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Der Kandidat im Porträt: Björn Ingendahl will Remagener Bürgermeister werden

Der Kandidat im Porträt : Björn Ingendahl will Remagener Bürgermeister werden

Björn Ingendahl kandidiert als unabhängiger Bewerber für den Chefsessel im Rathaus. Der 37-Jährige sieht viele Probleme, die es zu lösen gilt.

„Die Stadt befindet sich in einer Art Dornröschenschlaf. Remagen muss ein wenig aufgeweckt werden.“ Das jedenfalls meint Björn Ingendahl. Er möchte quasi als „Wecker“ fungieren: Im März stellt sich der 37-jährige Ökonom der Bürgermeisterwahl in der Römerstadt. Zwar wurde der Familienvater von den Grünen nominiert – der Partei gehört er jedoch nicht an. „Ich bin unabhängig“, so der vom Niederrhein stammende Ingendahl.

Mit seiner Ehefrau Sabrina und Söhnchen Maximilian lebt der Kandidat in Oedingen. „Wir haben hier eine neue Heimat gefunden“, erklärt der Bewerber für das Bürgermeisteramt. Vom Wohnzimmer aus lässt er gerne seinen Blick über die Oedinger Felder schweifen. Man merkt schnell: Er fühlt sich wohl im Ort. „Ich bin kein Großstadtmensch“, sagt er. Dabei ist er beruflich bedingt in den Metropolen der Welt unterwegs. Gerade ist er aus dem kanadischen Montreal zurückgekehrt. Dienstreisen nach Kolumbien und Ägypten stehen bevor.

Ingendahl arbeitet im Bundesumweltministerium im Bereich der internationalen Umwelt- und Naturschutzpolitik. „Kern meiner Arbeit ist die Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in europäischen und internationalen Verhandlungen“, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler, der nach eigenem Bekunden seit seinem Wohnortwechsel nach Remagen regelmäßig am vielfältigen kulturellen Leben in den Stadtteilen teilnimmt. Ehefrau Sabrina ist in der Region fest verwurzelt. Ihre Eltern leben in Remagen, sie selbst hat lange in Oberwinter und Kripp gewohnt. Vor einem Jahr hat das Paar geheiratet, seit Sommer lebt es in einem Einfamilienhaus im Oedinger Neubaugebiet.

Viele Probleme in der Stadt

Nun will er Bürgermeister von Remagen werden. Viele Probleme gelte es in der Stadt am Rhein zu lösen. „Es muss geklärt werden, wie wir die Stadt für unsere Kinder gestalten wollen“, sagt er. Klimaschutz auf lokaler Ebene müsse zur Chefsache erklärt werden, die Innenstadt gelte es aufzuwerten, der Überalterung insbesondere in den dörflichen Ortsteilen müsse mit geeigneten Rezepten entgegen getreten werden.

Der Einzelhandel benötige stärkere Unterstützung, mit tatsächlichen oder kaschierten Leerständen von Ladenlokalen und mit Galerien lasse sich keine Wertschöpfung, keine Gewerbesteuer und keinen Kaufkraftzuwachs darstellen. „Mir sagen die Einzelhändler, dass sie nur wenig Beistand haben. Sie fühlen sich von der Stadt alleine gelassen“, unterstreicht Ingendahl. Das will er als Stadtchef abstellen.

Gut sei er auf das Bürgermeisteramt vorbereitet, ist er überzeugt. So habe er sich auch mit dem Haushalt und der hohen Verschuldung der Stadt auseinandergesetzt: „Dass keine neuen Kredite aufgenommen wurden, ist alleine dem Umstand geschuldet, dass die Steuereinnahmen sprudelten.“ Bei konjunkturellen Schwankungen oder anderen Zinssätzen werde die Stadt schnell von der Wirklichkeit wieder eingeholt.

Unverständnis über Haushaltsaufstellung

Überhaupt nicht verstehen kann Ingendahl, dass der Stadtkämmerer Jahr für Jahr bei Haushaltsaufstellung die wahren Einnahmen der Stadt klein rechnet, um dann zum Jahresende wie ein Zauberer einen Überschuss zu präsentieren. Die Ausgaben sind bekanntlich aber stets an die vom Kämmerer bewusst zu niedrig kalkulierten Einnahmen gekoppelt. Nicht nur der Umstand, dass der Stadtrat so etwas dulde, sei unverständlich. Vielmehr müsse das wirklich vorhandene Geld in die Verbesserung der Infrastruktur gesteckt werden. Und da liege vieles im Argen.

Frühzeitig habe er den Wert ehrenamtlicher Arbeit kennengelernt. 16 Jahre war er in der Kinder- und Jugendarbeit sowie im Pfarrgemeinderat der katholischen Kirchengemeinde tätig. Unter anderem als Messdiener. Mit Hilfe der Ehrenamtler und dem professionellen Know how aus dem Rathaus könne die Stadt sinnvoll weiterentwickelt werden. Dabei dürfe der Bürger nicht außen vor bleiben, ihn gelte es, frühzeitig mit einzubinden. „Kommunalpolitik findet zu viel hinter verschlossenen Türen statt“, glaubt der Kandidat. Der Bürgerentscheid werde als wichtiges Instrument der politischen Gestaltung zu wenig genutzt.

Ingendahl hofft, dass ihn viele in seinem ambitionierten Vorhaben, auf den Chefsessel des Rathauses gewählt zu werden, unterstützen. Er selbst meint: „Ich bringe alle Voraussetzungen mit.“