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Kunst in Remagen: Alte Bilder in ungewohnter Umgebung

Kunst in Remagen : Alte Bilder in ungewohnter Umgebung

Wer in diesen Tagen bei der Galerie Rosemarie Bassi hereinschaut, wird zweimal hinsehen und auf Ungewohntes treffen. Die sonst mit zeitgenössischer Kunst befasste Galeristin zeigt „Bilder aus vergangenen Tagen“. Warum dieser Prinzipienbruch?

Ein Freund trug ihr ein Konvolut geerbter Bilder an. Nachdem ihr ohnehin wiederholt Menschen alte Gemälde bringen wollten, ergriff sie nun die Gelegenheit und rief dazu auf, Keller und Speicher, Schubladen und Schränke zu durchforsten, auf dass den verschollenen Schätzen die Achtung neuer Besitzer zufließe. Die Stücke sind in einer verdeckten Versteigerung zu erwerben.

Bislang war das Vorhaben erfolgreich, das heißt, von starker Resonanz gekrönt. Leute, die noch nie die Galerie betreten haben, kamen und mit ihnen viele Gemälde und Grafiken, aus denen eine Jury rund 100 auswählte. Dicht an dicht bedecken sie die Wände, zur Freude der Vernissage-Gäste und möglicher Erwerber. Die Ausstellung soll anregen, „darüber nachzudenken, was unsere Vorfahren erworben und gesammelt haben“. Bassi zitierte Hundertwasser, der sagte: „Wer die Vergangenheit nicht ehrt, verliert die Zukunft. Wer seine Wurzeln vernichtet, kann nicht wachsen.“ Um dem Nachdruck zu verleihen, gab es Applaus für die verstorbenen Maler der Ausstellung.

Blumen, darunter Rosen im Kugelglas, Gladiolen, Feldblumensträuße und ein herbstliches Trocken-Arrangement finden sich unter den vielfältigen Themen und Motive ebenso wie Portraits, darunter eine verschämte Schöne mit Flusslauf im Rücken. Großen Raum nehmen die Landschaften ein mit Wiesen-, Dorf- und Waldidyllen sowie zahlreichen reizvollen Wasserstücken. Es geht zu Seen, aufs Meer, meist aber an die Flüsse, die auch in Feinmalerei daherkommen, oft romantisch inspiriert wie bei A. Forstmanns „Magarethenhof“. Heller, frischer und freier interpretierte Haltmann sein „Oberwesel“. Manch kleines Format punktet mit Qualität, so jene meisterlich ausgeführte Winterlandschaft, die A. Thiele 1887 in Öl auf Holz malte. Das Mindestgebot fällt mit 2380 Euro üppig aus.

Soviel ist auch für eine Landschaft mit Bergen A. Metzeners angegeben. Überhaupt die Berge – eine alpin anmutende Bilderstrecke belegt die anhaltende Beliebtheit dieser heroischen Natursphäre, man denke nur an das Ende 2016 in München versteigerte Bild des Malers Alfons Walde von Luis Trenker: Der Hammer fiel bei 72 000 Euro. So hoch geht es in Remagen nicht her, wenngleich auch die Mindestgebote von 3720 Euro für ein Rüdesheim-Bild, den befahrenen Rhein zwischen Remagen und Erpel von Heinz Pützhofen Esters für 2235 Euro oder E. Delafs „Frau mit Handarbeit“ für 3570 Euro aufmerken lassen. Man darf gespannt sein, wenn am 12. Februar, 16 Uhr, in der Galerie, Marktstraße 109, als Finissage die Box mit den Geboten geöffnet wird. Bis dahin ist die Ausstellung mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.