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Gasversorgung im Flutgebiet: Neue Erdgas-Hochdruckleitung an der Ahr in Rekordzeit errichtet

Gasversorgung im Flutgebiet : Neue Erdgas-Hochdruckleitung an der Ahr in Rekordzeit errichtet

Ministerpräsidentin Malu Dreyer sprach von einem Meilenstein beim Wiederaufbau der Gasleitung im Ahrtal. Die in weniger als 100 Tagen gebaute neue Leitung ist hochwassersicher und verläuft nicht mehr durch das Bett der Ahr. 80 Prozent aller Haushalte können nun wieder ans Gasnetz angeschlossen werden.

In der Kreisstadt wurde am Freitagmorgen im Beisein der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die bei der Flutkatastrophe im Juli zerstörte Erdgas-Hochdruck-Leitung wieder in Betrieb genommen. In nicht einmal 100 Tagen Bauzeit ist eine komplett neue Hochdruckleitung zwischen Bad Bodendorf und Bad Neuenahr-Ahrweiler entstanden. Sie ist nach Angaben der Energieversorgung Mittelrhein (evm) komplett hochwassersicher und verläuft, anders als ihre Vorgängerin, nicht durch das Bett der Ahr.

Ein Teilstück der neuen Leitung nördlich von Bad Neuenahr wurde zunächst als Provisorium entlang der Weinberge verlegt. Die endgültige Leitung soll unter der Heerstraße geführt werden. Mit der Inbetriebnahme am Freitag hat die vor gut zwei Wochen in Betrieb genommene provisorische Anlage zur Gaserzeugung aus Flüssiggas unweit des Kreisverkehrs "An den Ulmen" ihren Dienst beendet. Aktuell können 80 Prozent der Haushalte in der Kreisstadt wieder mit Gas versorgt werden, die restlichen 20 Prozent nimmt die evm-Gruppe sukzessive in Betrieb. Das bedeutet aber nicht, dass nun alle zuletzt mit Gas beheizten Haushalte wieder über Wärme verfügen. Es bedarf noch an Arbeiten am Hausanschluss, die Mitarbeiter des Gasversorgers zusammen mit helfenden Partnerunternehmen derzeit durchführen. Flutopfer, deren Heizung zerstört wurde und die noch keine neue Therme installiert haben, müssen eh auf andere Heizsysteme ausweichen.

Deutschlandweite Unterstützung, gutes Wetter und eine unkomplizierte Verwaltung haben den schnellen Bau ermöglicht

Dass die Wiederherstellung der Gasversorgung, die ursprünglich bis zum März dauern sollte, nun größtenteils vollzogen ist, bezeichnete Ministerpräsidentin Dreyer als Meilenstein im Wiederaufbau. Man habe eine Leitung in weniger als 100 Tagen gebaut, für die normalerweise ein Zeitraum von fünf bis sechs Jahren gerechnet werde, so Dreyer. Sie dankte der evm und den 17 weiteren Versorgern aus ganz Deutschland, die dem Gasversorger zu Hilfe geeilt waren. Dreyers Dank galt aber auch den Verwaltungen – es wurde auf eine Vielzahl von Verfahren verzichtet. „Diese Hochdruckleitung ist ein Zeichen der Hoffnung für die Menschen für die Wärmeversorgung im nahenden Winter“, erklärte die Ministerpräsidentin.

Josef Rönz, Vorstandsvorsitzender der Energieversorgung Mittelrhein, blickte noch einmal zurück auf 130 Kilometer zerstörte Gasleitungen und etliche Hausanschlüsse. "In den ersten Tagen haben wir gesagt, dass wir nicht wissen, wie wir das schaffen sollen", räumte er ein. Dass es nun so schnell ging, lag nach den Worten von Rönz an Glück, gutem Wetter und der tatkräftigen Hilfe aus dem ganzen Land. Für die gesamte 5,3 Kilometer lange neue Hochdruckleitung und die Behebung aller Schäden am Gasnetz inklusive der provisorischen Lösung wird die evm-Gruppe voraussichtlich rund 20 bis 30 Millionen Euro aufwenden. Mit dem Bau der endgültigen Leitung beginnt der Netzbetreiber im kommenden Jahr. Besondere Herausforderungen sind aktuell noch in der Altstadt von Ahrweiler zu meistern: Dort sind im Ortsnetz noch zahlreiche Leckagen zu orten und zu verschließen. Josef Rönz: „Wir sind aber zuversichtlich, dass wir auch hier sehr bald das Netz wieder betriebsbereit haben.“