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Gymnasium in Remagen: Entsteht auf der Insel Nonnenwerth die Schule der Zukunft?

Gymnasium in Remagen : Entsteht auf der Insel Nonnenwerth die Schule der Zukunft?

Peter Soliman gehört seit August das Privatgymnasium auf der Rheininsel. Bei der Profilierung der Schule setzt er auf Mint-Fächer und Marketing. Und das ist nicht der einzige Plan.

Jetzt im Winter ist ihre Krone kahl. Einen imposanten Eindruck macht die Platane dennoch allein wegen ihrer Größe. Schließlich hat sie genug Zeit zum Wachsen gehabt, seit der Komponist Franz Liszt sie an seinem 30. Geburtstag pflanzte. Vor etwa 180 Jahren war das. Genauso eindrucksvoll wie das Alter des Baums ist der Ort, an dem er steht: vor dem großen weißen Gebäude auf der sich über die Remagener Ortsbezirke Rolandswerth und Oberwinter erstreckenden Rheininsel Nonnenwerth. Zunächst Zuhause eines Benediktinerklosters, wurde es im Zuge der Säkularisierung ab dem frühen 19. Jahrhundert als Gasthof genutzt. Mitte des Jahrhunderts wurde daraus wieder ein Kloster, diesmal eines der Franziskanerinnen. Und eine Schule.

Gegründet wurde sie als Internat für Mädchen. Heute ist das private Franziskus Gymnasium Nonnenwerth kein Internat mehr und auch keinem Geschlecht mehr vorbehalten. Neun Franziskanerinnen leben zwar noch auf Nonnenwerth, doch Insel und Schule haben sie verkauft. Seit August 2020 heißt der Insel-Eigentümer Peter Soliman. Er ist auch geschäftsführender Gesellschafter der internationalen Schule ISR Neuss, die die Anteile an der Nonnenwerther Schul-GmbH übernommen hat. „Ich gucke mit zufriedenem Blick auf das vergangene Jahr zurück“, bilanziert Soliman beim Besuch des General-Anzeigers auf der Insel. Für die Überfahrt vom Festland kommt die schuleigene Fähre zum Einsatz, auf der das Platzangebot in diesen Tagen komfortabel ist. Denn pandemiebedingt nehmen fast alle Schüler vom heimischen Computer am Unterricht teilt. Die Corona-Pandemie mit all ihren negativen Auswirkungen, sagt Soliman, habe in einer Hinsicht tatsächlich auch etwas Positives bewirkt: Sie sei für den Neuanfang ein Beschleuniger gewesen. Die Schule stehe heute an einem „sehr guten Punkt“.

Eigentümer Peter Soliman ist auf Nonnenwerth allgegenwärtig

Um seine Person will Soliman in der Öffentlichkeit zwar kein großes Aufhebens machen, doch auf Nonnenwerth ist er nun allgegenwärtig. „Ich glaube, ich bin ein sehr präsenter Partner. Das hat positive und negative Aspekte“, sagt er. Viel präsenter als ein Orden oder eine Kirche könne er sein. Diese Präsenz sei manchmal anstrengend – aber am Ende des Tages positiv für die Qualität der Schule, ist er überzeugt.

Erfreut zeigt Soliman sich darüber, dass während dem wegen der Pandemie notwendigen Distanzunterricht noch keine Schulstunde ausgefallen sei. Gerade sei man dabei, die digitale Infrastruktur auszubauen. Ein großer Schritt war in diesem Zusammenhang im Herbst der Breitband-Anschluss an das Internet, für den eigens ein Kabel unter dem Rhein verlegt wurde. Ferner treiben Mitarbeiter von der ISR die Digitalisierung auf Nonnenwerth voran. Dass die Ausstattung an der Privatschule besser ist als anderswo, ist nicht zuletzt eine Frage des Geldes. Beispiel: ein Computer-Raum, in dem teure Mac-Rechner von Apple stehen.

In den Klassenräumen will Soliman die Unterrichtsqualität verbessern, zum Beispiel indem Lehrer mehr Rückmeldungen zu ihrer Arbeit bekommen, etwa durch Kollegen, die bei einer Schulstunde hospitieren oder Umfragen bei Schülern. Diese hätten ein „gutes Gefühl dafür, was gute Qualität ist.“ Zudem könne die Schule ihr Profil im Bereich Mint (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) noch weiter schärfen. Den Bereich hat die Schule sich auf die Fahnen geschrieben.

