Hochbetrieb bei der Platt-Akademie: Mundart ist beliebt wie eh und je

Hochbetrieb bei der Platt-Akademie : Mundart ist beliebt wie eh und je

Bei den Abenden des Heimatvereins Alt-Ahrweiler bleibt kein Stuhl frei. "Public Viewing" ist eine Form des gemeinsamen Fernsehschauens, die gerne bei großen Sportereignissen Anwendung findet. "Public Viewing" beim Mundartabend des Heimatvereins Alt-Ahrweiler geht auch.

Denn bei den Dialekt-Abenden des Vereins in Bell's Restaurant ist es mittlerweile so voll, dass das Programm auf einem Bildschirm in den Wintergarten übertragen wird, wo sich ebenfalls Gäste tummeln, um dem, was da am Mikrofon geredet wird, zu lauschen. Weit mehr als 100 Besucher hatte Organisator Rainer Sturm jetzt zählen können. Da nämlich hieß es wieder "Traditioneller Mundartabend - Plattakademie."

Mehr als zwei Stunden abwechslungsreiches Programm, mal zum Lachen, mal nachdenklich, mal musikalisch, hatte das Team um Rainer Sturm aufgeboten. Natürlich mit der Mundarthymne "Oos Ahrweiler Platt" voran, die dieses Mal musikalisch von Tommy Geller am E-Piano begleitet wurde. Die Schar der Mundartfreunde konnte sich warmsingen. Gesungen wurde dann immer wieder mal, kölsche Texte wie "Ming ierschte Fründin" oder in Ahrweiler Platt Umgedichtetes: "Dou bes die Stadt an de Ahr, dem jrööne Fluss, wo me sech wohl un jlöcklich föhle muss."

Dazwischen gab es jede Menge zu lachen, vorgetragen nicht nur von Ahrweilern. Auch Dialektredner aus den "umliegenden Kappesfeldern" wurde das Wort nicht verwehrt. In "Oos Kendeparadies" entführte Margret Nischalke das vorwiegend ältere Publikum noch einmal zurück, als die Kinder noch gemeinsam auf der Straße spielten.

Da kam bei manchem ein wenig Wehmut auf. Daraus wurde aber wieder schnell schallendes Gelächter, als Gerda Kohlhaas vom misslungenen Versuch, "ne Prumetaat" zum Winzerfest zu backen, berichtete. Oder als Manfred Kolling, der sich als "Sprecher des internationalen Platt" bezeichnete, vom Eifelbauern berichtete, der in den 1920er Jahre eine Fahrt nach Köln unternahm und dort allerhand Seltsames erlebte.

Tatsächlich Erlebtes berichtete Lothar Pötschke, der bei seinem ersten Nürburgring-Besuch zum Großen Preis von Europa 1954 so ziemlich alles sah, nur kein Rennen und keine Rennwagen.

Nicht so ganz ernst zu nehmende Wetterregeln hatte Wetterbauer Hans Boes parat. Ein Beispiel: "Steht im Januar das Korn, ist es wohl vergessen wor'n." Es geht aber auch in Mundart und durchaus mit Sinn: "Es d'r Juli köhl un naas, dann bliev leddisch Scheuer un Faas."

Wie man ein ernstes und auch gruseliges Gedicht bei der Übertragung in den Dialekt verändern kann, wurde am Beispiel von Ludwig Uhlands "Des Sängers Fluch" dargestellt. Zunächst im Original von Carolin Groß vorgetragen, brachte Margret Palm die Ahrweiler Version zu Gehör.