein „Liebestöter“ sowie eine strapazierfähige solide Weste.

Schuhe, Deko, Spielzeug, Grußkarten, Schönes aus Leder und Olivenholz, Schmuck oder Decken

Wer sich umschaut, entdeckt neben Allerweltsklamotten, wie sie auf vielen Märkten Europas zu haben sind, immer noch zeitlose, langlebige Kleidungsstücke. Es gibt zudem Schuhe, Deko, Spielzeug, Grußkarten, Schönes aus Leder und Olivenholz, Schmuck, Decken und als Neuheit „den genialen spanischen Reibeteller“ für Muskatnuss, Knoblauch, Parmesan. Kurzwaren, wie Reißverschlüsse, Gummilitze und Knöpfe, vielerorts Mangelware, hat der Zwiebelmarkt gleichfalls zu bieten. Und wer wollte nicht „die perfekte Pfanne, die nicht gegen, sondern für Sie arbeitet“? Der mobile „Unverpackt-Mann“ Yannik Schlottau offeriert Sommerblütensalz und Roggenvollkornbrot. Und natürlich ist der Markt ein Eldorado für Putzsüchtige, die eine Vier-Meter-Teleskopstange mit verschiedenen Aufsätzen stolz nach Hause tragen.

Kaum noch kennen Gäste von Bonn, Neuwied, Koblenz und selbst aus dem nächsten Umfeld den Ursprung des jahrhundertealten Marktes, der sich begleitend zur Verehrung einer Partikel vom Kreuze Jesu entfaltete. Die Ritter des Templerordens erbauten in Breisig 1245 die Donatuskapelle an der Rheinseite des Templerhauses, wo sie die Reliquie aus dem Heiligen Land hüteten. Vor rund 200 Jahren kam die Kreuzpartikel in die Kirche Maria Himmelfahrt, wo das Silberkreuz mit dem kostbaren Inhalt an allen Markttagen ausgesetzt ist.

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