Tierheim Remagen feiert Frühlingsfest Auch Wildschweine kommen in den Himmel

REMAGEN · Mit zahlreichen Besuchern aller Altersklassen, auf zwei oder auf vier Beinen, hat der Tierschutzverein Kreis Ahrweiler im Remagener Tierheim sein alljährliches Frühlingsfest mit Tiergottesdienst und Hundesportvorführung gefeiert. Die Besucher bekamen einen Einblick in die aufopferungsvolle Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen, die diese unter widrigen räumlichen Bedingungen leisten.

 Sogar einen kleinen Agility-Parcours gab's im Tierheim.

Sogar einen kleinen Agility-Parcours gab's im Tierheim.

Foto: Martin Gausmann

Eigentlich wollte Wilhelm Busch 1870 mit seiner Bildergeschichte "Der Antonius von Padua" eine Satire auf Klerus und Kirche schreiben, aber Pfarrerin Inge Gaebel richtete beim Tiergottesdienst den Fokus auf das Ende. Der Heilige Antonius steht gemeinsam mit seinem neusten Freunde vor der Himmelspforte: einem Wildschwein. Beiden wird schließlich der Zugang zu den Engelheeren nicht verwehrt.

"Tiere können den Himmel auf Erden bedeuten", fügte Pfarrerin Gaebel hinzu und viele der Teilnehmer schauten in diesem Moment liebevoll auf ihren vierbeinigen Freund. "Aber einige dieser Tiere sind auch schon durch die Hölle gegangen", sagte Gaebel mit Blick auf die Infoblätter zu den derzeitigen Bewohnern des Tierheims.

70 Katzen, 25 Hunde und "eine Million Kleintiere", so Claus-Peter Krah, Vorsitzender des Tierschutzvereins, haben in Remagen den Winter verbracht. Mit der Rolligkeit Ende Mai und Anfang Juni erwarten die Tierfreunde wieder eine Katzenschwemme.

Dann wird es vermutlich eng im Katzenhaus, das als Beispiel dafür dienen kann, unter welchen Bedingungen im Remagener Tierheim gearbeitet werden muss, das vertraglich alle Fundtiere des Kreises aufnehmen muss.

In dem Raum kann man kaum aufrecht stehen und in direkter Nachbarschaft tollen die Hunde im Freilauf - eine Situation, die man sich besser gelöst vorstellen kann. Irene Krah, Schatzmeisterin des Vereins, fasste es so zusammen: "Es ist ein Notbehelf - leider schon seit Jahren."

Auch der weitläufige Garten in Richtung Stadt kann nicht genutzt werden, da sonst Anzeigen wegen Ruhestörung drohen.

Das Hauptproblem des Vereins ist die geringe Zahl von nur 220 Mitgliedern. Vorsitzender Krah freut sich zwar, dass die drei Festangestellten und Auszubildenden von zahlreichen Ehrenamtlichen - darunter viele Gassigänger - unterstützt werden, aber ohne einen rapiden Zustrom von Neumitgliedern in den nächsten Jahren werde es die Arbeit der Tierfreunde bald nicht mehr geben.

Aus diesem Grund möchte der Verein sich vermehrt auf lokale Werbung im Verbund mit den Städten konzentrieren. Mit den 30 000 Euro Unterstützung vom Kreis lassen sich die 140 000 Euro Betriebskosten pro Jahr nicht bezahlen und mit Beiträgen und Spenden auch kaum noch ausgleichen. Zum Glück kann sich der Verein über gute Vermittlungszahlen freuen.

Auch Langzeitinsasse Kaja, der als hochaggressiver Rottweiler mehr als zwei Jahre im Tierheim sein Leben fristete, konnte nach einer Privatinitiative mit Unterstützung einer Hundeschule wieder vermittelt werden.

Von diesen Widrigkeiten ließen sich die Tierschützer beim Fest ihre gute Laune, unterstützt durch reichlich Sonnenschein, jedoch nicht nehmen und ließen spüren, dass sie den Herausforderungen nicht mit Resignation, sondern mit Tatendrang und Hoffnung begegnen wollen.

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