Schauspieler im Gespräch Kölner Tatort-Kommissar Dietmar Bär liest in Remagen für guten Zweck

Interview | Remagen · Der Kölner Tatort-Star Dietmar Bär liest am Freitag in Remagen aus „Knastkinder“ von Rüdiger Bertram. Der Erlös kommt Menschen auf den Philippinen zugute, für die sich ein von Bär mitgegründeter Verein einsetzt. Wie genau das aussieht und was Mangobäume damit zu tun haben, verrät Bär im Interview.

 Der aus dem Kölner Tatort bekannte Schauspieler Dietmar Bär bei einem Besuch im Preda-Kinderschutzzentrum im Jahr 2019.

Der aus dem Kölner Tatort bekannte Schauspieler Dietmar Bär bei einem Besuch im Preda-Kinderschutzzentrum im Jahr 2019.

Foto: Tatort - Straßen der Welt e.V.

„Knastkinder“ heißt der Roman, aus dem der als Kölner Tatort-Kommissar bekannte Schauspieler Dietmar Bär am Freitag, 12. April, bei einem Benefizabend in Remagen liest. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Rheinhalle. Geschrieben hat das Buch, in dem es um einen Jungen geht, der im Urlaub auf den Philippinen unverschuldet ins Gefängnis gerät, der Autor Rüdiger Bertram. Dietmar Bär hat gemeinsam mit Kollegen nach einem Dreh in der Hauptstadt Manila im Jahr 1997 den Verein „Tatort – Straßen der Welt“ gegründet. Dieser setzt sich unter anderem für Kinder und Jugendliche in dem südostasiatischen Land ein und unterstützt sie, die oft viel zu jung und wegen Bagatelldelikten Gefängnisstrafen verbüßen, mit der Kinderrechtsstiftung Preda dabei freizukommen. Wie das Engagement des Vereins konkret aussieht und was Mangobäume damit zu tun haben, erzählt Bär im Interview mit GA-Redakteur Sven Westbrock. Zudem spricht der Schauspieler über die Bekanntheit, die ihm seine Paraderolle als Freddy Schenk im Tatort eingebracht hat, über einen Besuch im Ahrtal nach der Flut – und verrät, warum er und seine Frau „komplette Kölner“ geworden sind.

Herr Bär, in Remagen lesen Sie aus einem Roman. „Knastkinder“ heißt er und wurde 2009 von Rüdiger Bertram veröffentlicht. Erzählt wird eine sehr ernste Geschichte. Ein Kind gerät ins Gefängnis. Und zwar nicht irgendwo auf der Welt, sondern auf den Philippinen. Warum haben Sie ausgerechnet dieses Buch dabei?

Dietmar Bär: Weil es eine tolle Idee war von Ulrike Thonemann, der neuen Geschäftsführerin in unserem Verein „Tatort - Straßen der Welt“. In Remagen geht es auch darum, dass wir den Verein vorstellen. Und bei dieser Benefizveranstaltung passt das am besten dazu. Denn mit unseren Dreharbeiten 1997 zum Tatort Manila, in dem es um Sextourismus und Kindesmissbrauch geht, bildete sich die Urzelle für unseren Tatortverein. Da sind wir auf die Idee gekommen, einen Verein zu gründen, um die Straßenkinder, die durch die von Pater Shay Cullen gegründete Kinderschutzorganisation Preda betreut werden, zu unterstützen. 2005 haben wir das „Knastkinder“-Projekt begleitet, wo Cullen feststellte, dass in den Gefängnissen in und um Manila Kinder weit unter der Strafmündigkeitsgrenze einsaßen, für Bagatellen weggesperrt wurden. Das hat Rüdiger Bertram mit angeregt, sein Buch zu schreiben.

Wie muss man sich die Situation für die Kinder in einem philippinischen Gefängnis vorstellen?

Bär: Klaus J. Behrendt hat immer von Hühnerkäfig gesprochen. Es ist schwül und heiß. Die Knäste sehen genauso aus, wie es auch in den Slums aussieht. Dazu kommt, dass diese Jugendlichen und Kinder mitten unter ganz normalen Kriminellen, die es natürlich leider auch in diesem Land gibt, zusammengepfercht hocken. Sie haben manchmal Sammelräume, wo man in Schichten geschlafen hat. Von Privatsphäre kann da keine Rede sein. Auch wurde viel von Übergriffen gemunkelt.

Waren sie in der Zwischenzeit noch mal auf den Philippinen?

Bär: Wir sind in unregelmäßigen Abständen noch mal vor Ort gewesen. Unsere Mitarbeiter, die den Tatortverein im Alltag am Leben erhalten, die waren öfter da als Klaus J. Behrendt, Joe Bausch und ich.

