Rheinhalle in Remagen Norbert Alich und Rainer Pause: Die Früchte des Zorns

REMAGEN · In Frack mit weißer Papiernelke im Knopfloch und Pomade im mittlerweile lichten Haar streiten Fritz Litzmann (Rainer Pause) und Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) seit nunmehr zweieinhalb Jahrzehnten ebenso kontrovers wie wortreich für eine bessere Welt.

 Pause und Alich servieren die "Früchte des Zorns".

Pause und Alich servieren die "Früchte des Zorns".

Foto: Martin Gausmann

Auch in ihrem zehnten abendfüllenden Programm setzen die Meister des satirischen Spotts zu einem Rundumschlag an, sezieren eloquent-bissig die Gegenwart und lästern über die Bundeswehr, Banker und Vegetarier. Es sind die "Früchte des Zorns", die den beiden schwer im Magen liegen und die sie zur Freude der 550 Besucher mit Inbrunst zum Platzen brachten.

Traditionell eröffneten Fritz und Hermann auch den Abend in Remagen mit einer Version von "The Final Countdown". Denn Krisen und Kriege gibt es nach wie vor genug, um sich mit der umgetexteten Version des Europe-Hits ("It's the Final Countdown/Da kann man nur noch draufhau'n") in Rage zu singen. Und da sich die Jubiläen in diesem Jahr häufen, schmetterten die beiden altgedienten Berufsnörgler gleich ein "Happy Birthday" hinterher. Schließlich böten 100 Jahre Erster und 75 Jahre Zweiter Weltkrieg sowie ein Vierteljahrhundert Wiedervereinigung Grund zum Feiern.

Mit Vorliebe widmeten sich Litzmann und Schwaderlappen der Bundeswehr. So werde der Einsatz in Syrien mit Truppen durchgeführt, die nicht zu gebrauchen seien. Kein Wunder, würden doch alle in Deutschland produzierten Waffen exportiert. "Alle wollen unsere Waffen, nur im eigenen Land haben wir keine", echauffiert sich Litzmann, um kichernd den Sinn und Zweck der dahinter stehenden Politik zu entlarven: "Das ist Teil unseres Friedensdienstes - Pazifismus durch Waffenhandel."

Ins Visier nahm er etwa auch Hartmut Mehdorn, der erst die Deutsche Bahn zugrunde gerichtet habe, um sich anschließend am Berliner Flughafen zu schaffen zu machen. "Als er auch dort gegangen ist, haben die Hamburger Schiss gekriegt, dass er sich nun die Elbphilharmonie vornehmen könnte", ätzte der Gründer des Bonner Pantheons. Hermann Schwaderlappen outete sich als "Feminist der ersten Stunde" und rang sich dazu durch, sich für alles zu entschuldigen, was ihm in all den Jahren so rausgerutscht sei.

Als Zeichen der Versöhnung hat der wortgewandte Alterspräsident des Heimatvereins Rhenania sogar den Elvis-Presley-Klassiker "You are always on my mind" in "Es war niemals bös gemeint" umgedichtet. Überhaupt zählten die musikalischen Einlagen zu den Höhepunkten des Abends: Am Klavier begleitet vom angestammten Kapellmeister Stephan Ohm besangen die beiden mit Billy Joels "We Didn't Start the Fire" ("Das geht uns auf die Eier") all die "Sauereien, die sich übers Jahr in Deutschland und der Welt angesammelt haben" oder rappten gekonnt Beethovens "Ode an die Freude".

Auch das Thema "Flüchtlinge" hat das Duo nicht ausgelassen. Nach mehr oder weniger gelungenen Pointen schien Norbert Alich sein Alter ego für einen kleinen Moment abzustreifen, um mit überzeugendem Ernst hinzufügen: "Wir sind eines der reichsten Länder der Welt und haben die verdammte Pflicht, so vielen Menschen wie möglich zu helfen."

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