1. Region
  2. Ahr & Rhein
  3. Remagen

Demonstrationen: Bunter „Tag der Demokratie“ in Remagen trifft auf Gewalt gegen Polizisten

Demonstrationen : Bunter „Tag der Demokratie“ in Remagen trifft auf Gewalt gegen Polizisten

In Remagen hat das „Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie“ am „Tag der Demokratie“ friedlich gegen Rechtsextremismus demonstriert. Zu Zwischenfällen kam es, als Linksautonome versuchten, einen „Trauermarsch“ von Rechten zu stören.

Die Corona-Pandemie erlaubte zwar kein Volksfest wie in den letzten Jahren. Die Organisatoren vom „Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie“ bewiesen mit ihrem „Tag der Demokratie“ nahe der Hochschule Remagen dennoch einige Kreativität in ihrem Protest gegen die Rechtsextremen. Diese versammelten sich mit 90 Personen um die Mittagszeit zu ihrem sogenannten „Trauermarsch“ in Richtung der Kapelle der Schwarzen Madonna. Kurz vorher waren auch 400 Linke mit ihrem Protest gestartet.

Vier linke Demonstranten blockierten den Weg, indem sie sich an Stahlrohre ketteten. Insgesamt 89 Linksautonome versuchten in der Jahnstraße einen Angriff auf die Rechten, der aber von der Polizei abgewendet werden konnte. Im Verlauf der Maßnahme kam es zu massiver Gewalt gegen die Beamten, von denen zwei verletzt wurden. Die Polizei ermittelt nun gegen die Täter wegen Körperverletzung und Landfriedensbruch.

Der Tag auf der Goldenen Meile unter dem Motto „Wir für Vielfalt und Toleranz“ begann derweil mit einer Mahnwache. Weiße Banner verhüllten den Erinnerungsort. Auf einem Transparent hatten die Schüler des Nonnenwerther Gymnasiums Handabdrücke hinterlassen. Gottesdienst und Infomeile fielen in diesem Jahr aus, genauso wie das Musikfest auf dem Marktplatz. Die Grußworte wurden auf großen Leinwänden übertragen.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer betonte, dass es schade sei, „dass wir uns heute nicht treffen können.“ Sie dankte den Initiatoren und unterstrich: „In Rheinland-Pfalz ist kein Platz für Rechtsextreme.“ Landrat Jürgen Pföhler stimmten die Entwicklungen der letzten Monate nachdenklich: „Rechtsextremismus ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen.“ Umso stärker sei es nun für die Demokratie einzustehen: „Wir sind die Anderen!“

Bürgermeister Björn Ingendahl bezog sich in seinem Grußwort auf die Lügen, welche Rechte im Netz verbreiten. Es sei an der Zeit, „für Gerechtigkeit, Demokratie und die Wahrheit auf die Straße“ zu gehen. Dietmar Muscheid, Vorsitzender des DGB-Bezirks Rheinland-Pfalz/Saarland, sprach den Organisatoren „Respekt und Anerkennung“ aus. „Wir müssen deutlich machen: wir sind eine wehrhafte Demokratie“, schrieb er den Zuhörern ins Stammbuch. Klare Worte fand auch Kristian Bosselmann-Cyran, Präsident der Hochschule Koblenz. Er wünsche sich „ein Fest der Demokratie ohne diese unsäglichen Aufmärsche“.

Im Anschluss folgte eine gemeinsame Menschenkette. „Wir wollen eine symbolische Mauer, eine Mauer der Opposition errichten“, erklärte Karin Keelan, Sprecherin des gastgebenden Bündnisses. Entweder anhand mitgebrachter Transparente oder durch eigens genähte weiße Bänder, konnten die Teilnehmer den gebührenden Abstand einhalten.

Die Besucher reihten sich schließlich bis zum Sportplatz hintereinander. Einige hatten sich in Europaflaggen gehüllt, wieder andere trugen grüne Zylinder, auf denen „Stop Nazis“ geschrieben stand. Abschließend rollte eine Laola-Welle einmal durch die Kette hindurch. Bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen nahmen nach Polizei-Angaben 250 Personen am „Tag der Demokratie“ teil.

Mit Eintreffen des linksautonomen Protestzugs erklärte Keelan den gemäßigten „Tag der Demokratie“ für beendet. Die Linken empfingen die Rechtsextremen mit Sprechchören und lauter Musik. In Höhe des Parkplatzes der Hochschule kam der „Trauermarsch“ zum Stoppen und nach Ansprachen zogen die Rechten wieder die Joseph-Rovan-Allee zurück. Die Linken verließen das Gelände über die Goethe-Straße. Ein Aufeinandertreffen von Linken und Rechten in den abfahrenden Zügen wurde mit verstärkter Präsenz der Bundespolizei unterbunden.