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Flutkatastrophe: Ahrtalbahn zwischen Remagen und Ahrweiler fällt wieder aus

Zwischen Remagen und Ahrweiler : Viele Ausfälle auf der Strecke der wiedereröffneten Ahrtalbahn

Nachdem die Ahrtalbahn vier Monate nach der Flut am Montag endlich wieder in Betrieb genommen wurde, fällt sie auf dem Streckenabschnitt zwischen Remagen und Ahrweiler auch schon wieder aus – zumindest teilweise. Ein Ersatzverkehr ist eingerichtet.

Vor drei Tagen erst, am Montag, feierten unter anderem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und der für Infrastruktur zuständige Bahnvorstand Ronald Pofalla die Wiedereröffnung des ersten Teilabschnittes der Ahrtalbahn, vier Monate nach der Flutkatastrophe. Doch die Freude währte nicht lange: Schon am Dienstag rollte die Ahrtalbahn wieder nicht mehr auf dem Teilabschnitt zwischen Remagen und Ahrweiler – zumindest teilweise.

Ein Test vor Ort am späten Mittwochvormittag bestätigt, was auch die App der Deutschen Bahn anzeigt: Etwa jede zweite Verbindung fällt auf der Strecke Remagen-Ahrweiler ersatzlos aus. Die Regionalbahn 30 um 11.11 Uhr ab Remagen verlässt zwar pünktlich den Bahnhof. Doch schon auf der Gegenstrecke gibt es Probleme: Die Rückfahrt ab Bad Bodendorf um 11.36 ist nicht möglich, weil die Verbindung ersatzlos gestrichen wurde. GA-Leser Jens Rausch berichtet zudem über chaotische Zustände und Zugausfälle am Morgen in Ahrweiler. „Geschätzt mehr als die Hälfte aller Fahrten fällt aus und die übrigen sind völlig unzuverlässig und außerhalb des Fahrplans. Die Benutzung der Strecke ist derzeit faktisch nicht möglich. Es werden Züge angekündigt, die dann einfach nicht fahren, und das Fahrpersonal vor Ort ist entweder unkommunikativ oder uninformiert“, so Rausch weiter.

Der Blick in die App verrät, dass etwa jede zweite Verbindung betroffen ist. Die Züge, die planmäßig jeweils um vier Minuten nach der vollen Stunde ab Remagen fahren (RB 39) und ab Ahrweiler jeweils um 24 Minuten nach der vollen Stunde (RB 30), sind fast für den ganzen Tag gestrichen. Pendlern, Schülern und Reisenden bleibt damit nur noch eine Verbindung in der Stunde und der Schienen-Ersatzverkehr.

Die Bahn schreibt in der DB-App dazu: „Eine Reparatur an der Strecke beeinträchtige den Zugverkehr zwischen Remagen und Ahrweiler. Die Züge fallen leider im Stundentakt aus.“ Auf einem Teilstück von zwei Kilometern, östlich vor Heimersheim, sei die Strecke nur auf einem Gleis befahrbar, sagt ein Mitarbeiter der Bahn, der nicht namentlich genannt werden will. Dieses Stück macht er für das Chaos und die vielen Verspätungen verantwortlich.

Auf Anfrage des GA teilt eine Bahnsprecherin mit: „Die Züge zwischen Remagen und Ahrweiler fahren. Es kommt jedoch derzeit noch zu einigen Anlaufschwierigkeiten. Wir bedauern dies sehr und arbeiten mit Hochdruck daran, für unsere Kundinnen und Kunden eine gute Lösung zu finden. Derzeit können wir die Ahrtalbahn nur eingleisig statt wie vor der Flut zweigleisig befahren. Wir müssen daher jede Zugfahrt einzeln disponieren, was zusätzlich Zeit kostet. Auch bei der Technik ruckelt es noch etwas – zum Beispiel bei einigen Bahnübergängen.“

 Auch Peter Hudec aus Bonn, ein studierter Eisenbahn-Ingenieur, sieht das Problem des einspurigen Betriebs, beurteilt die Gesamtlage jedoch anders: „Dass die Strecke bisher zweigleisig war und jetzt nur ein Gleis auf der Strecke Remagen – Bad Neuenahr in Betrieb ist, gilt auf einer Länge von nicht nur zwei, sondern zehn Kilometern.“ Ein weiteres Problem sei, so Hudec weiter, „dass das Stellwerk dafür nicht vorgesehen ist.“ Die Richtung Remagen könne deshalb derzeit nur mit zeitaufwändigen Hilfshandlungen wie der Ausstellung sogenannter schriftlicher Befehle über Zugfunk befahren werden. Sie sollen die technische Sicherung ersetzen, die auf dieser Strecke für die Fahrtrichtung nach Remagen fehlt. Das liege daran, dass vorher alle Züge in dieser Richtung auf dem südlichen Gleis fuhren – das Gleis, welches nun für längere Zeit nicht mehr zur Verfügung steht. Sein Fazit: „Es wird auf absehbare Zeit auf dieser Strecke nur eine Verbindung im Stundentakt geben. Der versprochene Halbstundentakt konnte von vornherein nicht funktionieren.“

Die meisten Menschen scheinen sich vorab über ihre Verbindungen zu informieren, denn eine große Menge wartender Reisender ist am Bahnhof in Remagen nicht zu finden. Im Zug RB 30 um 11.11 Uhr sitzt ein Paar aus Oberwinter, das zum Wandern an die Ahr fährt. Die Dame ist froh darüber, dass sie überhaupt wieder mit dem Zug nach Ahrweiler fahren kann. Was sie verwundert, ist die fehlende Kommunikation der Bahn. Der Zug, in dem sie sitzt, wird nicht an der Anzeigentafel angezeigt, und auch Informationen zum Schienenersatzverkehr habe sie am Bahnhof nicht finden können. Für Pendler und Schüler, die in den letzten Monaten von den eingesetzten Bussen abhängig gewesen waren, sind die Informationen zu Abfahrtsorten und -zeiten vielleicht bekannt, doch vor Ort sind weder am Bahnhof in Remagen noch in Bad Bodendorf ausreichend Hinweise zu finden.

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(ga)