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Hotel „Zur Waldburg“ in Remagen: "Lost Place" seit 50 Jahren geschlossen

Lost Place bei Remagen : Hotel „Zur Waldburg“ seit 50 Jahren geschlossen

Vor 50 Jahren wurde auf dem Remagener Victoriaberg das Hotel „Zur Waldburg“ geschlossen. Das Ausflugslokal war weit über Remagen und die Region hinaus bekannt. Heute ist es nur noch eine Ruine im Wald.

Ein Jubiläum der eher traurigen Art gibt es in Remagen. Im Jahr 1970, vor 50 Jahren also, wurde auf dem Victoriaberg das Hotel-Restaurant „Zur Waldburg“ geschlossen. Seitdem holt sich die Natur Jahr für Jahr ein Stück mehr von dem fast einen Hektar großen Anwesen zurück – ein sogenannter Lost Place, ein vergessener, verlorener Platz.

Ältere Remagener erinnern sich mit Wehmut daran, wie sie einst mit Geschwistern, Eltern, Großeltern auf der großen Restaurant-Terrasse im Schatten mächtiger Kastanienbäume saßen, Limo tranken, Kuchen aßen und den Blick über Apollinariskirche und Rhein auf das Siebengebirge mit dem Drachenfels genossen. Seine Existenz hatte das einst weit über Remagen und die Region hinaus bekannte Ausflugslokal der Rheinromantik zu verdanken, die einen Rheintourismus in Gang brachte, der dank Dampfschifffahrt und Eisenbahn-Anbindung rasch beachtliche Ausmaße annahm.

Remagener gründen „Localverschönerungsverein“

Auch die Remagener wollte von diesen Gästeströmen profitieren. Weshalb sie am 20. März 1867 einen „Localverschönerungsverein“ gründeten, der Grundstücke ankaufte, Wege baute, Ruhebänke aufstellte und Aussichtspunkte mit Blick ins romantische Rheintal zugänglich machte. Im Jahr 1898 begann der Verein damit, nach Plänen des Kölner Architekten Eberlein ein Hotel- und Restaurantgebäude zu errichten. 28 335 Reichsmark investierte er in dieses Projekt.

So konnte die Witwe Fletscher am 6. Januar 1900 die „Waldburg“ eröffnen. Während der NS-Diktatur verkaufte der Verschönerungsverein die Immobilie für 37 500 Reichsmark an Anni und Wilhelm Pilger. Und bald nach dem Krieg schnauften wieder mit Ausflüglern beladene Buskonvois zur Waldburg hinauf. Der Erfolg der Inhaber rief aber auch Neider auf den Plan, die sich insbesondere über die große Halle aufregten. Weshalb sie zu Anfang der 1960er Jahre abgebaut, für 20 000 D-Mark nach Niederbreisig verkauft und dort wieder aufgebaut wurde. Bis zum heutigen Tag firmiert sie dort als „Jahnhalle“.

Hotel schließt 1970

Als Waltraud und Majo Schumacher, Tochter und Schwiegersohn der Familie Pilger, die Waldburg übernahmen, hatten sich auch die letzten Reste der Rheinromantik verschlissen. Autos und Flugreisen waren nun auch für Normalverdiener erschwinglich, die jetzt, vom Fernweh infiziert, nicht mehr an den Mittelrhein fuhren, sondern an die Riviera oder gar nach Mallorca flogen. Die unrentabel gewordene Waldburg ist deshalb im Jahr 1970 geschlossen worden.

1994 wollte der Düsseldorfer Arzt Volker Hömberg zusammen mit einer Investorengruppe 30 Millionen Mark investieren, um die Waldburg in eine Neurodermitis-Klinik zu verwandeln.

Wegen der damaligen Gesundheitsreform wurde aus diesem Vorhaben jedoch nichts. Ende 2012 bot ein Bonner Immobilienmakler die Waldburg für 1,38 Millionen Euro zum Kauf an. Nach ein paar Monaten verschwand das Kaufangebot wieder von der Website des Maklers. Von einem Eigentümerwechsel wurde nichts bekannt.

Trotzdem lebt die Waldburg dank des Internets ein Stück weit fort: Videos und Fotos von der Ruine gibt es dort, angefertigt von jungen Männern, die sich leichtsinniger- und verbotenerweise in die einsturzgefährdete Ruine wagten. Und im AW-Wiki, der Regionalenzyklopädie für den Kreis Ahrweiler, ist über die Jahre eine Dokumentation zur Waldburg und ihrer Geschichte herangewachsen.