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Unkelbach: Ärger über Hochwasserschutzmaßnahmen in Remagen

Unkelbach : Ärger über Hochwasserschutzmaßnahmen in Remagen

Um vor Überschwemmungen bei Starkregen zu schützen, möchte die Stadt Remagen den Unkelbach teilweise anheben. Das sorgt für Ärger in der Ortsgemeinde.

In den Jahren 2010, 2013 und 2016 wurde Unkelbach von Starkregenereignissen heimgesucht. Jedes Mal trat das durch den Ort plätschernde Bächlein über die Ufer und sorgte für große Schäden. In der Folge wurde ein Hochwasserschutzkonzept erarbeitet, mit Maßnahmen, die bei künftigen Hochwasserbedrohungen greifen sollen. Nur lässt die Umsetzung vieler Maßnahmen auf sich warten.

Nun tut sich etwas am Unkelbach, aber das ist nach Meinung von Ortsbeirat und Bevölkerung völlig überzogen. Bei der jüngsten Sitzung des Remagener Stadtrats entlud sich der Frust. Unkelbachs Ortsvorsteher Egmond Eich (FBL) stellte sichtbar von Emotionen getragen bohrende Fragen zu einer anstehenden Maßnahme am Bach, Bürgermeister Björn Ingendahl reagierte nicht minder scharf und machte klar, dass er in Unkelbach „keine Fackeln und Mistgabeln“ sehen wolle, auch keine verbalen.

Auslöser sind geplante Maßnahmen am Bach in Höhe des Mühlenwegs. Dort liegt der Bach am Berghang in einem tief eingeschnittenen Bett. Der Gewässerverlauf neigt zu sich selbst verstärkender Erosion, hin zu den angrenzenden Grundstücken sind bereits kleinere Hangrutsche zu verzeichnen. „Dies wird ohne Maßnahmen zu einer Gefährdung von Grundstücken führen“, führt das Hochwasserschutzkonzept aus.

Bachsohle soll angehoben werden

In diesem Teilstück von rund 310 Metern Länge ist nun geplant, die Bachsohle anzuheben. Dadurch soll das Bachbett verbreitert und ein besserer Ablauf des Wassers gewährleistet werden. Die Massen, die hierfür bewegt werden sollen, sind dem Ortsbeirat allerdings ein Dorn im Auge. Auch habe man von der Planung erst durch die Ausschreibung in den öffentlichen Mitteilungen Ende Mai erfahren. Für den Ortsvorsteher ein Unding.

Die Ausschreibung macht das Maß der geplanten Arbeiten deutlich: Teile des Rheinhöhewegs werden demnach zur Baustraße, ein großer Lagerplatz für Material ist dort einzurichten, fünf Bäume müssen gefällt, 500 Quadratmeter Baufeldfläche von Gehölzaufwuchs freigestellt werden. Eingebracht werden sollen mehr als 1000 Tonnen Block- und Wasserbausteine. Offiziell ist die Maßnahme nun auch nicht mehr als Hochwasserschutzmaßnahme, sondern als Renaturierungsmaßnahme ausgeschrieben. So kann die Stadt Remagen Fördergelder aus der „Aktion blau“ des Landes beantragen, mit denen bis zu 90 Prozent der Kosten für die Anhebung des Bachbetts gefördert werden könnten.

Informationsveranstaltung am Montag

„Derzeit ist die Maßnahme vom Land gebilligt, die Förderung aber noch nicht bewilligt“, berichtet Bauamtsleiter Gisbert Bachem. Er wird am Montag, 29. Juni, ab 18 Uhr in der Unkelbacher Mehrzweckhalle zu den anstehenden Arbeiten informieren. Auch Bürgermeister Ingendahl wird dann erwartet. Ein Planungsbüro wird das Projekt erklären und für Fragen zur Verfügung stehen.

„Eine Informationsveranstaltung ist aber nur das, wonach es klingt: eine öffentliche Veranstaltung, in der die Bürger darüber informiert werden, was demnächst sowieso passieren wird. Das ist von echter Bürgerbeteiligung weit entfernt“, kritisiert derweil die Wählergruppe Remagen. Der Unkelbacher WGR-Vorstand Hans-Jürgen Michel unterstellt dem Bürgermeister gar, ein „seltsames Bild von den Unkelbachern zu haben“. „Anstatt uns als wilde Horde mit Fackeln und Mistgabeln darzustellen und unseren Ortsvorsteher öffentlich zu ermahnen, sollte er besser damit beginnen, die eigentlichen Probleme zu lösen.“

Ortsvorsteher Eich und der Ortsbeirat werden am Montagabend genau hinhören, was ihnen in der Mehrzweckhalle verkündet wird. Schon einen Tag später will sich der Ortsbeirat in nichtoffizieller Runde mit Fachleuten und Anwohnern des Bereichs, der zur Renaturierung ansteht, treffen, um die aktuelle Situation und mögliche eigene Maßnahmen oder Vorschläge zu besprechen.