Die Insel Nonnenwerth aus der Luft. Foto: Martin Gausmann

Lehrerschaft und Verwaltung will Soliman an der Schule strikt voneinander trennen. „Man braucht eine echte separate Verwaltung“, betont er. An den meisten Schulen sei es so, dass ein Lehrer nebenbei IT macht. „Das geht nicht.“ Auch eine Angestellte, die für Marketing zuständig ist, gibt es nun auf Nonnenwerth. Nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“, wie Soliman sagt. 

Sein Engagement ist für ihn die Realisierung einer Vision, wie Schulen in Zukunft sein werden. Es bilde sich ein Segment von in der Regel privaten Schulen, die mehr anbieten als die Masse. „Diese Trennung wird zunehmend passieren in den nächsten 20 Jahren“, ist er überzeugt.

 Das FGN, das derzeit 570 Schüler verzeichnet, wird im nächsten Schuljahr vierzügig. Auf Nonnenwerth, so Soliman, gebe es in dem 21 000 Quadratmeter großen Gebäude noch jede Menge Platz: „Wir schöpfen heute bestenfalls 60 Prozent des Gebäudes aus“, sagt Soliman. Dementsprechend sei, zu wachsen „sehr wohl“ ein Ziel, allerdings behutsam, denn die persönliche Betreuung müsse gewährleistet bleiben.

In Zukunft könnte das FGN mehr und mehr von der Schwesterschule aus Neuss profitieren. Etwa, was das Thema Berufsberatung angeht. So gibt es an der ISR etwa eigens Mitarbeiter für den Bereich Berufsberatung. Am FGN gab es nun schon zum wiederholten Mal Beratung durch ein externes Institut. Pandemiebedingt fand sie kürzlich zum ersten Mal online statt. Auch gemeinsamen Englischunterricht gab es bereits, wenn auch pandemiebedingt ebenfalls virtuell.

Führungskräfte des Franziskus Gymnasiums Nonnenwerth und der ISR Neuss tauschen sich aus

Schulleiterin Andrea Monreal würde sich wohl freuen, wenn der Kontakt nach Neus weiter ausgebaut wird. Corona habe bisher „ein bisschen einen Strich durch die Rechnung beim gegenseitigen Kennenlernen gemacht“. Die Führungskräfte beider Schulen tauschten sich aber trotzdem oft miteinander aus.

Mit Blick auf Soliman als neuen Eigentümer des FGN sagt sie: „Ich bin ganz ehrlich, wir beide mussten auch miteinander warm werden.“ Sie und Soliman diskutierten weiter sehr viel, um die besten Lösungen für die Schulen zu finden. Über Ziele seien sie sich dabei einig. „Aber für den Weg, wie man das macht, gibt es schon öfters eine unterschiedliche Herangehensweise. Da kommt er aus dem Wirtschaftsbereich, hat da andere Führungsmechanismen als ich als Pädagoge“, erläutert Monreal. Beide könnten aber voneinander lernen, auch wenn es natürlich Reibungen gebe.

Die Schulen in Remagen und Neuss unterscheiden sich

Grund dafür, das wird im Gespräch mit Soliman und Monreal deutlich, sind unter anderem die verschiedenen Schulformen, um die es sich bei FGN und ISR handelt. Denn als Ersatzschule ist das FGN stärker an staatliche Vorschriften gebunden als die ISR, bei der es sich um eine Ergänzungsschule handelt, die die Schüle auch nicht mit dem Abitur, sondern zum Beispiel mit einem International Baccalaureate abschließen, das in Deutschland dann auch zum Studium berechtigt.

Unterschiede fallen laut Monreal etwa beim Einstellen von Personal auf. „Ich kann den Lehrer nicht einfach nur deshalb einstellen, weil mich die Persönlichkeit und sein Lernkonzept überzeugt. Ich muss auch überprüfen, ob seine Zeugnisse so sind, dass ich eine sogenannte Beschäftigungsgenehmigung bekomme“, erklärt sie. Die ISR sei da natürlich flexibler.

Soliman gibt zu bedenken, dass das, was im Klassenzimmer passiert, weitgehend identisch sei. Doch aufgrund der unterschiedlichen Einbettung in das Schulsystem blieben natürlich weiter Unterschiede bestehen zwischen FGN und ISR bestehen. Und das sei auch kein Problem.