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Ausstellung in Remagen: Nazi-Gräueltaten auf neun Ölgemälden

Ausstellung in Remagen : Nazi-Gräueltaten auf neun Ölgemälden

Die Malerin Ingrid Gahl fängt in ihren Werken historische Ausgrabungsstücke des KZ-Außenlagers Lichterfelde ein.

Passt noch jemand hinein? Das musste man sich beim Betreten der Galerie Artspace K2 fragen. Neun Ölgemälde einfacher Dinge sorgten für einen enormen Andrang bei der Vernissage.

„Ungeheuer ist vieles. Doch nichts ungeheurer als der Mensch.“ Diese an den Dichter Sophokles angelehnten Sätze wählte Ingrid Gahl, um ihre Ausstellung zu untertiteln. Die Überschrift „Warum?“ drückt das Entsetzen und die Hilflosigkeit der Bonner Malerin angesichts der Nazi-Gräueltaten aus, mit denen sich ihre Arbeiten befassen. An Gebrauchsgegenständen des Konzentrationslagers Sachsenhausen machen sie sich fest, die 1999 bei Ausgrabungen um das Außenlager Berlin-Lichterfelde entdeckt wurden und danach auf dem Speicher des Heimatmuseums Steglitz lagerten. Durch ihren Schwager Wolfgang Holtz, früherer Leiter des Museums, hatte Gahl Zugang zu den Funden.

Einzeln und in Gruppen fotografierte sie die Stücke 2004, bevor sie zwei große Wandtafeln schuf. Bis 2015 ruhte die Arbeit. „Als die vielen Flüchtlinge nach Deutschland kamen und die Reaktionen eskalierten, schien mir der Zeitpunkt passend, das Thema wieder aufzugreifen.“ Gahl wollte warnen, „damit sich die Geschichte nicht wiederholt“. Um den Hintergrund wissend, können einen die größtenteils beschädigten Dinge erschauern lassen. Die Stillleben zeigen das Solo einer großen Milchkanne, oder ebenfalls für sich, ein zerfetztes braunes Utensil ungewisser Funktion. Es gibt ein Quintett aus vier grünen und einer braunen Flasche, das Ensemble aus Kanne, Becher, Nachttopf und ein weiteres mit Henkeltopf, Schüttgefäß und Becher vor zwei wie Wächtern aufgerichteten Ziegeln. Draht taucht auf, ein verformter Kerzenhalter und Metall, das Gahl selbst nicht identifizieren kann.

Den Tätern gehörten wohl die fünf rostigen übereinander gestapelten Stahlhelme und gefundene Gasmasken. Die Becher können auch von den KZ-Häftlingen an den Mund geführt worden sein. Aus ihrer Geschichte und der Tatsache, dass die Dinge selbst „unberührt sind, im Gegensatz zu uns“, erwächst eine Spannung. „Die Dinge haben eine Strahlkraft, ohne, dass ich daran etwas ändern sollte“, befand Gahl. Sie hat sie uneitel, schlicht, in expressivem Duktus gemalt, hat ohne Pinsel, nur mit Händen, Tüchern, Malmessern und Spachteln „modelliert“. Für Galerist Christoph Noebel „verschafft die Mischung aus künstlerischer Ästhetik und ungeschönter Direktheit den Werken eine Aura und Komplexität, die unweigerlich Assoziationen zu dem von Hannah Arendt geprägten Begriff der „Banalität des Bösen“ weckt.

Die Gemälde gehen als Geschenk an die Sammlung des ehemaligen KZ Sachsenhausen. Einzig in der Galerie Artspace K2 ist Gahls beeindruckender Zyklus zu sehen, bevor er permanent in der Gedenkstätte in Oranienburg verbleibt. „Die Auseinandersetzung mit den Bildern“, so Noebel, „bietet nicht nur ein künstlerisches Ereignis, sondern fordert uns heraus, über das Potential des trivialen Alltags als Manifestation des Unrechts und Grauens nachzudenken, wachsam zu bleiben und, wenn geboten ist, zu handeln.“

Die Ausstellung in der Kirchstraße 2 ist bis 22. März mittwochs bis samstags, 15 bis 18.30 Uhr, geöffnet.