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Vortrag in der Apollinaris-Kirche: Auf den Remagener Spuren des Grafen Franz Egon

Vortrag in der Apollinaris-Kirche : Auf den Remagener Spuren des Grafen Franz Egon

Er war der erste Ehrenbürger von Köln, stand mit dem preußischen König und Queen Victoria bei der Einweihung des Beethoven-Denkmals auf dem Balkon und ließ die Remagener Apollinariskirche erbauen: Franz Egon Graf von Fürstenberg-Stammheim (1797-1859).

Aufschlussreich, doch zwangsläufig viele Fragen offen lassend, war Erhard Wackers Vortrag zum Tag des offenen Denkmals. Der Referent widmete sich einem kaum dargestellten Aspekt des Apollinarisberges, dem Leben und Wirken von Franz Egon Graf von Fürstenberg-Stammheim (1797-1859), Erbauer der Apollinariskirche.

Rund 50 Besucher lockte das Thema ins Gotteshaus, wo Wacker damit überraschte, dass Franz Egon, der aus einer ungemein vermögenden, „nach Höherem strebenden Familie“ stammte, als Privatpersönlichkeit nie Gegenstand einer größeren Abhandlung war. Deshalb stellte er den Menschen in den Mittelpunkt. Außen vor blieb die politische Betätigung des dezidierten Katholiken im protestantisch preußischen Staat, der an den Provinziallandtagen und am vereinigten Landtag teilnahm.

Nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. war er 1840 in den Grafenstand erhoben worden. Vier Jahre zuvor hatte er den Apollinarisberg erworben, auf dem sein neugotischer 1857 geweihter Kirchenbau einen baufälligen Vorgänger ersetzte. Überwiegend lebte der Graf, über dessen Jugend wenig überliefert ist, wohl auf dem Hauptsitz der Familie in Stammheim, hielten ihn nicht politische Aufgaben in Berlin.

Zu den größten rheinisch-westfälischen Grundbesitzern zählend, besaß er herrschaftliche Land- und Stadthäuser, so das Stadtpalais Bonn. Von dessen Balkon aus wohnte er 1845 mit dem preußischen König und Queen Victoria der Einweihung des Beethoven-Denkmals bei. Er besaß Rittersitze, das heißt adelige Besitzungen, verknüpft mit Rechten etwa der Titelführung oder eines Sitzes im Landtag. Außerdem hielt er Anteile an Zechen im Ruhrgebiet, war beteiligt an ungarischen Kohlegrubenbergwerken und an der Kommanditgesellschaft, welche der 1860 gegründeten Actiengesellschaft Bad Neuenahr vorausging. Aufgrund des Erbrechts „Fideikommiss“, nach dem das Vermögen unveräußert und ungeteilt an einen Alleinerben ging, während die übrigen Familienmitglieder Posten in der Kirche besetzten, blieb der Reichtum 300 Jahre lang erhalten.

Er stammte aus einer „nach Höherem strebenden Familie“

Den Großteil seines Wissens entnahm Wacker dem „Archiv Fürstenberg-Stammheim“ auf Schloss Ehreshoven. Hunderte Kisten mit Dokumenten harren noch der Auswertung. „Eine Arbeit für einen Doktoranden“, wie er befand. War Franz Egon ein Protokollant, ein Pedant? Das bejahte der Redner.

Minutiös verzeichnete er Einladungen zum Hof von Adligen, wann, wohin er reiste, was Fahrten und Speisen kosteten, wie viel Trinkgeld er gab. „Er war großzügig“, so Wacker. „Der Postillion erhielt zusätzlich den Wochenlohn eines in der Apollinariskirche arbeitenden Gesellen.“ Als zwei Arbeiter der Kirche durch eigene Schuld verunfallten, zahlte er ebenfalls weitherzig. Da spiegelt sich im Privaten, was er als vielfältig an Kunst, Religion und Naturforschung interessierter Mäzen leistete.

Er hat Kinderhospitäler gebaut, war Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, hat die Fertigstellung des Kölner Doms, die Renovierung des Altenberger Domes und die Errichtung des Bonner Beethoven-Denkmals finanziell unterstützt. Für seine Verdienste um den Dom ernannte ihn die Stadt Köln zum ersten Ehrenbürger.

In einer Akte mit 250 Bittgesuchen an den Grafen fand sich auch ein Schreiben von Hotelier Otto Caracciola, der sich kniefällig an den Adeligen wendet: „Wollten Sie, gnädigster Herr Graf, gütigst entschuldigen, wenn ich im festen Vertrauen zu Ihrer edlen Menschenfreundlichkeit es wage, mich mit einer Bitte zu nahen, welche die Existenz meiner Familie betrifft.“ Nach der Vereinigung der Düsseldorfer und Kölner Dampfschifffahrts-Gesellschaften stand auch die Fusion der Agenturen bevor, die Caracciola als Agenturbetreiber der Kölnischen Schifffahrtsgesellschaft zu seinen Gunsten unter Fürsprache des Grafen entschieden sehen wollte.

Von Problemen mit der Gesundheit, etwa „Herzbeengung“, die 1828 Dr. Winkel in einem Arztbrief attestierte, war nach der Heirat im selben Jahr mit Paula Freiin von Romberg (1805-1891) von Schloss Brünninghausen keine Rede mehr. Sechs Kinder hatten die beiden. Mehreren Briefen entnahm Wacker, dass man sich in der Familie sehr zugetan war. „Guten Morgen, Herzens bestes Fränschen!“ begann Ehefrau Paula 1838 einen Brief an ihren in Düsseldorf weilenden Mann. Sie hat ihn liebevoll umsorgt und war zugegen, als er am 20. Dezember 1859 im Hotel Disch in Köln am „Schleimfieber“ starb.