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Mit Mut gegen den "braunen Mob": Kriminaldirektor Wolfgang Bula sprach in Remagen über das Unwesen der Neonazis

Mit Mut gegen den "braunen Mob" : Kriminaldirektor Wolfgang Bula sprach in Remagen über das Unwesen der Neonazis

Bula analysierte die Historie des "braunen Sumpfs" im Ahrkreis. Vereinzelt hätte es in den 1990er Jahren auf der Grafschaft Schmierereien gegeben. Richtig aufgeschlagen seinen die Neonazis jedoch 2004/2005.

"Um den Ehrenfriedhof in Bad Bodendorf machen die Neonazis einen großen Bogen." Das konstatierte der Koblenzer Kriminaldirektor Wolfgang Bula bei seinem Vortrag anlässlich der Filmpremiere "Die Kriegsgefangenenlager Remagen-Sinzig 1945".

Der Grund: Die Zahl der dort beigesetzten 1213 Soldaten passe nicht in das Horrorszenario der Rechten, die behaupten, in den 17 Rheinwiesenlagern hätte es eine Million Tote gegeben. Bula: "Die genaue Zahl weiß keiner, aber Wissenschaftler sprechen von 10.000 bei rund 960.000 Lagerinsassen."

Dennoch: Ihre Thesen wollen die Neonazis bei ihrem Aufmarsch in Remagen am Samstag, 24. November, erneut verbreiten. Das tun sie seit der Gedenkfeier zum Kriegsende am 8. Mai 2005 in Remagen jährlich mit einem Marsch zur Kapelle Schwarze Madonna am Standort des ehemaligen Lagers Remagen.

Zwar haben die Remagener dem in den vergangenen Jahren stets Friedenskundegebungen entgegen gesetzt, doch diesmal soll alles getoppt werden. Bürgermeister Herbert Georgi: "Wir starten an diesem Tag ein Friedensfest, wie es die Stadt noch nicht gesehen hat."

Bula analysierte die Historie des "braunen Sumpfs" im Ahrkreis. Vereinzelt hätte es in den 1990er Jahren auf der Grafschaft Schmierereien gegeben. Richtig aufgeschlagen seinen die Neonazis jedoch 2004/2005 nach der Gründung des Aktionsbüros Mittelrhein und 2010 mit dem Einzug ins das Braune Haus in Bad Neuenahr.

"Das waren keine Dumpfbacken in Springerstiefeln und dem Denkvermögen eines Pflastersteins, sondern hochintelligente Leute", sagte Bula. So sei der Chef des Aktionsbüros IT-Experte, sein Vize ein Medizinstudent mit Einser-Abitur, der als Ausbilder im Kampfsport fungiert habe.

Diese hätten das Nazi-Unwesen vom Braunen Haus aus bis zur Razzia am 12. März gesteuert und auf Jahre im Voraus die Remagener Aufmärsche als "Event-Demos" angemeldet und bundesweit propagiert.

Auch das Problem der Polizei bei diesen Veranstaltungen machte Bula deutlich: "Das Versammlungsrecht gilt für alle. Daher werden alle Verbote von den Gerichten ausgehebelt."

Die Kosequenz für die Beamten sei: "Die Polizei schützt nicht die Meinung, sondern die Ausführung von Grundrechten." Prävention sei dabei nicht Sache der Polizei. Dieses sei Aufgabe des Verfassungsschutzes, der sich der Schulen annehme. Bula: "Dabei wird auch vor dem Köder Musik gewarnt." Sein Fazit: "Gegen den brauen Mob helfen nur Information und mutiges Eintreten." Das geschehe in Remagen.