Ihr neuestes Projekt auf den Philippinen heißt „Mango Tango“. Was hat es damit auf sich?

Bär: Dabei können Sie Mango-Setzlinge stiften, die dann dort gepflanzt werden und für neue Lebensperspektiven sorgen. Es gibt den indigenen Stamm der Aetas. Die Menschen leben in Bergregionen der Philippinen und haben dort viel mit der Anpflanzung von Mangobäumen zu tun. Unsere Partner von Preda kümmern sich darum, dass sie faire Preise für ihre Mangos bekommen und somit in ihrer Heimat bleiben. Denn viele geben sonst auf und gehen mit ihrer Familie in die Stadt, wo für viele ein Teufelskreis beginnt. Sie glauben, dass es ihnen in Manila besser geht, manche kommen aber nicht weiter, als ihre Kinder zu verkaufen oder preiszugeben.

Mango-Produkte werden auch im Weltladen Remagen-Sinzig angeboten, der die Lesung mitorganisiert. Spielen fair gehandelte Lebensmittel in Ihrem Alltag eine Rolle?

Bär: Absolut. Das ist auch ein Teil unserer Aktivitäten geworden, was den Tatortverein anbelangt. Wir haben die Kampagne „Jecke Fairsuchung“ angetrieben. Ich war bei einer Karnevalsvorbereitungsveranstaltung in Mohnheim. Die kaufen für mehr als 100.000 Euro fair gehandeltes Wurfmaterial ein, unter anderem Mango Monkeys, Fruchtgummi aus Mango Püree. Ich persönlich lebe mit Fairtrade schon ziemlich lange, angefangen beim Kaffee. Man tut da viele gute Dinge gleichzeitig. Meistens ist es Bio-Qualität, man unterstützt die Leute vor Ort, die die Sachen produzieren mit fairen Preisen und bringt die einfach in eine bessere Lebensperspektive.

Als Kölner Tatort-Kommissar Freddy Schenk erreichen Sie ein Millionen-Publikum. Wie ist das für Sie als Schauspieler, dass Sie vor allem für diese Rolle bekannt sind?

Bär: Wir reden über eine Zeit, die 1997 begonnen hat. Jetzt gerade drehen wir unseren 93. Tatort. Dass man das solange machen kann und darf, erzählt ja etwas über das Echo dieser Reihe. Diese Popularität ist eine Energie mit der sich auch so etwas wie er Tatortverein aufstellen lässt. Mit ihr kann man mehr machen als nur bekannt oder prominent sein.

In den vergangenen Jahren war Ihr Lebensmittelpunkt in Berlin und Köln. Vor einiger Zeit haben Sie Berlin verlassen und sind ganz nach Köln gezogen. Warum?

Bär: Vor einem knappen Jahr sind meine Frau und ich komplette Kölner geworden. Das Pendeln ist irgendwann schwieriger geworden. In der Pandemie hat es sich in Gesprächen zwischen mir und meiner Frau ergeben, diesen Schritt zu machen. Das hat sicher damit zu tun, dass ich selbst aus Nordrhein-Westfalen komme und Köln seit 27 Jahren schätze und kenne.

Für einen guten Zweck haben Sie kürzlich auf der Messe Pro Wein einen Wein von der Mosel präsentiert. Als Anbaugebiet ist Ihnen auch das Ahrtal nicht fremd, haben es auch nach der Flutkatastrophe im Juli 2021 besucht. Wie war Ihr Eindruck?

Bär: Das Ahrtal ist schon uns länger vertraut, weil da sehr gerne hinfahren als Freunde des deutschen Weins. Nach der Flut haben wir es erst im vergangenen Herbst geschafft. In der Ahrweiler Altstadt haben wir gesehen, dass Gastronomie da ist. Aber natürlich konnte man sehen, dass auch noch einiges geschlossen war. Man kann die Schicksale nur erahnen. Durch meine Weinbezüge waren wir gut bekannt mit den Leuten von der Winzergenossenschaft in Mayschoß. Ich dachte, von Mayschoß steht nur noch das May. Wir waren echt erschrocken. Auf der anderen Seite sieht man auch die Solidarität, die sich durch die ganze Tragödie zieht. Aus Winzerkreisen wusste ich etwa, dass aus ganz Deutschland Winzer zum Rebenschnitt an die Ahr kamen.

Ansprechpartner für Eintrittskarten für die Lesung sind der Weltladen Remagen-Sinzig und die Touristeninformation Remagen. Der Preis für die Tickets liegt bei 15 Euro.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort