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Straßenfotografie von Nicola Solodas: Draufhalten, festhalten

Straßenfotografie von Nicola Solodas : Draufhalten, festhalten

Nicola Solodas fotografiert und zurzeit eine Ausstellung in der Remagener Galerie Modern Art Showroom.

An drei Orten, vom Bonner Weihnachtsmarkt über den Gardasee bis nach Berlin, hat Nicola Solodas diese Motive festgehalten. Mit anderen Fotos sind sie gerade in die Remagener Galerie Modern Art Showroom, M.A.SH., eingezogen.

Solodas zeigt unter dem Titel „In Front of“, Straßenfotografie, im englischen Fachjargon „Street Photography“. Die auch in der Portraitfotografie bewanderte Bonner Fotografin und Malerin geht am liebsten auf die Straße oder in Kaufhäuser, um die Kamera auf das zu halten, was ihr auffällt, oft unter sozialen Fragestellungen. „Es muss nicht immer das Besondere sein.“ Durchschnittsimpressionen interessieren ebenso, „Eindrücke, die den Zeitgeist spiegeln“, wie die Farb-Serie „Ein Haus, ein Auto“, die genau diese Situation in Bonn aufspürte.

Das können auch, wie acht mit offener Blende gemachte Farbbilder erkennen lassen, Menschen auf der Rolltreppe sein, eine vermutete Mutter mit Tochter im Gleichschritt beim Shopping, eine Frau, die über den Zebrastreifen geht. Nicht zufällig sieht man von ihr und den Rolltreppennutzern nur die Beine und blickt auf den Rücken des Shopping-Duos.

Die „Handy-Familie“ erscheint unscharf, das witzige rätselhafte „Einbein“ auf dem schick gemusterten Boden ebenso. Solodas setzt diese Mittel für ihre künstlerischen Ziele ein, Reduktion etwa oder eine malerische Ästhetik. Zugleich ist der so gesteuerte anonymisierte Zugriff aufs Motiv einem Gesetz geschuldet, das in Deutschland verbietet, Unbekannte zu fotografieren, ohne dass sie einwilligen. Fotos für Kunst und Journalismus bilden eine Ausnahme, doch bleibt die spontane Bilderausbeute im öffentlichen Raum heikel.

Die Ausstellerin bedauert dies als Verlust einer fotografischen Zeitdokumentation und künstlerischen Freiheit. „Ich verstehe mich eigentlich als Vertreter der richtigen Fotografie, der klaren Bildsprache“, bekennt sie und freut sich über Länder, „in denen Fotografieren auf der Straße noch Spaß macht“. In Schwarz-Weiß erzählen davon Aufnahmen aus Polen, wo ein Mädchen am Fenster düster ins helle Draußen schaut und Solodas Ausflügler beobachtete, die ihrerseits fotografierten. Authentische Bilder entstanden, ohne Bewertung, mit Spielraum zum Interpretieren. „Das ist Fotografie für mich: Dinge festhalten.“

Die Künstlerin ist im M.A.SH., Kirchstraße 25, zu den Öffnungszeiten anwesend: bis 25. Februar dienstags, mittwochs, donnerstags und samstags, 15.30 bis 18.30 Uhr.