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Unfallstatistik der Polizeiinspektion Remagen: Mehr Unfälle durch Baustelle auf der B9

Unfallstatistik der Polizeiinspektion Remagen : Mehr Unfälle durch Baustelle auf der B9

Der Remagener Polizeichef Ralf Schomisch hat Zahlen und Hintergründe zum Unfallgeschehen 2018 vorgelegt. Ein Fazit: Die Baustelle auf der B9 zwischen Remagen und Sinzig hat für ein deutliches Mehr an Unfällen gesorgt.

Im Jahr 2018 haben die Beamten der Polizeiinspektion Remagen insgesamt 2026 Unfälle aufgenommen, 171 oder 9,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei 240 (plus 16/entspricht 7,5 Prozent) Unfällen wurden insgesamt 312 Menschen verletzt, ein Plus von 23 oder acht Prozent. Einen tödlichen Verkehrsunfall hat es im Bereich der Polizei Remagen im vergangenen Jahr zum Glück nicht gegeben. In 453 Fällen, also bei fast jedem vierten Unfall, beging der Verursacher Unfallflucht und konnte in lediglich 48,1 Prozent der Fälle nachträglich ermittelt werden. Im Vorjahr hatte die Aufklärungsquote bei 43,5 Prozent gelegen.

Diese Zahlen nannte Remagens Polizeichef Ralf Schomisch, der jetzt seine Unfallstatistik vorlegte. Sein Fazit: Damit heben sich die Remagener-Eckdaten negativ von den entsprechenden Vergleichsdaten des gesamten Landes Rheinland-Pfalz ab. Landesweit ging die Gesamtzahl der polizeilich aufgenommenen Unfälle von 2017 zu 2018 um rund zwei Prozent zurück, während sich die Zahl der Verletzten in etwa auf Vorjahresniveau einpendelte.

„Schuld“ an den negativen Zahlen ist für Schomisch die Bundesstraße 9: „Selbst ohne tiefgreifende Analyse liegt nahe, dass der Anstieg der Unfallzahlen zu einem erheblichen Teil der mehrmonatigen Großbaustelle auf der B 9 zuzurechnen ist: Während auf dem Streckenabschnitt zwischen der Südeinfahrt Remagen und den Zu- und Abfahrten aus dem Hochkreisel Sinzig in 2017 nur 25 Unfälle gezählt wurden, waren es im Jahr 2018 genau 100.“ Die Baustelle habe bei Autofahrern zu Verunsicherung und Fehlverhalten geführt – und im Ergebnis zu mehr Unfällen.

Die größte Steigerung gab es prozentual gesehen bei den Unfällen mit Kindern: plus 69,3 Prozent. In absoluten Zahlen war es eine Steigerung von 13 auf 22 Unfälle. Hier hält Schomisch relativierend fest, dass 2017 „in dieser Kategorie ein außerordentlich positives Jahr war und ein Allzeittief markierte.“ Ansonsten bewegte sich die Zahl der Kinderunfälle seit 2011 in einer Bandbreite zwischen 22 und 33, sodass der Wert von 22 aus 2018 in einem deutlich helleren Licht erscheine. Übrigens verunglückten Kinder häufig als Mitfahrer und waren nur in sieben Fällen der mutmaßliche Hauptverursacher, davon sechsmal als Fahrradfahrer. „Den von vielen Eltern mit besonderer Aufmerksamkeit bedachten Schulweg darf man dagegen getrost als sehr sicher bezeichnen“, sagt der Polizeichef. So sei im vierten Jahr in Folge nur jeweils ein einziger Schulwegunfall registriert.

Ganz anders stelle sich in der Statistik die Entwicklung bei den jungen Fahrern (18 bis 24 Jahre) und den Senioren (über 65 Jahre) dar. Seit 2014 stieg die Zahl der Unfälle mit Beteiligung junger Fahrer von 226 auf 419 in 2018. Bei den Senioren stehen 237 Unfällen im Jahr 2014 483 im abgelaufenen Jahr gegenüber. 2017 waren es 445 Unfälle.

Schomisch: „Ein möglicher Erklärungsansatz für den Anstieg bei den Unfällen mit Senioren könnte darin liegen, dass Mobilität bis ins hohe Alter eine immer größere Rolle spielt. Ältere Menschen fahren mehr und länger Auto, als dies früher der Fall war.“ Ohne tiefergehende Auswertung ließen sich diese allgemeinen Aussagen jedoch nicht unmittelbar aus den harten Daten ableiten. „Zumindest für den Bereich der Polizei Remagen statistisch belastbar ist dagegen die Aussage, dass die unfallbeteiligten Senioren zu rund 63 Prozent als Hauptverursacher ausgemacht werden“, sagt Schomisch, der aber auch einräumt, dass dies häufig bei Bagatellunfällen der Fall sei. Kurios für ihn: Bei der Verteilung auf die Wochentage nimmt die Zahl der Senioren-Unfälle von Montag (88) bis Sonntag (41) kontinuierlich ab.

Die Entwicklung bei den jungen Fahren sei ähnlich, aber vielschichtiger. Auffällig sei hier, dass junge Menschen häufiger in schwerere Unfälle verwickelt gewesen seien. Bei den insgesamt 419 Unfällen junger Fahrer wurde in 71 Fällen (17 Prozent) mindestens ein Beteiligter verletzt. In 48 dieser 71 Fälle waren die jungen Fahrer Hauptverursacher. Hauptunfalltage sind der Samstag mit 62 und vor allem der Freitag mit 81 Unfällen.

Die Zahl der Unfälle unter Alkohol- und/oder Drogeneinwirkung bewegt sich bei der Polizei Remagen seit Jahren zwischen 30 und 40. In 2018 gab es mit 42 Unfällen eine leichte Steigerung. Zehn davon waren Unfälle unter Drogeneinfluss, was Schomisch als „proportional betrachtet hoch“ bezeichnet.

Drei Hauptursachen gab es laut Statistik im Bereich der Inspektion Remagen: zu geringer Abstand, Wenden/Rückwärtsfahren und Missachtung der Vorfahrt. Dass es zu hohes Tempo nicht unter die Top drei geschafft habe, sei wie schon die steigende Zahl der Unfälle der B 9 geschuldet. „Viele Stop-and-Go-Situationen haben zu Unfällen geführt“, erklärt Schomisch die Ursache.

Stolz ist er darauf, dass bei der Präventionsarbeit der Polizei 535 Kinder die Jugendverkehrsschule absolviert und den Fahrradführerschein erworben haben.

Doch Prävention alleine helfe nicht. Kontrollen müssten ebenfalls sein. So hatten 61 Fahrer mehr als 0,5 Promille und 47 Fahrer standen unter Drogen.

Zudem gab es 296 Strafanzeigen vom Fahren ohne Führerschein bis hin zur Nötigung im Straßenverkehr. Auf Tempokontrollen folgten 698 Bußgeldverfahren. In 7245 Fällen wurden Verwarngelder erhoben. Und schließlich wurden knapp 400 Mängelberichte für Fahrzeuge, oder wenn Dokumente fehlten, ausgestellt.

Die Remagener Polizisten betreuen ein Dienstgebiet von mehr als 250 Quadratkilometern Größe. Dieses Gebiet ist von gut 220 Kilometern klassifiziertem Straßennetz (Bundes-, Land-, Kreisstraßen) sowie einer Vielzahl an innerörtlichen Nebenstraßen und - plätzen durchzogen. Das Dienstgebiet umfasst die Städte Remagen, Sinzig, die Verbandsgemeinde Bad Breisig sowie Teile der Verbandsgemeinde Brohltal.