Lebenskunstmarkt in Remagen Käse, Küchentücher und Kunst

REMAGEN · Beim Lebenskunstmarkt behalten die Händlern auch bei schlechter Witterung die gute Laune.

 Beim Remagener Lebenskunstmarkt kommt auch die Kunst, genüßlich zu leben, nicht zu kurz.

Beim Remagener Lebenskunstmarkt kommt auch die Kunst, genüßlich zu leben, nicht zu kurz.

Foto: Gausmann

Der lebensgroße Don Quixote aus Treibholz auf dem Marktplatz wäre auf seiner Rosinante zwischenzeitlich wohl gerne wieder gen Spanien in trockenere Gefilde geritten. Und mancher Besucher gab es irgendwann auf, Pfützen zu umrunden, und schaute sich stattdessen Angebote und Ausstellungen an. Der Lebenskunstmarkt in Remagen litt unter dem schlechten Wetter.

„Ein Schauer wäre nicht das Problem“, sagte der Andernacher Oliver Schiller, der die Aquarelle seiner Frau unterm Pavillon in der Bachstraße geschützt dachte, aber nach wiederholtem Regen das Gestänge an immer mehr Stellen mit Küchenpapier unterlegen musste, damit nicht durchsickere. Ein paar Meter weiter hatte die Remagenerin Karola Walbröl ihre Kunst angesichts der Prognosen unter einem stabileren und schließbaren Zelt untergebracht. Richtig wettertauglich waren die fast 20 einheitlichen Zelte der von der Stadt gestellten Zelt-Galerie am Historischen Dreieck, auch wenn auch dort manche Künstler nicht mehr wussten, zum wievielten Mal sie jetzt Ständer oder Staffeleiern rein ins Zelt und dann wieder raus geräumt hatten.

Trotzdem war die Stimmung gut und verzeichneten die mehr als 200 Künstler und Kunsthandwerker ebenso wie die Händler beim provencalisch-mediterranen Spezialitätenmarkt „angesichts des Wetters ein beachtliches Besucheraufkommen, auch am immer eher schwächeren und diesmal auch nasseren Samstag“. Selbst wenn es insgesamt zum Auftakt „plus vide“, also etwas leerer, sei als in den Vorjahren, sei das Interesse ungebrochen, stellte etwa Silvia Gamba fest, die seit 14 Jahren in Remagen dabei ist und sich dieses Jahr über den guten Absatz insbesondere ihrer Salamis mit Kräutern und Wildschwein freute. Und ein Künstlerkollege fand, dass es ja nicht immer die Massen sein müssten, die dann auch für Kaufkraft stünden.

Ein Fest für die Sinne

Mehr als 20 Sorten Oliven und Berge getrockneter Tomaten türmten sich am Stand gleich am Eingang zur Josefstraße. Wann immer sich Besucher vor dem Regen unter das Vordach retteten, wurden auch dort einfach noch mehr Kostproben verteilt. So fanden die Produkte dann auch Käufer. Das propagierte „Fest für die Sinne“ machten zudem Düfte nach Knoblauch und Zitrusfrüchten, Trüffel-Käse und Lavendel wahr. „Probieren?“ war wohl die häufigste Frage der Standbetreiber, die Besucher gerne mit „Ja“ beantworteten, und dann wurde auf Französisch, Englisch, Deutsch und auch mal mit Händen und Füßen gefachsimpelt.

Mancher erlebte, dass auch Lupinen als cremiger Brotaufstrich schmecken und französischer Nougat, dargeboten wie Tortenstücke mit Beeren, Nüssen oder Lakritze, gar nicht hart wie türkischer Honig, sondern weich ist. Den weiteren Weg säumten Stände mit Macarons, Pasteten und Honig, Seifen und provenzalischen Stoffe. Zur Wahl standen aber auch toskanische Bratwurst und spanische Spezialitäten, die auf dem Marktplatz zu haben waren.

Vor dem Rathaus machte Livemusik Laune, und drum herum lockten Geschäftsbetreiber mit Sonderangeboten, gab es Spiele und Aktionen, Stände mit Schmuck, Tee, Kräutern und Musikinstrumenten. Und natürlich: Kunst und Kunsthandwerk.

Wolfgang Eisenbrandt und Annette Mogendorf vom rheinland-pfälzischen Freilichtmuseum in Bad Sobernheim drechselten unermüdlich Holzschalen und –kreisel oder verarbeiteten Wolle am Spinnrad. Hobbymaler Heinz Wagner aus Niederzissen war zudem einer, der sich im Kreise von Künstlerkollegen in der Kulturwerkstatt live beim Malen über die Schulter schauen ließ.

Wegen des Wetters war es nicht ganz das angesagte „Wochenende wie im Süden“, aber „man kann sich hier ja den Süden mit nach Hause nehmen“, sagte eine Bonnerin, als sie sich auf den Heimweg machte mit Blick auf ihre vollen Tüten mit südländischen Leckerein und dem farbenfrohen Bild einer Zypressenlandschaft, das sie erworben hatte.

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