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Friedenskirche Remagen: Bald 150 Jahre alt - bewegte Geschichte

Bald 150 Jahre alt : Die Friedenskirche in Remagen hat eine bewegte Geschichte

Die Evangelische Gemeinde bereitet trotz Corona eine Feier zum 150-jährigen Bestehen des Gotteshauses vor. Die protestantische Tradition reicht mehrere Jahrhunderte zurück.

150 Jahre Friedenskirche Remagen feiert der evangelische Bezirk Remagen und Kripp der Kirchengemeinde Remagen-Sinzig. Corona bremst, aber ein Arbeitskreis bereitet den Geburtstag vor. „Geplant ist ein Gemeindefest am 4. Juli, beginnend mit einem Festgottesdienst in der Friedenskirche“, berichtet Pfarrerin Elisabeth Reuter. Festprediger werde der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius, sein.

Große Freude erfüllte die Gläubigen, als am 18. Juli 1871 der Grundstein gelegt und am 18. Juni 1872 ihre Kirche geweiht wurde. Den neugotischen hellgelben Backsteinbau entwarf Architekt Hermann Cuno.

Heute fragt Pfarrerin Reuter angesichts von Kirchenaustritten und Nachwuchssorgen: „Wie lange werden wir uns als Kirche noch halten können?“ Die Schar der Gläubigen existiert bereits viel länger als die Friedenskirche. In Oberwinter entstand 1565 eine protestantische Gemeinde, eine der ältesten am Rhein. 20 Jahre danach sind auch Protestanten in Remagen belegt – erst bedrängt, 1609 durch den Amtmann von Merode gefördert, wieder bedrängt, dann geduldet.

Erst 1869 einigten sich die Vertreter der Stadt in Remagen und Sinzig mit denen der evangelischen Kirchengemeinden, eine neue Kirche zu bauen. Die von Klaus Flink 1972 veröffentlichte „Chronik der Stadt Remagen 1813 – 1879“ verlautet: „Sonntag, den 18. Juni 1871, nachmittags sechs Uhr, am Tage des angeordneten allgemeinen Friedens- und Dankfestes für den glorreich beendigten Krieg gegen Frankreich, wurde dahier oberhalb der Stadt neben der Straße auf den von der Lehrerwitwe Hauprich und von dem Metzger Wilhelm Faßbender jun. von hier käuflich erworbenen Gartenparzellen der Grundstein zu der evangelischen Kirche für die hiesige Pfarrgemeinde in feierlicher Weise gelegt.“ Die Wortwahl „glorreich beendigten Krieg“ legt nahe, dass die Benennung Friedenskirche von der Genugtuung zeittypischer Siegerstimmung grundiert war. Der Norddeutsche-Bund hatte unter Führung Preußens gerade den Krieg gegen Frankreich gewonnen, in dessen Folge das Deutsche Kaiserreich gegründet wurde.

Der Name Friedenskirche wurde „zum Programm“, betont Pfarrerin Reuter. Von „einer Verpflichtung der Kirche „wirklich den Frieden zu erhalten“, spricht auch Amtsvorgänger Pfarrer Udo Grub. Ehefrau Elke, die viel in der Gemeinde mitbewegt hat, ergänzt: „Das heißt, die damals Besiegten, die Franzosen, einzubeziehen“.

Intensiver Austausch mit Frankreich

So wurde, angelehnt an die seit 1981 bestehende Städtepartnerschaft Remagen-Maisons-Laffitte, auch eine Partnerschaft zwischen der deutschen und der französischen Evangelischen Gemeinde mit Gottesdiensten und Jugendfreizeiten initiiert. „Auch das Thema Ökumene ist ganz wichtig im Zusammenhang mit der Friedenskirche“, so Udo Grub. Er erinnert an konfessionelle Ökumene in Taufgottesdiensten mit dem katholischen Pfarrer Klaus Birtel und an „eine kleine Ökumene“ mit Pfarrer Hans-Werner Schlenzig von den Altkatholiken in Kripp.

2004 unterzeichneten die Evangelische Kirchengemeinde und die Katholischen Pfarrgemeinden Remagen und Kripp eine Ökumenische Partnerschaftsvereinbarung. 2011 vollzogen dies die katholischen Pfarreien Sinzig, Bad Bodendorf und Franken und die evangelische Kirchengemeinde Sinzig. Heute bereitet ein Arbeitskreis die Ökumene-Aktivitäten vor, darunter das monatliche Friedensgebet.

Frieden ohne Gerechtigkeit? Gibt es nicht, befand ein anderer Arbeitskreis. Vor 40 Jahren initiierte er mit der evangelischen Gemeinde als Plattform den Weltladen Remagen-Sinzig, damals, „Dritte-Welt-Laden“, mit Sitz im Evangelischen Gemeindehaus Remagen.

Pfarrerin freut sich auf gemeinsames Abendmahl mit der Gemeinde

2020 war aufgrund der Corona-Pandemie ein Jahr ohne Gottesdienste an Ostern und Heiligabend: Das war „ausgesprochen bitter“, sagt Pfarrerin Reuter, die wegen Corona viel Telefon-Seelsorge betreibt. Dennoch sei die Gemeinde präsent gewesen, blickt Reuter zurück.

150 Jahre Friedenskirche sind bedeutsam betont Reuter: „Wir brauchen die Kirche und den Gottesdienst zur Vergewisserung unserer christlichen Identität und Berufung. Und als den Ort, an dem Gemeinschaft erfahrbar und erlebbar wird unter dem Zeichen des gekreuzigten und auferstandenen Christus.“ Sie freue sich schon auf den Tag, so die Pastorin, „an dem wir wieder unbeschwert miteinander Gottesdienst feiern dürfen. Wo wir wieder singen dürfen, wo wir wieder Abendmahl miteinander feiern dürfen und uns rund um den Altar an den Händen fassen dürfen“.