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Ausstellung in Oberwinter: Absurd, ernst und von schwebender Ironie

Ausstellung in Oberwinter : Absurd, ernst und von schwebender Ironie

In Oberwinter zeigt die Galerie Werkhallen Fotografien von Daniel Josefsohn. Der bedeutende deutsche Fotograf, israelisch-jüdischer Herkunft, gilt als großer Provokateur in der Kunstszene.

Er ist nach Oberwinter gekommen, zum Start von „Ich will glücklich sein – Ich habe die Macht …“ in der Galerie Werkhallen. Ein wahnwitziger Titel, mehrdeutig, beschwörend, ironisch, in jedem Fall kraftvoll, also geeignet für seine Bilder, die das Zeug haben an- und aufzuregen. Nicht umsonst gilt Daniel Josefsohn aus Berlin, bedeutender deutscher Fotograf israelisch-jüdischer Herkunft, als ein Provokateur in der Kunstszene. Er wurde mit einer Kampagne für den Musiksender MTV in den 1990ern bekannt, arbeitete für die bekannten großen Magazine, für die Volksbühne in Berlin.

Seit seinem Schlaganfall 2012 lernt er, neu zu leben und zu arbeiten, ein Kraftakt sondergleichen. Auch das steckt im Ausstellungsmotto. Zwischen Josefsohn und Galeristin Christiane Obermann stehend, will Kuratorin Isa Maschewski mit ihrer Rede beginnen, da zündet sich die Hauptperson eine Zigarette an. „Das darf nur er hier“, sagt Obermann und teilt mit: „Was uns (sie und Mitgalerist Axel Burkhard) besonders inspiriert hat, sind die Titel der Fotos“. Die Vernissagegäste werden es vor den Bildern nachvollziehen. Maschewski lobt die schöne Auswahl aus dem eigenwilligen Werk, das sich zwischen freier Kunst und Kommerz bewege. Die Fotos, „Ergebnisse einer durchlebten Situation“, spiegelten das Schöne, das Absurde, kämen mit schwebender Ironie daher oder legten die Finger in die Wunde.

Ein Mensch hängt vor blauem Himmel über einem Mega-Mercedes-Stern. Eroberung oder Niederlage? Beides ist enthalten. Bizarr der Anblick vier nackter Schönen auf steilen Absätzen und „Star Wars“-Helmen obenauf. Richtig abgedreht wird das Riesenfoto durch den Titel: „Lieber Helmut, lieber George, ich wollte auch mal mit der Eisenbahn spielen“, womit sich Josefsohn vor Fotograf Helmut Newton und „Star Wars“-Erfinder George Lucas verbeugt. Solche Helme tragen auch zwei junge Männer in einer vollgestopften WG-Miniküche – ein tolles Motiv, seltsam und faszinierend.

Steht der Fotograf selbst mit dem gesichtslos machenden Helm der Film-Sturmtruppen an der Klagemauer Jerusalems oder in Peking mitten auf einer Straße am Platz des Himmlischen Friedens, wie jener Mann, der 1989 beim Studentenaufstand die Panzer aufhalten wollte, begreift man, wie politisch diese Inszenierungen sind. Die in Israel aufgenommene Serie „Jewing Gun“ zeigt, wie Armeeangehörige optisch ausscheren, wie sie ihren Look individualisieren.

Dem schrägen Vogel Josefsohn ist es also trotz Schalk ernst mit seinen Themen. Sein Mix von Botschaften mit dem Uneindeutigen sind Kraftpakete. Sensibel geht auch: Ein gestrauchelter Engel in schmutzig-weißem Federkleid auf schwarzem Sand fragt danach, wie es mit Himmel und Erde bestellt sein muss.

Aber er ist in seiner eigenen Ästhetik zuhause, die eigenartig genug, dem Betrachter nahe kommt, aber ihr Geheimnis zu bewahren weiß.

Die Ausstellung in der Hauptstraße 121 ist bis 20. August geöffnet und jederzeit nach Vereinbarung unter 01 75/4 10 66 06.